Fehlentscheid

Wirbel um VAR bei Tottenham-Spiel – Mourinho: «Schiri sollte eine Pressekonferenz geben»

jar

2.11.2020

Schiedsrichter Graham Scott sieht sich die Szene vor dem 1:1 nochmals an – José Mourinho (l.) kann danach nicht fassen, dass der Referee nicht zu seinen Gunsten entschied.
Bilder: Getty

Einmal mehr sorgt ein umstrittener Schiedsrichter-Entscheid in der Premier League für rote Köpfe. Tottenham-Trainer José Mourinho fordert vom Unparteiischen eine Erklärung.

Erst vor zwei Wochen sorgte das nicht geahndete Horror-Tackling von Everton-Goalie Jordan Pickford an Liverpools Virgil van Dijk für viel Wirbel auf der Insel. Am Sonntag kommt nach einer nächsten fragwürdigen Schiedsrichter-Entscheidung zum wiederholten Mal die Frage auf, ob es den Videoassistenten wirklich braucht.  

Was ist passiert? Tottenham spielt zu Hause gegen Brighton und führt bis zur 56. Minute mit 1:0. Dann kann Tariq Lamptey für die Gäste ausgleichen. Doch war dieser Treffer wirklich regulär? Kurz vor dem Tor geht Spurs-Spieler Pierre-Emile Hojbjerg nach einer Grätsche von Brightons Solly March zu Boden. Der Ballbesitz wechselt und ermöglicht den Gästen so erst den Treffer.

Schiedsrichter Graham Scott erhält vom Videoassistenten ein Zeichen, er solle sich die Szene noch einmal in Ruhe ansehen. Die Sache ist aber eigentlich so klar, dass der VAR seinem Kollegen sofort hätte sagen können, dass das Tor aberkannt werden muss. Denn auf den TV-Bildern sieht es nicht so aus, als hätte March den Ball gespielt. Stattdessen holt er Hojbjerg klar von den Beinen. Und selbst wenn March den Ball minimal berührt haben sollte, hätte er damit nicht verhindert, dass der Gegenspieler den Konter lancieren kann. Ein klares Foul also.

Schiedsrichter Graham Scott stand schon auf dem Platz gut, schaut sich die Szene dann nochmals auf dem Bildschirm an. 
Aufnahme:  blue-TV (BBC, Match of the Day)

Doch Schiedsrichter Scott will offensichtlich bei seinem ersten Eindruck bleiben und sieht auch nach mehrfacher Wiederholung der Szene am Bildschirm kein Vergehen. Zur Verwunderung aller gibt er den Treffer.

Auf den fragwürdigen Entscheid angesprochen, kann Tottenhem-Trainer José Mourinho nach dem Spiel nur den Kopf schütteln: «Ich weiss nicht, was ich dazu sagen soll. Es bringt ja nichts. Ich lasse es lieber sein. Aber der Schiedsrichter sollte eine Pressekonferenz geben und sich erklären. Er nahm sich die Zeit, sich die Szene nochmals anzuschauen. Nur er kann erklären, warum das ein (reguläres) Tor war.» 

Mourinho: «Der Schiedsrichter sollte das erklären»

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«Der VAR vergisst die Regeln»

Deutlicher werden die TV-Experten in der BBC-Sendung «Match of the Day». Arsenal-Legende Martin Keown sagt: «Vielleicht trifft er den Ball, aber darauf muss gar nicht geachtet werden, denn mit seinem Tackling nimmt March den Gegenspieler aus dem Spiel. Schon wieder vergisst der VAR die Regeln.»

Auch für Peter Crouch ist die Sache klar: «Das ist zweifellos ein Foul. Aber es ist schön zu sehen, wie der Schiedsrichter sich die Sache noch einmal auf dem Monitor anschaut und trotzdem falsch entscheidet», so der ehemalige englische Nationalspieler mit einer Prise Sarkasmus. «Eine grosse Überraschung, aber ein ganz klares Foul.»

Am Ende kann das Schiedsrichter-Team von Glück reden, dass der Entscheid, Brightons Tor nicht zu annullieren, den Ausgang der Partie nicht beeinflusst hat. Ansonsten wäre das Echo wohl noch viel grösser gewesen. Dank Joker Gareth Bale, der erstmals seit seiner Rückkehr zu den Spurs ein Tor erzielt, gewinnt Tottenham die Partie doch noch 2:1.



Wohl auch deshalb mag sich Mourinho nicht gross über den offensichtlichen Fehlentscheid aufregen. Er sagt nur: «Ich vermisse meinen alten Fussball – mit der Torlinientechnik (als Zusatz).»

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