Schon wieder werden die Regeln geändert – das Kopfschütteln bleibt

Jan Arnet

2.6.2020 - 13:05

Handspiel oder nicht? Das wird wohl auch in der nächsten Saison ein viel diskutiertes Thema sein.
Bild: Getty

Erst vor einem Jahr hatten die Regelhüter des International Football Association Board (IFAB) neue Regeln präsentiert. Nun werden für die Saison 2020/21 weitere Änderungen vorgenommen.

Vor Beginn der aktuellen Saison wollte das IFAB mit einer neuen Regel endlich für Klarheit im umstrittenen Dauerthema Handspiel sorgen: Jedes Tor, welchem ein Handspiel vorausgegangen ist, ist irregulär. Ob dem Torschützen der Ball an den Ellenbogen springt oder schon in der Entstehung ein Handspiel vorliegt, der Treffer darf nicht zählen – selbst wenn keine Absicht vorliegt und der Arm sogar am Körper angelegt ist.

Schnell sorgte diese neue Regelauslegung für Kopfschütteln. Vermeintlich reguläre Tore wurden von Videoschiedsrichtern aberkannt, was für kaum einen Fussball-Fan verständlich war.

Beispiel: Im Februar bringt Joshua King Bournemouth im Premier-League-Spiel gegen Burnley in Führung. Der VAR schaltet sich ein und lässt den Treffer annullieren, weil Passgeber Philip Billing zuvor mit dem Oberarm (oder der Schulter) am Ball war – weder eine Absicht ist zu erkennen, noch machte Billing mit seinem angelegten Arm die Bewegung zum Ball.

Nun will das IFAB wieder mehr erlauben: Am Montag geben die Regelhüter bekannt, dass ein Tor durch ein unabsichtliches Handspiel in der Entstehung des Treffers nur noch dann zurückgenommen wird, wenn das Handspiel unmittelbar vor dem Treffer erfolgt. Wird dagegen nach dem unabsichtlichen Handspiel per Pass oder Dribbling weitergespielt, ist es nicht zu ahnden. Das hat vor allem einen Vorteil: Der VAR kann sich bei der Überprüfung des Treffers auf die Tor-Szene konzentrieren, was die Entscheidungsfindung beschleunigen dürfte. 

Aber: Tore wie jenes von Bournemouth gegen Burnley (oder der Siegtreffer von City-Stürmer Gabriel Jesus gegen Tottenham Anfang Saison) werden nach wie vor aberkannt, weil es sich da um den entscheidenden Pass vor dem Treffer handelte und nicht um eine Szene der Torentstehung. So werden die VAR-Entscheide nach eigentlich nicht strafbaren Handspielen auch in Zukunft für rote Köpfe und Kopfschütteln sorgen.



Handspiel ab Höhe der Achselhöhle

Immerhin sorgen die Regelhüter für etwas mehr Klarheit bei der Definition des strafbaren Handspiels an sich: So zieht das IFAB beim Handspiel eine Grenze zwischen Schulter (nicht strafbar) und Arm (potenziell strafbar) auf Höhe der Achselhöhle bei angelegtem Arm.

So definiert das IFAB das strafbare Handspiel.
Bild: ifab.com

Auch in Sachen Penaltys gibt es für die neue Saison kleine Anpassungen. So führt eine zweite Gelbe Karte im Elfmeterschiessen nicht mehr zu einem Platzverweis, weil das Elfmeterschiessen in diesem Sinne nicht mehr zum Spiel gehört.

Zudem wird ein Penalty nicht mehr wiederholt, wenn der Torwart ein ahndungswürdiges Vergehen begangen hat, der Ball aber ohne Eingreifen des Keepers am Tor vorbei, drüber oder ans Aluminium geht.

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