Gegen Italien, aber nicht gegen den Europameister?

Von Marko Vucur und Luca Betschart

11.11.2021

So tritt Italien gegen die Schweiz auf

So tritt Italien gegen die Schweiz auf

Marko Vucur präsentiert die Ausgangslage des WM-Quali-Showdowns gegen die Schweiz aus italienischer Sicht.

11.11.2021

Nach der Verletzungsmisere in der Nati vor dem wegweisenden Duell mit Italien in der WM-Qualifikation spricht wenig für den ersten Schweizer Sieg seit 28 Jahren. Nichtsdestotrotz gibt es aber durchaus Lichtblicke.

Von Marko Vucur und Luca Betschart

11.11.2021

Der Schweizer Nati fehlen für den Showdown in der WM-Quali nicht weniger als sechs bewährte Kräfte. Zudem ist Mario Gavranovic mit einer Fussprellung für Freitag fraglich. Es sind nicht die besten Voraussetzungen, um den Europameister im eigenen Land zu bezwingen. Oder doch? blue Sport sucht Faktoren, die der Nati Mut machen sollen.

Beidseitiges Verletzungspech

Nicht nur die Schweiz, auch Italien plagt sich mit Verletzungssorgen herum. Neben Leonardo Spinazzola, der sich am EM-Turnier die Achillessehne riss, muss Marco Verratti bereits vor Wochen Forfait erklären. Nach Bekanntgabe des Aufgebots folgen schliesslich weitere Absagen. Nicolo Zaniolo und Lorenzo Pellegrini sind bereits wieder aus dem Camp abgereist, genauso wie der Stürmerstar und erfolgreichste Torschütze Ciro Immobile. Damit aber nicht genug.

Trainer Roberto Mancini kann auch nicht auf das legendäre, aber angeschlagene Innenverteidiger-Duo Giorgio Chiellini/Leonardo Bonucci setzen. Während Bonucci noch rechtzeitig fit werden könnte, muss Chiellini mit Adduktorenproblemen definitiv passen. Hinter dem Einsatz von Inter-Spielmacher Nicolo Barella steht derzeit ebenfalls ein kleines Fragezeichen.



Im schlimmsten Fall – je nach Perspektive – fehlen Italien am Freitag ganze sechs Stammspieler, wobei vier davon derzeit zu den erfolgreichsten, noch aktiven Torschützen für ihr Heimatland zählen. Mit der Mannschaft, die sich im Sommer zum Europameister kürt, hat jene Truppe wenig gemeinsam. Aber aufgepasst: Weil Verratti fehlt, dürfte im Mittelfeld ein gewisser Manuel Locatelli, der gegen die Schweiz an der EM in Rom mit zwei Treffern zum Mann des Spiels avancierte, die Fäden ziehen.

Der fehlende Stürmer

Das Aus von Immobile dürfte Mancini wohl am meisten schmerzen, ist der Torjäger für die «Azzurri» doch nur schwierig zu ersetzen. Sein erster Ersatzmann Andrea Belotti blickt auf einen schwierigen Saisonstart mit Verletzungspause zurück und läuft seiner Bestform derzeit hinterher. Moise Kean von Juventus ist wegen einer Verletzung ebenfalls keine Alternative.

Bleibt das eher formschwache Sassuolo-Duo Giacomo Raspadori und Gianluca Scamacca, das in der laufenden Saison bisher drei Treffer markiert hat – gemeinsam. Durchaus denkbar, dass Mancini deshalb auf eine Startformation ohne gelernten Stürmer setzt. Wie das aussehen könnte, siehst du im Video am Anfang des Artikels.

Zugegeben: Auch ohne einige Stars lässt sich Italiens mögliche Aufstellung sehen.
Bild: Keystone

Die Formkurve

Von einem Europameister-Blues kann nicht die Rede sein. Aber: Fünf Spiele bestreitet Manicinis Team seit dem EM-Finalsieg über England, nur zweimal geht der amtierende Europameister als Sieger vom Platz. In der WM-Quali muss man sich gegen die Schweiz und Bulgarien mit einem Remis begnügen, im Halbfinal der Nations League wird man von Spanien vor heimischem Publikum nach unglaublichen 37 Partien wieder einmal besiegt.

Der letzte Schweizer Sieg über die grosse Fussballnation geht übrigens auf den 1. Mai 1993 zurück. Im Berner Wankdorf zwingt die Nati den Favoriten im vorentscheidenden Spiel der WM-Quali dank einem Treffer von Marc Hottiger mit 1:0. Bemerkenswert: Weil Dino Baggio in der 44. Minute vom Platz gestellt wird, müssen die dezimierten Italiener nach der Pause umstellen. Opfer der Systemanpassung ist Stürmer Roberto Mancini, der in der Pause ausgewechselt wird.

Immerhin schaffen es die Italiener im Anschluss doch ans WM-Endturnier, dennoch dürfte die Partie beim heutigen Nationaltrainer einen bleibenden Eindruck hinterlassen haben. «Gegen die Schweiz zu spielen, ist immer schwierig», warnt Mancini. Auf ein Déjà-vu aus Spielerzeiten kann der 56-Jährige wohl getrost verzichten.

Kader Italien

  • Torhüter: Alessio Cragno (Cagliari), Gianluigi Donnarumma (Paris Saint-Germain), Alex Meret (Napoli), Salvatore Sirigu (Genoa)
  • Verteidiger: Francesco Acerbi (Lazio), Alessandro Bastoni (Inter), Cristiano Biraghi (Fiorentina), Leonardo Bonucci (Juventus), Davide Calabria (Milan), Giorgio Chiellini (Juventus), Giovanni Di Lorenzo (Napoli), Emerson Palmieri (Lyon), Gianluca Mancini (Roma)
  • Mittelfeld: Nicolò Barella (Inter), Bryan Cristante (Roma), Jorginho (Chelsea), Manuel Locatelli (Juventus), Danilo Cataldi (Lazio), Tommaso Pobega (Torino), Sandro Tonali (Milan), Matteo Pessina (Atalanta)
  • Stürmer: Andrea Belotti (Torino), Domenico Berardi (Sassuolo), Federico Bernardeschi (Juventus), Federico Chiesa (Juventus), Ciro Immobile (Lazio), Lorenzo Insigne (Napoli), Giacomo Raspadori (Sassuolo)
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