Mercedes kennt jetzt den wahren Grund für das Melbourne-Malheur

Martin Abgottspon

29.3.2018

Für Lewis Hamilton wäre in Melbourne definitiv der Sieg im Rahmen des Möglichen gewesen.
Bild: Getty Images

Eine virtuelle Safetycar-Phase kostete Lewis Hamilton in Melbourne den ersten Sieg der Saison. Alles nur Pech? Nein. Mercedes hat das Ganze falsch berechnet.

Nach dem verpassten Sieg beim F1-Auftakt in Australien ging man bei Mercedes diese Woche in der Fabrik von Brackley genauer über die Bücher. Man wollte sicher gehen, ob tatsächlich die Strategie-Software versagt hat, wodurch Sebastian Vettel während einer virtuellen Safety-Car-Phase in Führung gehen konnte und diese bis zum Ende behauptete.

Dem war aber nicht so. Schuld war offenbar ein Offline-Tool, das man im Vorfeld mit falschen Daten gefüttert hatte. Das Tool berechnet beispielsweise wie viel Rückstand ein Fahrer maximal haben darf, um in Führung zu gehen, falls eine Situation wie die eben genannte eintritt.

Mercedes hat dafür eine Zeitspanne von 15 Sekunden berechnet. «Tatsächlich aber lag das Delta bei weniger als 13 Sekunden», erklärt Andrew Shovlin, Chefingenieur der Vor-Ort-Crew, jetzt in einem YouTube-Video des Teams.

Eine lehrreiche Lektion

Besonders bitter: Hätte Mercedes gewusst, dass der Rückstand auf Vettel (der zu dem Zeitpunkt noch nicht an der Box war) zu gross ist, hätte Hamilton relativ locker schneller fahren können. «Weil wir uns sicher gefühlt haben, haben wir Lewis nicht gesagt, dass er pushen soll», seufzt Shovlin. «Das ist der grosse Frust, den wir aus Melbourne mitnehmen. Wir hatten das Auto, um das Rennen zu gewinnen.»

Stattdessen schonte man in den Runden zwischen Hamiltons und Vettels Boxenstopp die Reifen und achtete auf den Benzinverbrauch, der in Melbourne normalerweise hart an der Grenze ist. Und man versuchte, den Motor nicht zu überhitzen. Das wurde später noch zum Thema, als Hamilton hinter Vettel Druck machte. Da klagte er am Boxenfunk über überhöhte Temperaturen.

Ein Fehler, den man in Zukunft mit Sicherheit zu vermeiden weiss. Shovlin: «Wir werden sicherstellen, dass wir mehr Puffer berechnen, alleine schon um außergewöhnlich schnelle Runden von Vettel oder einen außergewöhnlich schnellen Boxenstopp zu covern.»

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