Schwierige Bedingungen im Biathlon

Im falschen Moment zu wenig Wind

sda

5.2.2022 - 14:15

Die Hülse fliegt aus dem Lauf: Das Schiessen wird in Peking wegen Wind und Kälte zur echten Herausforderung.
Keystone

Es ist fast schon paradox: Seit Tagen ist der Wind das grosse Thema. In der Mixed-Staffel, dem ersten Ernstkampf der Biathleten, passieren die Fehler aber, weil er plötzlich zu wenig bläst.

sda

5.2.2022 - 14:15

Amy Baserga war unter anderem deshalb als Startläuferin der Schweizer Mixed-Staffel auserkoren worden, weil die 21-jährige Einsiedlerin als besonders treffsichere Schützin gilt. Und dann das: Beim ersten – liegenden – Schiessen verfehlt Baserga gleich vier Scheiben und muss deshalb einmal in die Strafrunde. Eine überraschende Schweizer Medaille ist bereits nach wenigen Minuten in weite Ferne gerückt.

Baserga rehabilitiert sich danach mit einem fehlerfreien Stehendschiessen und hat eine ebenso einfache wie überraschende Erklärung für den Fehlstart. Er lag wohl weder in der Nervosität der Olympia-Debütantin noch in deren Schlafmanko wegen des Jetlags begründet. «Der Wind war plötzlich wie abgestellt», stellte die Schweizer Nachwuchssportlerin des Jahres 2021 nach dem Rennen fest. «Beim Einschiessen war er noch viel stärker. Ich habe dann zwar gerastet, aber zu wenig.»



Dank einer bärenstarken Schlussrunde übergab sie an 8. Stelle an Lena Häcki, die ebenfalls eine Strafrunde laufen musste und ein ganz ähnliches Fazit zog. Auch sie wurde im Schiessstand vom vorübergehend schwächeren Wind auf dem falschen Fuss erwischt, litt aber ansonsten unter der Kälte und dem Wind. «Ich bekomme rasch kalte Finger. So blieb den Schweizern bis zum Ende dieser 8. Platz, auch wenn die Männer im Schiessstand sehr solide auftraten.

Die Startläuferin Amy Baserga setzt sich Wind und Kälte aus.
Die Startläuferin Amy Baserga setzt sich Wind und Kälte aus.
Bild: Keystone

Wegers Sinnkrise

Der Schweizer Teamleader Benjamin Weger leistete sich nur einen Nachlader – ein «Flüchtigkeitsfehler», wie der 32-jährige Oberwalliser meinte. Auch Sebastian Stalder, neben Baserga der zweite Olympia-Debütant, vermied eine Strafrunde und brachte das Diplom ins Trockene – und in die Wärme.

Weger gestand nach dem starken Auftritt, dass er am Freitag eine veritable Sinnkrise zu meistern hatte. Es war bewölkt und noch windiger und kälter als an den Tagen zuvor. «Da hat es mir richtig abgelöscht», erzählte er. «Ich stand da und dachte mir: 'Das kann es doch nicht sein!'» Jeder wisse, dass es hier extrem kalt und windig sei. «Und dann machen sie ausgerechnet hier ein Biathlonrennen», sagte der passionierte Hobbyfischer und schüttelte den Kopf.

«Ein Rennen mit der Mannschaft ist aber immer cool», stellte er aber fest – und fing sich so wieder. Dann entschuldigte sich Weger bei den Medienleuten. «Bitte nicht böse sein, aber jetzt muss ich wirklich in die Wärme, ich fange wieder an zu schlottern.»

Den nächsten Einsatz haben die Biathleten mit den Einzel-Wettkämpfen am Montag (Frauen) und Dienstag (Männer). Bis dann sollen sich die Temperaturen ein wenig erhöhen – auf nur noch einstellige Minus-Grade.

sda