Mit diesem kaputten Arm kehrt Kubica in die Königsklasse zurück

dpa/jar

23.11.2018

Robert Kubica wird 2019 in die Formel 1 zurückkehren.
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Ein schwerer Rallye-Unfall schien die Formel-1-Karriere von Robert Kubica im Februar 2011 zerstört zu haben. Nun aber kommt er zurück. 2019 startet der Pole für Williams. Ein Comeback mit 33 Jahren – unglaublich, aber wahr.

Robert Kubica ist zurück in der Königsklasse des Motorsports – es grenzt an ein Wunder. Und der Vollbringer selbst spricht von einer der «grössten Leistungen» seines Lebens. Acht Jahre nach seinem schweren Rallye-Unfall, bei dem der Pole fast seine rechte Hand verloren hätte, kehrt er als Pilot des britischen Williams-Teams in die Formel 1 zurück. «Es war eine Reise voller Herausforderungen, es zurück in die Startaufstellung der Formel 1 zu schaffen. Aber was fast unmöglich schien, fängt an, sich echt anzufühlen», sagt Kubica am Donnerstag.



«WAS für ein Comeback», schrieb bereits vor der offiziellen Bekanntgabe Ex-Pilot Mark Webber. «Als ich an RK's Krankenhausbett nach seinem Unfall in Italien stand, wollte ich meinen Augen einfach nicht glauben, in welchem Zustand er ist», sagte der 42-jährige Australier. Kubica soll für einige Tage dem Tod nähergestanden haben als dem Leben.

«Der Einzige, der immer an mich geglaubt hat, war ich selbst», sagt Kubica. Sieben Stunden lang hatten zwei Teams aus sieben Ärzten ihn damals operiert. Vor allem der rechte Unterarm und die rechte Hand waren durch den Unfall am 6. Februar 2011 in Italien schwer verletzt worden. Zunächst war sogar eine Amputation der Hand befürchtet worden. Von einer normalen Leistungsfähigkeit ist sein rechter Arm jetzt allerdings noch immer weit entfernt, was sich auch nicht mehr ändern wird. Kubica hat nur noch 40 Prozent seiner Kraft im Arm und verspürt nur wenig Gefühl.

Einschränkungen, die ihn nicht schlechter machen

Rund 700 Kilogramm wiegt ein Formel-1-Bolide. Um das Auto kontrollieren zu können, braucht Kubica spezielle Anpassungen im Cockpit. Die Aussparung für den rechten Arm muss vergrössert werden. Die Gänge wechselt der 33-Jährige nur mit der linken Hand, alle anderen Rennfahrer haben auch beiden Seiten des Lenkrads Schaltwippen. Die rechte Hand legt Kubica eher auf das Lenkrad als es zu umklammern. Ein Handicap, dass aus Sicht des Polen gar keines ist. «Ich weiss, es ist schwer zu glauben, aber meine Einschränkungen schränken mich nicht ein», sagt er. «Ich habe dem Team gesagt: Wenn ihr irgendwelche Zweifel habt, dann nehmt mich nicht.»

Rober Kubica hatte Glück, dass sein rechter Arm nicht amputiert werden musste.
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Zweifel hatte man bei Williams spätestens dann nicht mehr, als Kubica bei den Testfahrten zu überzeugen vermochte. «Jeder bei Williams ist immens beeindruckt gewesen, was er erreicht hat», sagt die stellvertretende Teamchefin Claire Williams. Seine Rückkehr sei ein Verdienst von Charakterstärke und Hartnäckigkeit. «Seine Erfahrung, seine Renn-Intelligenz und sein Talent pushen uns.»

Auch finanzstarke Sponsoren aus der Heimat des Polen könnten ein Argument gewesen sein, das Cockpit neben dem 20 Jahre alten Neuling George Russell an Kubica zu geben. Medienberichten zufolge steuern sie eine zweistellige Millionensumme zum Williams-Etat bei.

Das bisher letzte Formel-1-Rennen bestritt Kubica am 14. November 2010 auf dem Yas Marina Circuit. Seine Karriere begann 2006, als er von BMW-Sauber verpflichtet wurde. Im Jahr darauf überstand er einen verheerenden Unfall beim Formel-1-Rennen in Kanada praktisch unverletzt, 2008 gewann er den GP in Montreal. Es war für Sauber ein historischer Triumph und Kubicas einziger Sieg in insgesamt 76 Rennen.

Nun bekommt Kubica, der einst als künftiger WM-Kandidat galt, also die Chance, seine Bilanz aufzubessern.

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