Zurückgestuft

Luca Aerni – ein Weltmeister in der Abwärtsspirale

Von Luca Betschart

19.4.2020

Gehört drei Jahre nach seinem Weltmeistertitel nur noch zur dritten Garde bei Swiss Ski: Luca Aerni.
Bild: Keystone

Am Freitag gibt Swiss Ski bekannt, dass der Slalom-Fahrer Luca Aerni weiter zurückgestuft wird und neu dem B-Kader angehört. Ein nächster Rückschlag für den ehemaligen Weltmeister – und eine neue Chance?

Nach dem Weltcup-Debüt in Madonna di Campiglio im Dezember 2012 setzt Luca Aerni rund zwei Jahre später mit Rang 10 im Slalom von Bormio ein erstes Ausrufezeichen. Nur drei Wochen darauf brilliert er auch in Kitzbühel und wird Fünfter. Der endgültige Durchbruch will ihm aber nicht gelingen – bis zu den Weltmeisterschaften 2017 im eigenen Land.

Ohne vorher einmal auf einem Weltcup-Podest gestanden zu sein, gewinnt Luca Aerni in St. Moritz völlig überraschend WM-Gold in der alpinen Kombination. Erst am Vorabend erfährt er definitiv, dass er von den Trainern für das Rennen nominiert wird und fährt die Konkurrenz nach Platz 30 in der Abfahrt im Slalom in Grund und Boden.

«Seit man klein ist, arbeitet man auf einen solchen Moment hin. An einer Junioren-WM freut man sich sicher, man weiss aber, dass es noch ein weiteres Level gibt. Wenn man eine solche Leistung auf dem höchsten Niveau zeigen kann, kann man einem das nicht mehr nehmen – es bleibt das Leben lang», blickt Aerni in einem Interview mit «sport.ch» zurück. «Auch für die weitere Karriere gab es mir viel Selbstvertrauen.»

Ein Weltmeister und Olympiasieger

Nach der Sommerpause bestätigt Aerni die starken Ergebnisse und liefert seine bisher beste Saison ab. Ende Dezember fährt er im Slalom von Madonna di Campiglio erstmals auf ein Weltcup-Podest. Mit nur vier Hundertsteln Rückstand auf Marcel Hirscher verpasst Aerni seinen ersten Sieg hauchdünn. Drei Monate später gewinnt Aerni an den Olympischen Spielen in Pyeongchang Gold im Teamevent. Im Slalom fährt er zwar keinen weiteren Podestplatz heraus, der siebte Schlussrang in der Gesamtwertung lässt aber aufhorchen.

«Es war wirklich eine super Saison. Man muss zufrieden sein mit dem, was man erreicht hat, dabei wird einem auch bewusst, dass aber noch mehr Potenzial für die Zukunft da ist», sagt Aerni selbst. 

Dieses kann er in der Folge aber nicht ausschöpfen. Starke Rückenschmerzen beeinträchtigen sein Sommertraining, anschliessend wird Aerni von Materialproblemen zurückgeworfen. Im Weltcup fährt der  27-Jährige im Slalom-Winter 2018/19 nie in die Top Ten, die Titelverteidigung an der WM in Are missglückt mit Platz 8 deutlich.

Eine Degradierung als neue Chance?

Gleiches Bild auch in der kürzlich abgelaufenen Saison: Aernis Bestresultat stammt aus der Alpinen Kombination in Wengen mit Schlussrang 13. In der Slalomgesamtwertung schafft er es mit 18 eingefahrenen Zählern bloss auf Platz 50. Zum Vergleich: Teamkollege Daniel Yule (Gesamt-Dritter) steht bei 495 Punkten.



Aufgrund der enttäuschenden Resultate wird der ehemalige Weltmeister von Swiss Ski am Freitag ins B-Kader weiter zurückgestuft. Damit gehört Aerni neu zur dritten Garde – nach den Athleten der Nationalmannschaft und des A-Kaders. Aerni drohen möglicherweise wieder vermehrt Auftritte im Europacup. So sagt Walter Reusser, Alpin-Direktor bei Swiss Ski, über die Selektionskriterien: «Sobald man im B-Kader ist, geht es vor allem um Resultate im Europacup». 

Für Aerni ist das der nächste Rückschlag in einer Abwärtsspirale. Doch manchmal ist ein Schritt zurück mehr wert als zwei nach vorn. Den Glauben an die Kehrtwende hat Aerni jedenfalls nicht verloren. «Es geht mir körperlich wieder sehr gut und auch die Abstimmung des Materials passt wieder viel besser zusammen. Ich habe deshalb das Gefühl, dass mir schon bald wieder ein richtig gutes Ergebnis gelingen wird», sagt er erst im vergangenen Januar. Es wäre ihm zu gönnen. 

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