Coppa Italia «Wir haben bewiesen, dass wir stärker sind» – die Reaktionen zum hitzigen Mailänder Derby

SB10

27.1.2021

Das Mailänder-Derby sorgt einmal mehr für viel Gesprächsstoff. Die Reaktionen aus den beiden Lagern fallen dementsprechend unterschiedlich aus. 

Die Verlängerung drohte, da die Nerazzurri beim Stand von 1:1 es trotz vieler Chancen nicht schafften, an den zehn Mann – Zlatan Ibrahimovic wurde nach knapp einer Stunde vom Platz gestellt –  starken Rossoneri vorbeizukommen.

Bis Lautaro Martinez in der 97. Minute kurz vor dem Strafraum von Soualiho Meite zu Fall gebracht wurde. Inter hatte seit April 2018 (Joao Cancelo gegen Cagliari) keinen direkten Freistosstreffer mehr erzielt. Das ergab eine Serie von 55 erfolglosen Versuchen.

Antreten durfte Christian Eriksen. Der Joker kam erst in der 88. Minute aufs Feld. Fast auf den Tag genau ein Jahr ist es her, seit er von Tottenham für 27 Millionen Euro verpflichtet wurde. Doch der Spielmacher konnte die Erwartungen im neuen Team nie erfüllen und soll so schnell wie möglich das Weite suchen. Der 28-Jährige lief an und schoss seine Farben in den Halbfinal der Coppa Italia. Dort wartet der Sieger des Duells Juventus Turin gegen SPAL Ferrara.

Kehrtwende bei Eriksen?

«Es war der perfekte Freistoss für mich», sagte Eriksen gegenüber «Inter TV». «Ich bin wirklich glücklich», hält der Däne fest. «Ich versuche immer, das Beste aus den Minuten herauszuholen, die ich zur Verfügung habe.»

«Wir wussten, dass es ein schwieriges Spiel werden würde, die Intensität in Derbys ist hoch. Es war hart, aber wir sind froh, die nächste Runde erreicht zu haben.» In der Gunst von seinem Trainer Antonio Conte ist er gestiegen: «Wir arbeiten mit Eriksen auf einer taktischen Ebene, um eine Alternative für Brozovic zu finden, weil wir so jemanden nicht im Kader haben.»

Conte hält fest: «Christian ist ein sehr intelligenter Junge, er hat Qualität, er ist Teil des Projekts und ich bin glücklich, dass er dieses Tor geschossen hat. Ich wollte wirklich, dass er es schiesst, denn wir alle wissen, welche Qualität er bei Standards hat.» Conte weiter: «Er ist sehr schüchtern, deshalb hoffe ich, dass dieses Tor ihn wachrüttelt und er aus seinem Schneckenhaus herauskommt. Wir mögen ihn alle, er ist ein guter Junge, vielleicht zu gut! Er muss entschlossener sein.»

Zwei Brocken auf Kollisionskurs

Mangelnde Entschlossenheit konnte man den beiden Torjägern Romelu Lukaku und Zlatan Ibrahimovic sicher nicht vorwerfen. In der Halbzeitpause gerieten die beiden Hünen, die einst bei Manchester United sogar zusammenspielten, heftig aneinander. Neben Sprüchen (unter der Gürtellinie) drohte sogar eine handfeste Keilerei. «Es ist ein Derby, das ist kein Zuckerschlecken», so Conte.

«Um ehrlich zu sein, ich war ein Spieler, also weiss ich, dass während eines Spiels die Gemüter erhitzt werden können und es Situationen gibt, in denen man wütend wird. Das Wichtigste ist, dass man es in der richtigen Dimension hält. Es war gut, Romelu so konzentriert und fokussiert zu sehen. Ibra hat die Entschlossenheit eines Siegers, eines Kriegers, und ich denke, Romelu wächst in dieser Hinsicht. Ich kann nur froh sein, ihn so voller Feuer zu sehen.»



Milan-Goalie Ciprian Tatarusanu, vor dessen Tor sich die beiden Streithähne in die Haare kriegten, will die Szene nicht gross kommentieren: «Ich habe nicht gehört, was sie gesagt haben. Solche Dinge passieren, es ist nicht das erste Mal, dass zwei Spieler aneinander geraten.» 

Barella stichelt und lanciert das Meisterschaftsrennen 

Der Rumäne stiess erst im Herbst zur AC Milan (von Lyon) und ist normalerweise Ersatztorwart. Doch weil Gianluigi Donnarumma eine Sperre absass, kam der 34-Jährige zum Handkuss. Er hielt sein Team mit unzähligen Paraden im Spiel und hätte zum Matchwinner werden können. Bis Eriksen anlief. 

Milan-Trainer Stefano Piolis Fazit nach der Partie: «Es war ein sehr ausgeglichenes Spiel, der einzige Unterschied war, dass wir einen Mann weniger hatten. Als es 11 gegen 11 war, war jedes Ergebnis möglich und wir lagen 1:0 vorne.» Etwas anders sah es Inters Mittelfeldspieler Nicolo Barella: «Milan ist eine starke Mannschaft, aber wir haben bewiesen, dass wir auf ihrem Niveau sind.  Eigentlich haben wir bewiesen, dass wir stärker sind. Wir hoffen, dass wir so weitermachen», meint er gegenüber «RAI». Und lanciert damit auch das Titelrennen in der Serie A, wo die beiden Mailänder-Klubs die Tabelle anführen.

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