Cologna vor dem Skiathlon: «Ich bin sicher nicht der grosse Favorit, aber ...»

ck, sda

27.2.2021 - 05:01

Olympiasieger und Weltmeister – der Skiathlon scheint wie gemacht für den Allrounder Dario Cologna. Heute wird er es an der WM gegen die norwegische und russische Übermacht dennoch schwierig haben.

Mit seinen 34 Jahren kann und will Dario Cologna nicht mehr in jedem Rennen ans Limit gehen. Er muss sich die Rosinen herauspicken um zu brillieren. Auch wenn es bei den letzten beiden Weltmeisterschaften aus verschiedenen Gründen nicht mehr aufging, hat der vierfache Olympiasieger und dreifache WM-Medaillengewinner zur Genüge gezeigt, dass er es wie kaum ein anderer versteht, auf den Punkt bereit zu sein. Zum bisher letzten Mal zeigte er dies vor drei Jahren in Pyeongchang mit dem Olympia-Gold über 15 km Skating.

«Ich bin sicher nicht der grosse Favorit», sagt Cologna nun vor seinem ersten WM-Einsatz in Oberstdorf am Samstag im Skiathlon (15 km klassisch, gefolgt von 15 km Skating). «Aber ich bin gut vorbereitet und freue mich auf die Rennen.» Der beste Schweizer Langläufer der Geschichte weiss natürlich, was die Öffentlichkeit von ihm erwartet, und auch er selber setzt sich hohe Ziele. «An der WM geht es um Medaillen, und wenn man schon sieben (inklusive Olympische Spiele – Red.) gewonnen hat, sind die Erwartungen natürlich immer hoch.» Realistisch könne man zwar keine erwarten, «aber mein Ziel ist es, zumindest in den Medaillenkampf eingreifen zu können.»



Starke Konkurrenz aus Norwegen und Russland

Die Saison des Bündners verlief durchzogen. Beim 2. Platz in seiner Heimat Val Müstair kurz nach Neujahr zeigte er, was drin liegt, wenn die Umstände stimmen, als er davon profitierte, dass sich in der letzten Kurve drei Russen gegenseitig in die Quere kamen. Insgesamt resultierten fünf Top-Ten-Plätze. Beim einzigen Skiathlon der Saison in Lahti belegte Cologna den 7. Rang – hinter fünf Norwegern und dem russischen Dominatoren Alexander Bolschunow.

Und genau da liegt sein Problem. Er ist fast darauf angewiesen, dass ein paar Pfeiler dieser Phalanx aus Norwegen und Russland wackeln. Zuletzt fehlte Cologna wie allen Distanzläufern der Rennrhythmus – seit fast einem Monat sind sie ohne Rennen.



Die Schweizer bereiteten sich im Engadin und in Davos auf die Titelkämpfe vor und reisten am Mittwoch ins frühlingshaft warme Oberallgäu. «Eine Garantie, dass es gut kommt, gibt es nicht», weiss der Schweizer Sportler des Jahres 2013. «Aber ich bin zuversichtlich.» Er habe vor Grossanlässen beides schon erlebt, keine Rennen und viele Einsätze. Vor den Winterspielen 2014 gab es zum Beispiel wegen einer Fussverletzung eine lange Pause und viele Fragezeichen, in Sotschi holte Cologna dann dennoch zweimal Gold.

Er rechnet damit, dass es auf der anspruchsvollen Strecke ein schnelles Rennen geben wird. «Vor allem im langen Anstieg ist es gut möglich, vorne wegzulaufen. Ich denke, es wird ein Ausscheidungsrennen geben.» Schon beim Wechsel auf die Skating-Ski dürfte das Feld nur noch klein sein, vermutet er. Cologna will das Rennen eher defensiv angehen, «im Rücken bleiben, etwas Kräfte sparen und in der Spitzengruppe dranbleiben. Wenn ich gute Beine habe, ist viel möglich.»

Furger sowie Fähndrich und van der Graaff setzen auf Teamsprint

Neben Cologna starten die Bündner Jonas Baumann und Jason Rüesch sowie der Walliser Candide Pralong zum Skiathlon. Bei den Frauen ist hingegen keine Schweizerin am Start. Nadine Fähndrich und Laurien van der Graaff schonen sich ebenso für den Teamsprint am Sonntag wie Roman Furger. Es ist der Wettkampf, in dem sich die Swiss-Ski-Athleten die grösste Medaillenchance ausrechnen.

Fähndrich und Van der Graaff standen bei den letzten vier Weltcups auf dem Podest, Furger und Jovian Hediger liefen vor drei Wochen im schwedischen Ulricehamn auf den 2. Platz. «Das war ein Riesen-Highlight», schwärmt Furger. «Da hat uns alles etwas in die Karten gespielt, wir haben gesehen, was möglich ist, wenn am Tag X alles zusammenpasst.» Eine Medaille mit dem Team wäre für den 31-jährigen Urner «ein kleiner Kindheitstraum, der in Erfüllung geht.»

Für Cologna, der nach dem Skiathlon Starts über 15 km und 50 km sowie mit der Staffel plant, wäre es die Rückkehr zu altbekannten Gefühlen.

«Die Medaille ist das Ziel, auch wenn das 'unschweizerisch' klingt»

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