Fünf Kandidaten

Favoriten-Check: Wer wird neuer Barcelona-Präsident?

Von Tobias Benz

1.12.2020

Der FC Barcelona sucht derzeit einen Nachfolger für Ex-Präsident Josep Maria Bartomeu.
Bild: Keystone

Wer tritt beim FC Barcelona die Nachfolge von Josep Bartomeu an? Die Präsidentschaftswahlen wurden am Montag auf den Januar vorverschoben, hier sind die Favoriten.

Der FC Barcelona kriselt. Und das nicht erst seit der 2:8-Klatsche gegen die Bayern im August. Der einstige Dominator der europäischen Fussballszene wackelt auf und neben dem Platz gewaltig. In der spanischen Liga stehen die Katalanen nach neun Partien und 14 Punkten gerade mal auf dem 7. Platz. Noch schlimmer sieht es im Finanzbuch aus. Nur dank einer Kürzung der Spielergehälter um 122 Millionen Euro konnte Ende November der Konkurs verhindert werden.

Definitiv kein schlechter Zeitpunkt für grundlegende Veränderungen. Klub-Präsident Josep Bartomeu trat nach seinem Zwist mit Lionel Messi im Oktober zurück, weswegen im kommenden Jahr eine neue Führung gewählt wird. Bartomeus Nachfolger und Interimspräsident Carlos Tusquets sorgte am Montag aber bereits wieder für Verärgerung bei den Fans. Der Grund: Die Wahlen wurden auf den 24. Januar vorverlegt. Der neue Präsident wird deshalb nur eine Woche Zeit haben, das Team zu verstärken, bevor das Transferfenster am 1. Februar schliesst.

Wie die Zukunft des Klubs aussehen soll, darüber streiten sich aktuell die Kandidaten. Die wichtigsten Punkte sind dabei die Zukunft Lionel Messis, eine mögliche Rückkehr Neymars und die Trainerfrage. Hier sind die Kandidaten.

1
Der Top-Favorit: Victor Font

Der 48-jährige Geschäftsmann wirbt mit dem Slogan «Sí al futur» (übersetzt: «Ja zur Zukunft») und geniesst die Unterstützung von grossen Namen wie Carles Puyol, Gerard Lopez oder Joan Gaspart. Er will viele Spieler und Trainer Koeman abgeben, Messi unbedingt halten, und sich bei wichtigen Anliegen direkt mit den Klubmitgliedern beraten. Zudem wünscht er sich BVB-Star Erling Braut Haaland beim FCB. Das sagt Font zu:

Lionel Messi: «Wir haben viele Herausforderungen für die nächsten zehn Jahre. Eine der wichtigsten ist die Zukunft von Lionel Messi. Er wird bei uns weitermachen und die Champions League mit uns gewinnen.» 

Ronald Koeman: «Auch wenn Koeman eine grossartige Saison hat: Wenn ich Präsident werde, wird Koeman 2021/2022 nicht Trainer sein. Xavi weiss, dass alle Puzzleteilchen im Klub zusammenpassen müssen. Die Führung entscheidet, wer das Team führt und in unserem Fall wäre er das.»

Neymar: «Aus finanziellen Gründen und aus anderen Gründen, wie der Klage, die er gegen den Klub führt, sowie der Tatsache, dass er den Klub wenige Tage vor Saisonbeginn (2017) in einer heiklen Lage verlassen hat, ist Neymar in meinen Plänen nicht elementar.»

Victor Font würde als erste Amtshandlung Ronald Koeman wieder entlassen.
Bild: Twitter
2
Der Herausforderer: Joan Laporta

Der Ex-Barcelona-Präsident (2003 bis 2010) wollte den Posten bereits 2015 wieder haben, scheiterte aber am damaligen Interimspräsidenten Josep Bartomeu. Auch der 58-Jährige wirbt mit Lionel Messi, den er auf keinen Fall verkaufen will, hält sich bei der Trainerfrage aber bedeckt. Das sagt Laporta zu:

Lionel Messi: «Messi liebt Barcelona und ich bin mir sicher, dass er dem Klub noch eine Chance gibt. Wenn er ein gutes Angebot von uns erhält, dann wird er bleiben.»

Ronald Koeman: «Er verdient Respekt. Er hat keine leichte Rolle gehabt, aber er verdient etwas Spielraum. Er ist unser Trainer und er hat einen Vertrag.»

- Neymar: Laporta gilt als Befürworter einer Neymar-Rückkehr.

The former president of FC Barcelona, Joan Laporta, presents his candidacy for the elections for the presidency of the club that will take place during the spring of 2021, in Barcelona, Catalonia, Spain, on November 30, 2020. (Photo by Albert Llop/NurPhoto via Getty Images)
Joan Laporta war bereit zwischen 2003 und 2010 Barça-Präsident.
Bild: Getty Images
3
Die restlichen Kandidaten

Jordi Farre

Der 44-Jährige setzt sich ebenfalls für einen Verbleib Messis ein, will aber Trainer Koeman durch Liverpool-Coach Klopp ersetzen. «Wir haben mit dem Umfeld von Klopp gesprochen. Er ist ein Trainer, den wir mögen, ein Gewinner mit Charakter und Disziplin. Wir glauben, dass der Verein genau das braucht», so Farre. Ob ihm dieser Coup gelingen würde?

Auch bei der Personalie Neymar ist sich Farre sicher: «Neymar will zum FC Barcelona wechseln. Diese Tatsache und die Tatsache, dass er einer der Besten ist, bedeutet, dass wir ihn zurückholen müssen.»

Jordi Farre wünscht sich Jürgen Klopp bei Barça.
Bild: Twitter

Toni Freixa

Freixa fällt vor allem durch seine klaren Meinungen auf. Und: Er ist der einzige Messi-Gegner unter den Kandidaten. «Das Wichtigste an Barça ist der Klub. Wir sind von niemandem abhängig», so der 52-Jährige, der das Verhalten des Argentiniers im Sommer als «enttäuschend» empfunden habe.

Freixa gilt zudem als klarer Befürworter von Trainer Ronald Koeman. «Ich kriege Gänsehaut, wenn ich über ihn spreche. Er kennt unseren Klub und hat grossartige Führungsqualitäten», so Freixa, der den Holländer für die ideale Langzeitlösung hält.

Eine Rückkehr von Brasilien-Star Neymar kommt für den Rechtsanwalt nicht infrage: «Aufgrund seiner Leistungen gehört Neymar zurzeit nicht einmal zu den 30 besten Spielern Europas. Wenn ich Präsident wäre, würde ich ihn nicht verpflichten.»

Spokesman of the legal section of the Barcelona football team, Toni Freixa, gives a press conference on April 28, 2011 at the Camp Nou stadium in Barcelona, one day after the Champions league semi-final first leg against Real Madrid. Barcelona has decided to complaint to UEFA over accusations by Real Madrid coach Jose Mourinho that referees always favoured Barca after his club was defeated 2-0 in the Champions league semi-final first leg.AFP PHOTO / JOSEP LAGO (Photo credit should read JOSEP LAGO/AFP via Getty Images)
Toni Freixa ist für einen Neustart ohne Messi.
Bild: Getty

Lluís Fernández Alà

Für Fernández Alà ist Lionel Messi wie Roger Federer. Der Argentinier soll selber bestimmen dürfen, wann seine Zeit in Barcelona zu Ende geht. «Messi ist wie Federer. Wir glauben, dass er noch viele Jahre spielen kann. Aber wenn er denkt, seine Zeit hier sei vorbei, muss ihm zum Abschied eine Statue gebaut werden.»

Des Weiteren will sich der 53-Jährige vor allem für die Erneuerung und Verbesserung der Jugendakademie «La Masia» einsetzen. In Bezug auf Koeman sagt der Präsidentschaftskandidat: «Wenn er eine grossartige Saison absolviert hat und jungen Menschen Chancen gibt, kann er nicht rausgeschmissen werden.»

epa08746934 Lluis Fernandez Ala, one of the five aspirants for FC Barcelona President's candidate, poses for the photographer during an interview in Barcelona, Spain, 15 October 2020. FC Barcelona is to elect a new President after a motion of non-confidence was passed in last general assembly of shareholders. EPA/Andreu Dalmau
Lluís Fernández Alà will La Masia wieder grossmachen.
Bild: Keystone
Umfrage
Wer soll Josep Bartomeu als Präsident des FC Barcelona beerben?

Quellen: goal.com, marca.com, mundodeportivo.com, espn.com, spox.com, barcawelt.de, onefootball.com, fussballeuropa.com, caughtoffside.com, readsport.de, 4-4-2.ch, manchestereveningnews.co.uk, football-espagna.net, fcbarcelonanoticias.com, wikipedia.org


Zurück zur StartseiteZurück zum Sport