Probleme in China: Streikt sich Carrasco zurück nach Europa?

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21.6.2019

Yannick Carrasco macht keinen Hehl daraus, dass er zurück nach Europa will.
Bild: Keystone

Im Frühjahr 2018 wechselte mit Yannick Carrasco eines der begehrtesten Talente Europas völlig überraschend nach China. Jetzt strebt der belgische Nationalspieler eine Rückkehr an.

Yannick Carrasco scheint langsam aber sicher genug von China zu haben. Sein Klub Dalian Yifang hat den belgischen Flügelstürmer suspendiert, nachdem er zunächst das Ligaspiel gegen Hebei Fortune verpasst hatte und danach lustlos und passiv trainiert habe.

Sportlich läuft es zwar rund für Carrasco, mit sieben Toren aus den ersten zehn Ligaspielen ist er der beste Torjäger seines Teams. Doch ein Sympathieträger ist der 25-Jährige in Dalian nicht. «Du bist der Star, aber du kannst nicht alleine gewinnen. Als wir gegen Shanghai Shenhua spielten, hast du dir absichtlich eine vierte Gelbe Karte geholt, damit du im nächsten Spiel gesperrt wirst und so früher nach Europa zurück kannst», wirft ihm sein Goalie Ziqian Yu gemäss der belgischen Zeitung «Het Laatste Nieuws» vor.

Carrasco gab an, beim Spiel gegen Hebei gefehlt zu haben, weil er einen Anschlussflug bei der Rückkehr von der Nationalmannschaft verpasst hatte. Sein Klub belegte den ex-Atlético-Spieler nebst der Suspendierung mit einer Geldstrafe. Weh tun wird ihm dies kaum, Carrasco verdient bei Dalian Yifang jährlich rund 10 Millionen Euro und hat einen laufenden Vertrag bis 2022.



Langsam aber sicher scheint ihn aber Heimweh zu plagen. Zumal die chinesische Super League erst zwischen Mitte August und September ein paar Wochen Sommerpause macht. «Es ist nicht so, dass mir der Fussball in China nicht gefällt. Aber ich würde gerne aus familiärer Sicht wieder in Europa spielen», sagt Carrasco der Zeitung «Het Nieuwsblad». Es sei für ihn und seine Familie immer noch schwierig, sich der chinesischen Kultur anzupassen. «Ich glaube nicht, dass wir das Leben dort unterschätzt haben. Es war eine gute Erfahrung, ich bin reifer geworden und habe viel gelernt. Aber jetzt wünsche ich mir, nach Europa zurückzukehren.»

Auch Teamkollege Ziqian Yu hofft auf einen Wechsel Carrascos. «Du bewegst du dich nicht mal beim Training. Während den Spielen stehst du nur rum. Du greifst nicht an und du verteidigst nicht», motzt er. «Die Atmosphäre im Training sei vergiftet. «Ich hoffe, dass wir dich genauso verabschieden können, wie wir dich begrüsst haben.»

Interessenten dürfte es für den Edeltechniker zur Genüge geben. Insbesondere Arsenal und Bayern sollen heiss auf Carrasco sein, der selbst sagt, dass ihm ein Angebot vorliege: «Der Verein, der mich will, tut das Maximum, um mich zu holen.» Offenbar tut Carrasco auch alles dafür, dass die Chinesen ihm am Ende keine Träne nachweinen. 

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