Kritik

«Als wären wir an einem Skischulrennen» – die WM-Kombi sorgt für rote Köpfe

lbe

16.2.2021

Urs Lehmann findet keinen Gefallen an den ausgetragenen WM-Kombinationen in Cortina.
Urs Lehmann findet keinen Gefallen an den ausgetragenen WM-Kombinationen in Cortina.
Bild: Keystone

Dank Loïc Meillard und Michelle Gisin räumt Swiss-Ski auch in den beiden WM-Kombinationen Medaillen ab, dennoch ist Präsident Urs Lehmann nach dem Rennen höchst unzufrieden. Einmal mehr sorgt die umstrittene Disziplin für Gesprächsstoff.

Aus dem Weltcup ist die Kombination bereits mehr oder weniger verschwunden. In der laufenden Saison steht in dieser Disziplin nur gerade ein Rennen der Männer in Wengen auf dem Programm, das allerdings dem Coronavirus zum Opfer fällt. Auch im Kalender der Frauen sucht man vergeblich nach entsprechenden Rennen.



Nichtsdestotrotz gibt es an der Weltmeisterschaft in Cortina zwei komplette Medaillensätze zu gewinnen – und zwar unter fragwürdigen Bedingungen. «Das war schlechteste Werbung. Wenn ich das hier sehe, muss ich sagen, muss man sofort damit aufhören», wählt Urs Lehmann auf dem Weg zur Siegerehrung deutliche Worte.

Der Präsident von Swiss-Ski gehört eigentlich zu den Befürwortern der Kombination und hat vor zwei Jahren seinen Anteil, dass diese nach einer weiteren Debatte nicht komplett abgeschafft wird. Doch die viel zu harte Unterlage lässt auch bei Lehmann Zweifel aufkommen. «Wenn man die Piste so vereist und es so aussieht, als wären wir an einem Skischulrennen, wenn sogar die Slalomspezialisten eine hohe Ausfallquote haben, macht man den Sport kaputt», sagt er im Gespräch mit «Watson».

Neues Format bringt Vorteile

Im Frauen-Slalom scheiden gleich 14 von 30 Athletinnen aus, im Slalom der Männer schafft es ebenfalls ein Drittel nicht ins Ziel – genau wie sämtliche Vorfahrer. Selbst Mikaela Shiffrin und Marco Schwarz, die an diesem Tag am besten mit den Verhältnissen zurechtkommen, weisen auf die schwierigen Bedingungen hin. Der Este Juhan Luik muss das gar am eigenen Leib erfahren.

«Meine Kritik tut mir leid für die Medaillengewinner. Diese sind hervorragend gefahren. Trotzdem kann man es so nicht machen», bemängelt Lehmann. Das neue Format (Super-G statt Abfahrt) allerdings hat sich für den 51-Jährigen bewährt: «Speziell jetzt mit Super-G und Slalom, da braucht es nicht mehr vier Tage Abfahrtstraining. Man kann an einem Tag fahren.»

Bestätigung erhält Lehmann von Shiffrin. «Eine Kombi aus Abfahrt und Slalom wäre ich nicht gefahren, weil es nicht in meinen Zeitplan gepasst hätte.»

Nef: «Es liegt auch am internationalen Skiverband»

Nur bringt auch das beste Format nichts, wenn die Disziplin im Rennkalender keinen Platz findet. «Würde man die Disziplin wieder öfter austragen, würde sie für viele interessanter. Weil es wichtige Punkte für den Gesamtweltcup zu gewinnen gäbe», sagt Bronze-Gewinnerin Michelle Gisin.

Und Ski-Expertin Sonja Nef wünscht sich im Gespräch mit «blue Sport» ganz allgemein eine viel höhere Bedeutung: «Ich finde, die Kombination hat momentan überhaupt nicht den Stellenwert, den sie verdient hätte. (…) Das liegt auch ein wenig am internationalen Skiverband, so wie sie momentan die Kombination verkaufen.»

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