Rücktritt Philippe Senderos: «Das Ende einer schönen Geschichte»

Von Syl Battistuzzi

17.12.2019

Philippe Senderos (Zweiter obere Reihe links) spielte mit den ganz Grossen der Fussballwelt.
Philippe Senderos (Zweiter obere Reihe links) spielte mit den ganz Grossen der Fussballwelt.
Bild: Getty

Philippe Senderos setzt einen Schlusstrich unter seine Profikarriere. Der 34-jährige Genfer hat vielleicht nicht ganz die Erwartungen erfüllen können, trotzdem darf er mehr als nur stolz sein auf das Geleistete.

Das Ende war fast still und leise. Am Sonntag stand Philippe Senderos mit dem FC Chiasso, Schlusslicht der Challenge League, noch beim 3:3 in Aarau im Einsatz. Am Montag gab Philippe Senderos dann in den sozialen Medien seinen Rücktritt bekannt, passend zu seinem Namen (Philsend4). 

«Ich liebe Fussball, ich liebe die Herausforderung», erläuterte er noch kürzlich seine Beweggründe für sein Engagement im Tessin. Dass die tiefe Provinz und kleine Stadien ihn nicht störten, sagt viel aus über einen Mann, welcher in seiner Karriere schon vielen Superstars gegenüberstand. So zählten nicht nur Lionel Messi, Cristiano Ronaldo oder Neymar zu seinen Gegenspielern, sondern auch ein Zinédine Zidane, Ronaldo oder Kakà. Mit einigen Fussballlegenden, Ronaldinho oder Thierry Henry als Beispiel, teilte er sogar das Shirt.

«Als Kind träumte ich von der Möglichkeit, mit und gegen die besten Spieler der Welt zu spielen», schreibt er in seinen Abschiedsworten. Trotzdem ist er nicht wehmütig, wie er erklärt: «Es ist das Ende einer schönen Geschichte. Alles endet halt mal eines Tages. Klar ist der Körper nach einer solchen Zeit etwas lädiert. Aber rückblickend habe ich bei diesem Abenteuer so viele tolle Momente erlebt – natürlich auch komplizierte, das gehört dazu.»

Der Bilderbuchstart 

Der Sohn eines Spaniers und einer Serbin wuchs in einfachen Verhältnissen in Genf auf. So musste er schon früh Verantwortung übernehmen und lehrte, was man als Leader mitbringen muss. In dieser Rolle führte Senderos als Captain die Schweizer U17 zum Europameistertitel. Danach buhlten die europäischen Topklubs um den 1,90 Meter grossen Abwehrbrocken. Er entschied sich, bei Arsène Wenger in die Lehre zu gehen. Arsenal war nach der Jahrtausendwende einer der besten Teams Europas. Und auch Senderos erlebte dort von 2003 bis 2008 seine erfolgreichsten Jahre, auch wenn der besonnene junge Mann nur unregelmässig spielte und die Londoner nicht besonders erfolgreich waren.

In dieser Zeit wurde er auch fixer Bestandteil der Schweizer Nationalmannschaft und verteidigt 57 Mal für die A-Nati. Seine berühmteste Szene steht symbolisch für seine Karriere: Senderos köpfelte die Nati zum 2:0-Erfolg an der WM 2006 über Südkorea. Mit ausgestrecktem Zeigfinger und blutüberströmtem Gesicht feiert er den Treffer – und scheidet wenig später mit einer Schulterverletzung aus.



Bei Arsenal konnte er schlussendlich nie ganz die (hohen) Erwartungen erfüllen. Zwar besass er die Physis und die mentale Stärke, doch Verletzungspech und wohl auch die fehlende Tempofestigkeit verhinderten den Durchbruch. So folgte 2008 eine Leihe zur AC Milan, die vor allem wegen Verletzungen nicht befriedigend ausfiel.

Auch bei seinen weiteren Stationen (Everton, Fulham, Valencia, Aston Villa) überzeugte Senderos nicht durchs Band, sodass er 2016 in die Schweiz zu GC zurückkehrte. Danach lief er noch für die Glasgow Rangers auf, anschliessend schnürte er die Schuhe in der MLS für die Houston Dynamo, ehe Chiasso folgte.

Was die Zukunft für den zweifachen Familienvater bereit hält, ist offen. Er will sich Zeit nehmen, um über die nächsten Schritte nachzudenken. «Ich könnte mir gut vorstellen, dem Fussballgeschäft treu zu bleiben», meint er. Zugute kommen ihm dabei sicher seine Kenntnisse in sechs Sprachen. So beglückwünschen ihn in den sozialen Medien viele Menschen rund um den Globus mit unterschiedlichen Worten. Auch Jugendfreund Cesc Fabregas ist unter den Gratulanten. Gemäss Gerüchten sollen die beiden bald ein Album herausgeben. 

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