Rios: «Wir spielten drei gegen eins – Alle gegen Jenny»

13.2.2018 - 16:35, sda

Erwischte einen schlechten Tag: Martin Rios
Bild: Keystone

3:10! Aufgabe gegen Kanada in hoffnungsloser Lage nach sechs von acht Ends! Was der grösste Tag im Curling-Leben von Martin Rios (36) und Jenny Perret (26) hätte werden sollen, endete für den Glarner und die Bielerin mit Silber und Frust. «Morgen vielleicht» könne sie sich über die Silbermedaille freuen, meinte Perret. Und Rios, der während des Turniers viel und gern und laut gesprochen hatte, blieb kleinlaut und warf in der Enttäuschung Handtücher herum.

Nach dem gewonnenen Halbfinal hatte Rios noch gesagt, dass ihn eine Niederlage nicht aus dem Tritt geworfen hätte, «schliesslich geht es ja nur um Curling.» 24 Stunden später präsentierte sich ein anderes Bild. Rios war schwer an- und niedergeschlagen. Ging es im Final um mehr als Curling? Rios: «Nein. Was ich nach dem Halbfinal sagte, hat immer noch seine Gültigkeit. Aber ich bin sehr enttäuscht wegen meiner Leistung. Wir spielten drei gegen eins – alle gegen Jenny (Perret).»

Rios gelang im Final nichts. «Im zweiten End bot sich die Chance, drei Steine zu schreiben. Wir nutzten die Chance nicht. Dann im dritten End mein Fehlstein und das Viererhaus für die Kanadier. Und das war nur ein Fehlstein von vielen.» Vorwürfe von der Spielpartnerin gab es keine. Warum eigentlich nicht? Mit gegenseitigem Provozieren kutschierten Perret und Rios vor dem Final gut und erfolgreich. Bei der Aufarbeitung des Finals waren am Ende beide der Meinung, dass ein bisschen mehr Disharmonie oder Streit womöglich geholfen hätte (ein amüsantes Video dazu von SRF sehen Sie hier).

Irgendwann werden sich Jenny Perret und Martin Rios über ihre Silbermedaillen freuen – vielleicht schon am Mittwochabend auf der Medals Plaza. «Ich denke, das braucht jetzt schon einen Moment», so Rios. «Ich sage auch nicht, dass alles, was wir in den letzten drei Jahren gemacht haben, für die Katz war. Was wir erleben durften, ist mehr wert als die Goldmedaille. Aber dennoch hätte ich sie gerne gewonnen.»

Wie geht es nun weiter?

Naheliegend wäre, dass Perret und Rios ihre Mixed-Karriere fortsetzen. Dieses Bekenntnis konnten sie in Südkorea aber noch nicht abgeben. Für Rios ist klar: Wenn er weitermacht, dann für einen weiteren olympischen Zyklus von vier Jahren. Aber 2022 bei den Winterspielen in Peking wäre er bereits 40. Die Tendenz sieht so aus, dass Rios weitermachen wird, denn «ich bin nicht einer, der nur zum Plausch spielen kann». Auch Jenny Perret räumt ein, es spreche nichts dagegen, dem Mixed treu zu bleiben.

Der Entscheid wird aber erst nach der Saison gefällt. Martin Rios reist noch diese Woche aus Pyeongchang ab, besucht am Wochenende samt seiner Silbermedaille die nationalen Juniorenmeisterschaften in Arlesheim und reist danach in der Funktion als Junioren-Nationalcoach mit den Meisterteams an die Nachwuchs-WM. Jenny Perret bleibt an den Winterspielen und gehört als fünfte Spielerin dem Frauen-Team von Skip Silvana Tirinzoni an. Perret: «Erst nach der Saison werden wir gemeinsam entscheiden, wie es weitergeht.»

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