Ottmar Hitzfeld plaudert aus dem Nähkästchen

12.1.2019 - 16:51, pat

Ottmar Hitzfeld feiert am 12. Januar 2019 seinen 70. Geburtstag.
Bild: Keystone

Dem «Tages-Anzeiger» hat Ottmar Hitzfeld anlässlich seines 70. Geburtstags ein ausführliches Interview gegeben und interessante Einblicke in sein Leben gewährt.

Am 12. Januar vor 70 Jahren erblickte ein gewisser Ottmar Hitzfeld das Licht der Welt. In einem Interview mit dem «Tages-Anzeiger» blickt er zurück auf prägende Ereignisse in seinem Leben und verrät, wie er seinen Geburtstag feiert.


Hitzfelds Titelsammlung als Trainer im Überblick


Er werde im engsten Familienkreis feiern sagt Hitzfeld, einer der erfolgreichsten Fussball-Trainer der Geschichte. «Ich bin kein Fan von grossen Festen. Dieses Mal werden wir alle zusammen etwas essen und die Zeit geniessen. Das ist alles, was ich an diesem Tag brauche.» Mit dem Älterwerden habe er aber nie Probleme gehabt, das gehöre zum Leben dazu. Er sei einfach nur dankbar, dass er so viel habe erleben dürfen. «Es ist schön, dass ich jetzt auf so viele tolle Erinnerungen, Titel und Ehrungen zurückblicken darf. Während der Karriere war es ja kaum möglich, mal für einen Moment innezuhalten.»

Sein Leben hätte auch ganz anders verlaufen können, hätte er in jungen Jahren nicht seinen ganzen Mut zusammengenommen und zum Telefonhörer gegriffen. Beim FV Lörrach und in der südbadischen Auswahl spielend, hat er gemerkt, dass sich einige Klubs für ihn interessieren. «Ich hatte ein Angebot von Delémont, dort hätte ich 15'000 Franken (pro Jahr) verdient», so Hitzfeld. Für ihn als Student sei das eine «gigantische Summe» gewesen. «Aber ich habe gedacht: Wenn Delémont sich schon für mich interessiert, kann ich nicht so schlecht sein. Dann hatte ich einen Geistesblitz und habe Helmut Benthaus (damals Trainer beim FC Basel) angerufen; seine Nummer stand ja im Telefonbuch.» Beim Probetraining habe er dann überzeugen können und gleich einen Vertrag erhalten. Es war der Anfang einer grossen Karriere.

Nach seiner Aktivzeit wollte er eigentlich Lehrer werden

Hätte es mit dem Fussball nicht geklappt, so wäre er Lehrer geworden. Es war auch der Beruf, den er nach seiner Aktivzeit wieder ausüben wollte. Doch dazu hätte er erst Weiterbildungskurse besuchen müssen, was er nicht habe verstehen können. «Nur darum habe ich es überhaupt als Trainer versucht.» Hitzfeld wurde regelrecht zu seinem Glück gezwungen.

Nachdem er mit Borussia Dortmund die Champions League gewonnen hatte, erhielt er 1997 ein Angebot von Real Madrid. Eigentlich könne man da gar nicht Nein sagen – und trotzdem habe er aus Vernunft abgesagt: «Ich habe mir genau überlegt, was mich erwartet, und dass ich wahrscheinlich schon wieder entlassen bin, ehe ich einen Satz Spanisch spreche.» Stattdessen wechselte er ein Jahr später zu Bayern München. Von 1999 bis 2003 gewann er fünfmal in Serie die Meisterschaft. Hinzu kamen zwei Triumphe im DFB-Pokal und in der Saison 2000/2001 konnte Hitzfeld mit den Bayern die Champions League gewinnen.

Ottmar Hitzfeld im Jahr 1997: Nachdem er Dortmund zum Titel in der Champions League geführt hat, gönnt er sich einen Siegerstumpen.
Bild: Keystone

Hitzfeld: «Sechs Jahre bei den Bayern ist so wie 20 Jahre bei einem anderen Klub»

In der Saison 2007/08 – eigentlich bereits im Ruhestand – kehrte er noch einmal für ein Jahr zu den Bayern an die Seitenlinie zurück und holte gleich das Double (Meisterschaft und Cup). Blickt er auf die Zeit in München zurück, dann sind da trotz all der Erfolge auch negative Gefühle: «Sechs Jahre bei den Bayern ist so wie 20 Jahre bei einem anderen Klub, man wird immer gejagt. Am Ende konnte ich mich nicht mal mehr über unsere Siege freuen.»

Seine Karriere beendete er bei der Schweizer Nationalmannschaft, die er in sechs Jahren (2008 bis 2014) an zwei Weltmeisterschaften führte. Sein letztes Spiel war der Achtelfinal gegen Argentinien, den die Schweiz in der Verlängerung auf dramatische Art und Weise verlor.

Ottmar Hitzfeld bei seiner letzten Pressekonferenz als Schweizer Nationaltrainer nach dem Aus gegen Argentinien im WM-Achtelfinal 2014.
Bild: Keystone

Nationaltrainer hätte er 2004 auch von der deutschen Nationalmannschaft werden können, doch er lehnte das Angebot ab, nachdem er zuvor an einem Burn-out-Syndrom gelitten hatte. «Ich wäre nicht fähig gewesen, diese Aufgabe zu übernehmen. Zu dem Zeitpunkt war für mich klar, dass ich nie mehr Trainer sein will» so Hitzfeld zurückblickend. Der Trainerberuf sei unglaublich stressig, «besonders in den 90 Minuten eines Spiels. Deswegen habe ich mich ja dazu entschieden, Nationaltrainer zu werden. Das soll nicht despektierlich klingen. Aber dort hatte ich nicht 60 Spiele im Jahr, sondern vielleicht 15.»

«Es gibt Dinge, die ich nie vergessen werde»

Es sei tatsächlich so, dass ihm die Belastungen eher in Erinnerung geblieben seien als die Erfolge. Denn die Euphorie verfliege in der Regel schnell wieder. Aber immerhin: «Es gibt Dinge, die ich nie vergessen werde. Das Tor von Patrik Andersson gegen Hamburg, das uns 2001 in der 94. Minute zum Meister gemacht hat. Und vier Tage später der Sieg in der Champions League, als Oliver Kahn den Elfmeter hält. Ich habe das Glück, dass ich einige solche Momente als Spieler und Trainer erleben durfte. Sonst könnte ich nicht so zufrieden auf meine Karriere zurückblicken.»

Warum Hitzfeld einst sogar mit Handschellen abgeführt wurde und eine Nacht im Gefängnis verbringen musste und vieles mehr, erfahren Sie im Interview vom «Tages-Anzeiger».

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