Die Angst vor einer Cyberattacke bei der Eröffnungsfeier

Von Syl Battistuzzi

20.7.2021

Grosses Feuerwerk bei der Eröffnungszeremonie der letzten Olympischen Spielen in Rio. Geht auch in Tokio alles glatt?
Bild: Keystone

Die Angst vor einer Cyberattacke bei den Olympischen Spielen in Tokio ist gross. Einerseits weil Japan für diese Angriffe schlecht vorbereitet ist, andererseits wurden viele Firmen, Veranstaltungen oder Staaten in jüngerer Vergangenheit schon Opfer. 

Von Syl Battistuzzi

20.7.2021

Eine Cyberattacke während der Eröffnungsfeier in Tokio – ein sehr realistisches Schreckensszenario. Bereits die Olympischen Winterspiele in Pyeongchang 2018 wurden Opfer eines Cyberangriffs. Das interne Netzwerk der Spiele, inklusive Internetverbindung und TV-Kanälen, war vom Angriff betroffen. Eine Gefahr für die Sicherheit von Athleten und Zuschauern habe nicht bestanden, versicherten damals die Organisatoren.

Woher die Attacke kam, wurde nie veröffentlicht. «Die bewährte internationale Vorgehensweise lehrt, dass man über eine Attacke nicht spricht», so ein Sprecher des Internationalen Komitees (IOC). IT-Sicherheitsexperten vermuteten russische Geheimdienst-Hacker als Drahtzieher.

Japan ist schlecht vorbereitet

«Eine Cyberattacke während der Spiele wird sich gar nicht vermeiden lassen», meint Toshio Nawa, der als Berater für Cyber Security für das Japanische Olympische Komitee tätig ist. «Meine Sorge ist viel mehr, wie schnell wir es hinkriegen, die Folgen eines solchen Angriffs zu beheben.»

Ironischerweise sei das hochtechnologisierte Japan in Sachen Cybersicherheit auf dem Stand eines Entwicklungslandes, wie er gegenüber der «ARD-Tagesschau» erläutert. Neben veralteten Gesetzen gebe es auch kulturelle Hindernisse. So würden Beamte oder Funktionäre Hackerangriffe nicht melden, um nicht ihre eigenen Arbeitsplätze zu gefährden. 

Eröffnungsfeier prädestiniert für Angriff

Bei gröberen Problemen müsse Japan deshalb auf die Hilfe von anderen westlichen Ländern hoffen, so Nawa. Bei einer Attacke werde es auch länger brauchen, um die Dinge wieder zu reparieren. Besonders attraktive Ziele für Hacker wären in Tokio die neue Software für das Belüftungssystem und die Klimaanlage im olympischen Dorf.

«Der Worst Case wäre, wenn das ganze System gleich nach dem Beginn der Eröffnungsfeier zusammenbricht: kein Ton, kein Licht, kein Internet. Da schaut die ganze Welt zu», sagt Nawa. Sein Fazit: «Wenn es da eine Hackergruppe schafft, die Veranstaltung lahmzulegen, wird sie zum Helden und zur Ikone in der Szene. Das ist Motivation dieser Leute.»

Im Vorfeld der Olympischen Spiele sorgten mehrere Hackerangriffe für Besorgnis. So musste nach einer Cyberattacke der Betrieb einer der grössten Benzin-Pipelines in den USA vorübergehend eingestellt werden, was in Teilen des Landes für Benzin-Knappheit sorgte. Auch andere zentrale Infrastrukturen wie Trinkwasseranlagen oder Krankenhäuser waren schon Ziele. Das Phänomen mit der wachsenden Cyber-Kriminalität ist dabei weltweit zu beobachten. Auch die Schweiz beziehungsweise hier ansässige Unternehmen sind beliebte Ziele. Zuletzt wurde etwa das Vergleichsportal Comparis Opfer von Erpressern

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