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Moderner Fussball: Ein Spagat zwischen Tradition und Kommerzialisierung

Fredy Ruffiner

31.12.2018

Fussball früher und heute: Der Wechsel fällt nicht allen leicht.
Bild: Keystone

Unter unsere Sport-Jahresrückblicke mischt sich ein kritischer Beitrag: Moderner Fussball, quo vadis?

Die Nacht bricht herein, das Flutlicht geht an, volle Fan-Kurven sorgen für Stimmung, es riecht nach Rasen und Bratwurst, auf dem Feld rennen sich die Spieler die Seele aus dem Leib. Früher.

Heute. Samstag 12:30 Uhr, Tickets gibts für die obere Mittelschicht, der Lärmpegel erinnert an eine Oper, überbezahlte Fussballer stellen sich ins Rampenlicht. Pauken, Trompeten. Ist der moderne Fussball nur noch Entertainment? 

Ein schmaler Grat

Traditionalisten und Fussball-Romantiker schwärmen von der guten alten Zeit. Als Fussball noch Fussball war. Ohne Halbzeit-Shows, Multifunktions-Arenen oder Transfers über 200 Millionen Franken. Doch das Spiel auf dem Rasen ist mittlerweile eine milliardenschwere Unterhaltungsindustrie geworden. Die Superstars werden vergöttert und vergoldet. Für viele Nostalgiker das Horror-Szenario schlechthin. Aber so funktioniert nun mal der Kapitalismus. Immer höher, weiter, schneller – aber auch besser?

Es ist ein schmaler Grat, auf dem sich Klubs und Liga-Verantwortliche bewegen. Zerstückelte Anspielzeiten von Freitag bis Montag, oftmals angepasst an ferne Märkte wie Asien. Auch deshalb schwimmt die englische Premier League im Geld. Und allen Floskeln zum Trotz schiesst Geld eben doch Tore und sorgt für Attraktivität. In Schanghai steht niemand auf, um Watford gegen Wolverhampton zu sehen. Aber bei Spielen der Top 6 sitzt ein Millionen-Publikum vor den TV-Geräten.

Deutschland stemmt sich (erfolglos?) dagegen

In Paris, Madrid, London oder Turin, den Epizentren des Fussball-Spektakels, sind die Vereine bereits über der Problematik hinweg. Dort wird Woche für Woche den Superstars zugejubelt, Wochenlöhne von über 350'000 Franken wohlwollend akzeptiert und eine Stadt steht Kopf, wenn ein brasilianischer Spitzenfussballer für über 220 Millionen verpflichtet wird.

Auch wenn Manchester United oder Liverpool ihre Integrität trotz globaler Stahlkraft einigermassen wahren können. Auch in ihren Stadien sind mehr und mehr Fussball-Touristen zu Hause. Die wahren Fans schauen sich die Spiele wegen der horrenden Preise in einem der zahlreichen britischen Pubs an. 

Am meisten Gegenwind im beliebtesten Sport der Welt gibt es zurzeit in Deutschland. Die Fans wollen ihre Dauerkarten auch in den nächsten Jahren noch bezahlen können. Die Atmosphäre in den Stadien ist stimmungsmässig wohl etwas vom Besten, was die europäischen Top-Ligen zu bieten haben. Und doch schlägt sich der Gang in Richtung totaler Kommerzialisierung auf die sportlichen Ergebnisse. Die Bundesliga geniesst seit dem deutschen Finale in der Champions League 2013 in der «Beletage» des europäischen Fussballs bestenfalls noch Besuchsrecht.

Wer dies nicht so schlimm findet, der wird sich, schneller als ihm lieb ist, in der internationalen Bedeutungslosigkeit wiederfinden. Ist der Kommerz ausgereizt oder stehen wir erst am Anfang? Platzt die Blase schneller als viele denken? Fussball, quo vadis?

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