Nations League: Fluch für die Klubs, Segen für die Fans

tbz

10.9.2018

Die UEFA Nations League vermag zu begeistern.
Bild: Fotomontage Teleclub

Die Schweiz startete mit einem sensationellen 6:0-Erfolg gegen Island in das neue UEFA-Turnier, doch funktioniert das neue Format generell? Und nehmen es die anderen Länder so ernst wie wir?

Die Kurzversion: Ja und ja.

Und die lange Version:

Die Nations League wurde vor ihrem Startschuss letzte Woche gerne und häufig kritisiert – «nimmt eh niemand ernst», oder «noch irgend so ein Turnier der UEFA» sagten nicht wenige. Nach der ersten Runde ist nun aber klar, dass zumindest die erste Aussage überhaupt nicht zutrifft. Natürlich mischen sich unter die bisherigen Partien neben Hochkarätern, wie England – Spanien (1:2) oder Frankreich – Holland (2:1) auch Trauerspiele, zum Beispiel Aserbaidschan – Kosovo (0:0). Aber ob Wembley in London oder Nationalstadion in Baku, die Einstellung war überall dieselbe: Ernstkampf.

Nicht nur die Schweizer haben in ihrer Partie in St. Gallen auf die bewährten Stammkräfte gesetzt. Auch ein Blick auf die Matchblätter in Deutschland, Frankreich, Spanien oder England zeigt: Es fehlt kaum ein grosser Name. Anders als bei den bisher üblichen internationalen Freundschaftsspielen will man die Spiele gewinnen. Das spiegelt sich auch am Einsatz – so sehr, dass gewisse Spieler sogar mit Sauerstoffmaske vom Feld getragen werden mussten.

Luke Shaw muss nach einer Kollision mit Dani Carvajal  mit Sauerstoff versorgt werden.
Bild: Getty Images

Weniger Freude an der Ernsthaftigkeit der Nations League dürften die Trainer im europäischen Klubfussball haben, denn nach der internationalen Pause geht es mit Liga, Champions League und etlichen nationalen Cup-Starts für viele grosse Vereine erst so richtig los. Der eine oder andere Klubtrainer wird sich bereits jetzt nach den guten alten Zeiten sehnen, als die Nationalteams während den laufenden Saisons aus Rücksicht auf die Vereine gerne mal auf ihre Topstars verzichteten.

Eine schöne Veranschaulichung dieses rückläufigen Trends bietet das Beispiel von Pep Guardiolas Manchester City. Der spanische Erfolgscoach ist bekannt dafür, dass er immer einen Weg findet, seine Spieler von den (unnötigen) Strapazen internationaler Pausen fernzuhalten – besser gesagt, immer einen Weg gefunden hat, denn die Nations League macht selbst dem grossen Pep einen Strich durch die Rechnung. Namhafte Spieler, wie Kyle Walker, Bernardo Silva, Benjamin Mendy, Gündogan und viele andere wurden von ihren Nationalmannschaften eingefordert. Auffällig: Alle Südamerikaner im Kader der «Citizens» blieben zu Hause – dort gibt es nämlich keine Nations League und über Anfragen bezüglich Spieler-Einzug für Freundschaftsspiele dürfte Guardiola wohl nur müde gelächelt haben.

«Hmm, wie halt ich meine Spieler bloss von der Nations League fern?» Pep Guardiola muss wieder in die Trickkiste greifen.
Bild: Getty Images

Die erhöhte Belastung und die damit einhergehende Verletzungsanfälligkeit der Spieler ist der einzige negative Eindruck, den die Nations League nach ihrer ersten Runde hinterlässt. Alles andere erscheint in positivem Licht. Es darf natürlich in Frage gestellt werden, ob die Intensität und der Siegeswille so gross ist wie an einer Weltmeisterschaft, aber die Nations League ist definitiv eine Aufwertung gegenüber den eintönigen, sinnfreien und nervtötenden internationalen Freundschaftsspielen der Vergangenheit.

Obwohl ganz Geschichte sind sie ja leider noch nicht, die Schweiz trifft am Dienstag auf «Freunde» aus England – und wer hätte es gedacht, die Engländer haben bereits angekündigt eine komplett andere Mannschaft aufs Feld zu schicken, als sie dies noch gegen Frankreich getan haben.

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