Ärger bei den Schweizer Slalom-Cracks: «Da rege ich mich schon langsam auf»

Luca Betschart

27.1.2021

War beim Nacht-Spektakel in Schladming bester Schweizer: Ramon Zenhäusern.
War beim Nacht-Spektakel in Schladming bester Schweizer: Ramon Zenhäusern.
Bild: Keystone

Auch im packenden Flutlicht-Spektakel von Schladming verpassen die Schweizer Slalom-Fahrer das Podest am Dienstag nur knapp. Trotz der nächsten Topplatzierung ist der Ärger spürbar.

Im vergangenen Winter überraschen die Schweizer Slalom-Fahrer positiv. Allen voran Daniel Yule übertrifft die Erwartungen mit seinen Siegen in Madonna di Campiglio, Adelboden und Kitzbühel bei Weitem, gemeinsam mit Ramon Zenhäusern sorgt er zudem für weitere drei Podestplätze in der langjährigen Schweizer Sorgendisziplin.

Im laufenden Winter allerdings können die beiden Aushängeschilder nicht ganz an jene Auftritte anknüpfen. Zwar eröffnet Ramon Zenhäusern den Winter mit dem Triumph zum Saisonauftakt in Alta Badia, seither aber schafft es kein Schweizer mehr auf ein Slalom-Treppchen. Und die konstant herausgefahrenen Top-Ten-Ergebnisse des Schweizer Teams genügen den Ansprüchen mittlerweile nicht mehr gänzlich – bei Fahrern, Trainern sowie Zuschauern.



Ein Quäntchen mehr Risiko

«Schlussendlich ist es ein fünfter Platz, den muss man nehmen», sagt Ramon Zenhäusern nach dem Nachtslalom in Schladming im Interview mit SRF. Restlos zufrieden ist der bestklassierte Schweizer damit nicht: «Meine Leistung ist nicht schlecht, aber auf der anderen Seite fehlt der Mut, das letzte Risiko einzugehen, um auf das Podest zu kommen. Da rege ich mich langsam schon etwas auf. Weil ich habe eigentlich keinen Grund, dieses nicht einzugehen. Das werde ich in Zukunft sicher noch zu ändern versuchen.»

Insbesondere in dieser technisch hochanspruchsvollen Disziplin ist es aber ein schmaler Grad. Im ersten Lauf von Schladming schaffen es von den 69 gestarteten Fahrern gleich deren 25 nicht ins Ziel. «Das Limit zwischen Ausscheiden und auf dem Podest zu stehen ist so eng, es ist eine Gratwanderung», erklärt Zenhäusern. Diesbezüglich sei er momentan auf der sicheren Seite. «Ich mache super Resultate, bin sicher zufrieden. Aber vielleicht müsste ich das Quäntchen Risiko in Zukunft noch mehr suchen und auch einmal einen Ausfall riskieren.»

Yule kommt nicht in Fahrt

Der fünfte Platz ist für Zenhäusern das zweitbeste Saisonresultat. Seit seinem Sieg zum Saisonauftakt in Alta Badia wartet er aber auf einen Podestplatz – genau wie das restliche Schweizer Slalom-Team. Vor allem für Daniel Yule, den erfolgreichsten Schweizer Slalom-Fahrer überhaupt, verlaufen die jüngsten Rennen enttäuschend. In Schladming, wo er zuletzt drei Jahre in Folge auf dem Podium steht, fädelt er heuer im ersten Lauf ein und scheidet aus.

«Ich bin sehr enttäuscht. Immerhin war ich bis dahin sehr schnell», sagt der 27-Jährige im Zielraum. «Man sagt: Wenn es läuft, dann läuft es. Ich habe ein bisschen das Gefühl, dass es bei mir momentan das Gegenteil ist: Wenn es nicht will, will es einfach nicht», sagt Yule.

Dann sei auch plötzlich vieles nicht mehr so einfach: «Wenn alles schiefläuft, ist alles ein bisschen schwieriger. So ist das einfach in unserem Sport, vor allem im Slalom.» Aber Kämpfer Yule betont: «Ich weiss, dass ich heute schnell war – und das nehme ich für die nächsten Rennen mit.»

Von Grünigen setzte Ausrufezeichen

Neben Zenhäusern und Meillard, der sich im zweiten Lauf auf Rang 9 verbessern kann, sorgt beim Nachtspektakel auf der Planai vor allem Noel von Grünigen für Schweizer Jubel. Mit der Startnummer 62 schafft der 25-Jährige den Sprung in den zweiten Lauf, wo er noch neun Ränge gut macht und mit Rang 19 seine beste Weltcup-Kassierung einfährt.

Bereits in drei Tagen bietet sich den Schweizer Slalom-Cracks in Chamonix die nächste Doppelchance, wo am Samstag und Sonntag gleich zwei Slaloms auf dem Programm stehen. Es ist zugleich die Hauptprobe für die WM in Cortina – höchste Zeit, auch in dieser Disziplin Podestplätze einzufahren.

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