Shiffrin kämpft mit den Tränen: «Vlhova macht alles besser als ich»

15.1.2020 - 10:50, jar

Mikaela Shiffrin gratuliert Flachau-Siegerin Petra Vlhova.
Bild: Getty

Zum zweiten Mal in Folge muss sich Weltcup-Dominatorin Mikaela Shiffrin im Slalom Petra Vlhova geschlagen geben. Die US-Amerikaner ist sichtlich enttäuscht und kämpft nach dem Rennen in Flachau gar mit den Tränen.

«Wir sind in der Realität angekommen. Ich fahre aktuell einfach nicht so, wie ich mir das wünsche», sagt Mikaela Shiffrin am Dienstagabend an einer emotionalen Pressekonferenz nach dem Flachau-Slalom, den sie «nur» auf Rang 3 beendete. Der Sieg ging an die Slowakin Petra Vlhova, die Shiffrin bereits zu Jahresbeginn in Zagreb keine Chance liess und im Gesamtklassement Boden gut macht. Zweite wurde die Schwedin Anna Swenn-Larsson, Wendy Holdener verpasste das Podest als Vierte knapp.

Shiffrin ist nach dem Rennen bitter enttäuscht – und erklärt, dass sie momentan auf der Suche nach Selbstvertrauen ist: «Der Eindruck täuscht nicht. Ich bin jemand, der nicht immer so fest an sich selbst glaubt. Nur selten war ich so selbstbewusst, dass ich sicher war, alle zu schlagen.» Sie wisse, dass sie vor allem deshalb so lange an der Spitze ist, weil sie härter gearbeitet habe als die anderen. «Aber Siege können schnell vorbei sein. Auch ich muss ständig Schritte nach vorne machen.»



Selbst der Kurs des zweiten Laufs in Flachau, der von Shiffrins Coach Mike Day gesteckt wurde, konnte der 24-Jährigen nicht helfen. Dass die Amerikaner den Kurs gegen Vlhova gesetzt hätten, wie von einigen Kritikern behauptet, bestreitet Shiffrin vehement. Die Slalom-Rekordsiegerin (43 Siege) kämpft mit den Tränen, als sie sagt: «Solche Spiele spielen wir nicht. Gegen sie kannst du ohnehin nichts setzen, so wie sie aktuell Ski fährt. Petra macht derzeit alles besser als ich, ihre Technik ist perfekt. Deshalb ist sie derzeit die Beste und kann jeden Kurs gut fahren.»

Österreichs Ski-Legende Hermann Maier ist gleicher Meinung. «Anfang der Saison hat sie noch locker gewonnen. Jetzt grübelt sie. Aktuell ist Vlhova klar die Stärkere», sagt Maier dem «ORF». Slalom-Ikone Marlies Raich meint: «Unter Druck macht Mikaela Fehler, die ihr normal nicht passieren.»

Vlhova: «Vielleicht können wir später Freunde werden»

Siegerin Vlhova ist erfreut über die lobenden Worte von Shiffrin. «Gut, das von ihr zu hören», sagt die Slowakin, die noch im Zielraum eine Umarmung ihrer ärgsten Konkurrentin erhielt. «Der Kampf zwischen uns ist gut und ich verstehe, wenn Mika sauer ist. Auch sie will immer gewinnen», so Vlhova. «Ich habe grossen Respekt vor ihr, sie ist ein wahrer Champion.»

Anerkennende Worte von beiden Seiten – doch für eine Freundschaft reicht das nicht aus. Der Konkurrenzkampf ist zu gross. «Wir wären bestimmt gute Freundinnen, wenn wir nicht Konkurrentinnen wären», sagt Shiffrin. Vlhova meint: «Ich wäre gerne ihre Freundin. Aber wir sind beide gerade ganz oben und wollen gewinnen. Vielleicht können wir ja später Freunde werden.»

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