WM-Super-G

Mitgefühl bei Odermatt: «Loïc und Mauro hatten gar keine Chance»

Luca Betschart

11.2.2021

Bont erklärt: Deshalb waren die Schweizer beim Super-G die «Opfer»

Bont erklärt: Deshalb waren die Schweizer beim Super-G die «Opfer»

Ski-Insider und Ex-Kommentator Michael Bont erklärt bei «blue Sport», weshalb die Medaillengewinner beim Super-G in Cortina von den Schweizer Fahrern profitieren konnten.

11.02.2021

Für die Schweizer Männer setzt es zum Auftakt der Ski-WM eine herbe Enttäuschung ab. Mit Loïc Meillard und Mauro Caviezel werden gleich zwei der vier Trümpfe Opfer ihrer frühen Startnummern.

Mit zwei Tagen Verspätung bestreiten die Männer mit dem Super-G am Donnerstagmittag endlich das erste WM-Rennen in Cortina. Den Auftakt haben sich Fahrer, Organisatoren und Fans aber ziemlich sicher anders vorgestellt – insbesondere aus Schweizer Sicht.

Die extrem anspruchsvolle Kurssetzung sorgt nämlich dafür, dass die Athleten mit den frühesten Startnummern so etwas wie die Versuchskaninchen sind – und ein enorm hohes Risiko eingehen müssen. «Am Anfang, mit der Startnummer eins oder zwei, müssen wir einfach attackieren und nicht zu viel überlegen. Das habe ich gemacht», sagt Loïc Meillard, der mit Startnummer zwei keine Möglichkeit hat, zu taktieren.



Bei der Besichtigung habe man die Stelle schlichtweg unterschätzt, gibt der Neuenburger zu. «Wir haben gewusst, es wird kompliziert. Aber dass wir vor dem Sprung und nach dem Sprung bremsen müssen, haben wir nicht gewusst. Und das war wirklich die einzige Möglichkeit», sagt Meillard im Zielraum. 

Odermatt: «Die ersten Drei hatten gar keine Chance»

Hatten im Super-G Pech mit der Startnummer: Mauro Caviezel und Loïc Meillard.
Hatten im Super-G Pech mit der Startnummer: Mauro Caviezel und Loïc Meillard.
Bild: Keystone

Auch für die Startnummer drei, Mitfavorit Mauro Caviezel, kommt die Information zu spät. «Es war ein wenig knapp. Loïc habe ich nicht gesehen, von Walder (Startnummer 1 – Anm. d. Red.) habe ich nur gesehen, dass er weit gesprungen ist. (…) Für mehr hat es aber nicht gereicht», erzählt der 32-Jährige nach seinem ersten Rennen nach rund einmonatiger Verletzungspause im Interview mit «SRF».

Er fügt an: «Ich hatte viele Fragezeichen vor und während der WM, weil ich einfach merke, dass etwas noch nicht ganz stimmt.» Deshalb hätte für den Bündner an diesem Tag alles zusammenpassen müssen. Dem ist leider nicht so: «Es war schwierig. Mit der Nummer drei sowieso – aber ich habe auch gemerkt, dass ich oben am Limit bin, ohne wirklich am Limit zu sein.» 



Die Herausforderung ist aber auch für die formstarken Fahrer gross. «Man wusste wenig über die Piste und den Schnee. Sie haben nach der Besichtigung nachgewässert und Tore umgesteckt. Das hat es heute sehr schwierig gemacht», sagt auch Marco Odermatt im Ziel. Insbesondere die Fahrer mit frühen Startnummern sieht er zum WM-Auftakt benachteiligt: «Man hat es gesehen, die ersten Drei, die ausgeschieden sind, hatten gar keine Chance. Sehr schade für Loïc und Mauro. Bevor das Rennen begonnen hat, wusste man eigentlich schon, dass es ganz schwierig wird.»

Kriechmayrs «Hundert-Meter-Drift»

Der kuriose Rennauftakt mit den drei Ausfällen an gleicher Stelle hinterlässt auch bei den Fahrern oben am Start Spuren. «Ich muss zugeben, nach den Ausfällen von Loïc und Mauro war ich verunsichert. Das ist nicht gut für das Vertrauen», gesteht Odermatt im Gespräch mit «blue Sport». Die gefürchtete Passage übersteht er danach zwar sehr gut, Odermatt verliert seine Medaillenchance etwas weiter unten: «Ich mache einen grossen Fehler bei der Einfahrt zur Traverse. (…) Danach fehlte mir das Tempo und ich verliere Zeit bis ins Ziel.» Am Ende verpasst Odermatt die Top Ten als Elfter knapp.

Mit der schwierigen Kurssetzung am besten zurecht kommt der Österreicher Vincent Kriechmayr, der als Zwölfter am Start auch genügend Zeit hat, taktische Anpassungen vorzunehmen. «Das war ein Hundert-Meter-Drift. Das bin ich so in meinem Leben noch nie gefahren», schildert Kriechmayr im TV-Interview mit «ORF» seine Fahrt in der Schlüsselpassage.

Nichtsdestotrotz gibt es aus dem enttäuschten Schweizer Lager keine harsche Kritik für die ausgesteckte Kurssetzung. «Am Ende ist es für alle so. Der Schnellste gewinnt», räumt Meillard im Gespräch mit «blue Sport» ein. Dennoch weiss er seinen missglückten WM-Auftakt einzuordnen: «Ich habe das Gefühl, dass mit einer frühen Startnummer heute jeder rausgeflogen wäre. Das ist Teil des Spiels. Aber ich habe mein Selbstvertrauen in diesem Super-G nicht verloren.»

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