Fünf Gründe, warum sich der Fast4-Modus im Tennis etablieren sollte

9.1.2019 - 09:06, Luca Betschart

Der «doppelte» Matchball zwischen Federer/Bencic und Zverev/Kerber
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Der «doppelte» Matchball zwischen Federer/Bencic und Zverev/Kerber

08.01.2019

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Der ungewohnte Fast4-Modus sorgt am Hopman Cup für begeisternde Partien mit viel Spannung. «Bluewin» nennt fünf Gründe, weshalb das Format in Zukunft mehr Aufmerksamkeit im Tennissport verdient.

Der nicht mehr so neue, aber ungewohnte Fast4-Modus sorgte vor einigen Tagen dafür, dass sogar in unserer Sportredaktion darüber gerätselt wurde, wie viele Punkte das Doppel Federer/Bencic noch braucht, um den Titel am Hopman Cup in Perth zu verteidigen. Obwohl der Modus bereits 2014 erstmals gespielt wurde, sind nicht allen Tennisfans die entscheidend abgeänderten Regeln bekannt.

Die wichtigsten Änderungen: um einen Satz zu gewinnen, müssen nur noch vier Games gewonnen werden. Steht es nach sechs Spielen 3:3, kommt die zweite Regel zum Zug: Es wird ein Tiebreak auf fünf Punkte gespielt. Steht es in diesem Tiebreak 4:4, wird ein Entscheidungspunkt gespielt, der über Gewinn und Verlust des Satzes entscheidet. Der Entscheidungspunkt führt uns zur dritten wichtigen Regeländerung: es gibt kein «Advantage» mehr. Geht ein Spiel über Einstand, entscheidet der folgende Punkt über den Sieger dieses Games. So weit, so gut.

Bekämen wir nun öfters Tennismatches im Fast4-Modus zu sehen, würden wir in Zukunft auch ohne im Regelwerk nachzugschlagen wissen, wann eine Partie zu Ende ist. Dies ist allerdings nicht der einzige Grund, weshalb die aus Australien stammende Regelauslegung aus unserer Sicht in Zukunft durchaus öfters angewendet werden darf.

1. Entlastung für Profis und den Turnierkalender

Immer wieder beklagen Spieler und Spielerinnen den dicht gedrängten Turnierkalender der ATP und der WTA mit den zahlreichen Turnieren und der langen Saison. Mit Hopman, Laver oder Davis Cup wird diese definitiv nicht kürzer. Dem prallgefüllten Jahreskalender teilweise bereits zum Opfer gefallen ist der traditionelle Davis Cup, der ab nächster Saison deshalb in einem neuen, zeitsparenden Modus ausgetragen wird. Ob es den Hopman Cup im nächsten Jahr noch gibt, steht aktuell in den Sternen.

Am Hopman Cup dauerte der erste Satz des Mixed Doppels zwischen der Schweiz und Deutschland etwas mehr als zehn Minuten – die gesamte Partie inklusive umkämpften Entscheidungssatz etwas mehr als eine Stunde. Mit diesem Spielmodus wäre gar denkbar, dass ein Spieler zwei Partien pro Tag bestreiten kann. Ein einwöchiges Turnier liesse sich auf vier Tage verkürzen und die gewünschte Entlastung wäre gesichert.

2. Spannung pur zu jeder Zeit

Vor allem zwei Regelnänderungen machen den Fast4-Modus für Fans ungemein attraktiv. Denn sowohl für ein Spielgewinn wie auch für den Sieg im Tiebreak werden nicht mehr zwei Punkte Differenz benötigt. Geht ein Game über Einstand, kommt es zu einem Entscheidungspunkt, der also jeweils Spielball und zugleich Breakball bedeutet. Der Entscheidungspunkt beim Stand von 4:4 im Tiebreak bedeutet somit jeweils für beide Spieler Satz- oder gar Matchball – und ein doppelter Matchball bedeutet Nervenkitzel für alle Beteiligten. In der vergangen Woche gewannen neben Federer und Bencic auch Nadal und Raonic ihr Doppel dank dem versenkten «doppelten» Matchball.

Nadal und Raonic gewinnen den «doppelten» Matchball
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Nadal und Raonic gewinnen den «doppelten» Matchball

08.01.2019

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3. Interessante taktische Spielereien

Gleichzeitig beeinflusst der Entscheidungspunkt auch die taktischen Überlegungen auf dem Platz und macht diese interessanter. Wer im auf maximal neun gespielte Punkte begrenzten Tiebreak mit Aufschlag beginnt, kann zwar in den ersten sechs Punkten viermal aufschlagen. Hat man bis dahin den Sack jedoch nicht zugemacht, müssten danach allerdings die drei verbleibenden und womöglich entscheidenden Punkte als Returnspieler in Angriff genommen werden, so auch ein «potentieller» doppelter Matchball. Ist es nun ein Vorteil oder ein Nachteil, ein Tiebreak als Aufschläger zu eröffnen?

4. «Big-Points» am Laufmeter

Einstand gibt es nicht mehr, pro Game werden maximal sieben Punkte gespielt. Das bedeutet: Schwächephasen werden sofort bestraft. Liegt man in einem Spiel mit 15:40 zurück, braucht es eben drei gewonnene Punkte, um das Break abzuwenden. Gelingt dieser Effort, ist das Spiel dafür gleichzeitig bereits im Trockenen. Neu kann man sich auch vier Spiel-oder Breakbälle am Stück erarbeiten. Die Partie kann schnell gedreht werden und noch schneller verloren sein. Auch für ein Duell zwischen David und Goliath eine spannende Ausgangslage…

5. Roger Federer

Roger Federer scheint das Fast4-Tennis zu gefallen und gut damit zu Recht zu kommen, wie er auch dieses Jahr bereits eindrücklich unter Beweis gestellt hat. Würden auch Grand-Slam-Turniere wie Wimbledon in diesem Modus gespielt, dürften wir uns wohl noch länger auf Federers Auftritte auf dem heiligen Rasen freuen. Fast4-Tennis am traditionsreichsten Turnier würde der achtfache Champion des Turniers allerdings eher nicht begrüssen. Dennoch wäre es möglich, dass ein häufiger gespielter Fast4-Modus die Karriere von Federer verlängert. Wenn auch nur um ein Turnier – es wäre Grund genug.

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