Schock und Ärger

Kristoffersen tobt nach Stürzen in Adelboden: «Lebensgefährlich»

dpa/pat

10.1.2021 - 20:31

Henrik Kristoffersen: «Das ist echt eine Schande, weil es unnötig ist.»
Bild: Keystone

Der böse Sturz von Tommy Ford trübt das lange Adelboden-Wochenende. Obwohl aus dem Spital erste vorsichtige Entwarnung kommt, sorgt der Unfall des Amerikaners für Ärger in der Ski-Gemeinde. Vor allem ein norwegischer Technik-Star ist empört.

Der Anblick war furchtbar. Tommy Ford liegt am Rand der Piste in Adelboden, den Kopf zur Seite gedreht, einen Arm nach hinten verkrümmt, die Beine noch im Fangnetz. Er bewegt sich nicht. Helfer eilen herbei und beginnen, sich um den US-Skirennfahrer zu kümmern. Das in normalen Jahren von einer grossen Wintersport-Sause mit Zigtausenden Fans samt Partymusik geprägte Alpin-Wochenende im Berner Oberland ist von einem schlimmen Unfall – und etlichen weiteren folgenschweren Stürzen – überschattet worden. Nach bangen Stunden gab es am Samstagabend immerhin erste gute Nachrichten.

A helicopter during the rescue of USA's injured Tommy Ford during the first run of the men's giant slalom race at the FIS Alpine Skiing World Cup in Adelboden, Switzerland, Saturday, January 9, 2021. (KEYSTONE/Jean-Christophe Bott)
Tommy Ford wird nach seinem schweren Sturz mit einem Helikopter ins Spital geflogen.
Bild: Keystone

«Tommy Fords Kopf- und Nackenverletzungen sind nicht schwerwiegend und entwickeln sich gut. Er hat noch eine Knieverletzung, die weiter untersucht wird», twitterte der US-Skiverband. Die Erleichterung über dieses erste Bulletin war gross in der Ski-Welt. «Wir denken alle an dich», schrieb die frühere amerikanische Alpin-Dominatorin Lindsey Vonn in den sozialen Medien und wünschte gute Besserung.



«Das ist echt eine Schande, weil es unnötig ist»

In das kollektive Aufatmen mischte sich aber auch Ärger darüber, dass es überhaupt zu derart schweren Unfällen bei den beiden Riesenslaloms am Freitag und Samstag gekommen war. Am ersten Renntag auf dem schwierigen Chuenisbärgli-Hang in der Schweiz hatten sich bereits die norwegischen Youngster Lucas Braathen und Atle Lie McGrath verletzt, deren WM-Saison vorzeitig zu Ende ist. Auch bei Tommy Ford geht niemand mehr von einem Comeback in diesem Winter aus.

Von einer «komplett kopflosen» Kurssetzung sprach Norwegens Henrik Kristoffersen im Sender TV2. Er kritisierte, dass die Fahrer deshalb extrem schnell wurden, und das just in einem so steilen Abschnitt wie dem berüchtigten Schlusshang von Adelboden. «Wenn der Schnee dann noch so aggressiv ist, ist das lebensgefährlich», fand Kristoffersen. «Das ist echt eine Schande, weil es unnötig ist.» Den Riesenslalom könne man so gleich in Super-G umtaufen, schimpfte er.

Der erfahrene Ford hatte in vollem Speed eines der letzten Tore des Kurses nicht mehr erwischt. Er strauchelte, kam zu Fall, überschlug sich, schlitterte auf Kopf und Nacken über den Schnee, krachte dann noch gegen zwei Pistenarbeiter und blieb neben der Strecke liegen.

Zwei Pistenarbeiter werden von Tommy Ford «abgeschossen».
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Durch den Aufprall auf den Kopf dürfte der 31-Jährige das Bewusstsein verloren haben. Als er nach einer fast halbstündigen Behandlung am Unfallort in einen Rettungsschlitten gelegt und danach von einem Helikopter weggeflogen wurde, konnte er aber mit Helfern reden, wie das US-Team mitteilte. Weitere Details zu den Verletzungen verriet eine Sprecherin unter Verweis auf Fords Privatsphäre zunächst nicht.

Der sportliche Wettkampf und die beiden famosen Siege des französischen Weltcup-Gesamtführenden Alexis Pinturault – und die Top-Leistungen der Schweizer – gerieten angesichts des Vorfalls in den Hintergrund. Der deutsche Stefan Luitz fehlte verletzt und schrieb bei Instagram: «Es ist hart, die Rennen zuhause zu gucken. Aber es ist noch schlimmer, die Jungs so stürzen zu sehen.»

dpa/pat