Schiri-Attacken, Corona-Partys, Wutausbrüche

Alexander Zverevs lange Liste der Verfehlungen

Von Luca Betschart

23.2.2022

Zverev leistet sich Ausraster gegenüber dem Schiedsrichter und wird disqualifiziert

Zverev leistet sich Ausraster gegenüber dem Schiedsrichter und wird disqualifiziert

Nach einer mutmasslichen Fehlentscheidung im Doppel brennen Alexander Zverev die Sicherungen durch, lautstark attackiert er den Schiedsrichter. Das hat Folgen: Zverev wurde vom Turnier in Acapulco ausgeschlossen.

23.02.2022

Alexander Zverev macht seinem Ruf als Heisssporn in Acapulco alle Ehre und nimmt sich die Chancen auf die Titelverteidigung gleich selbst. Die Schiri-Attacke im Doppel ist nur einer von vielen Aussetzern. 

Von Luca Betschart

23.2.2022

Alexander Zverev gehört zweifellos zu den talentiertesten Tennisspielern weltweit. Der Olympiasieger gilt aber auch als Hitzkopf und zählt zu den Spielern, die auf und neben dem Platz für Schlagzeilen sorgen. Der jüngste Ausbruch in Mexiko, wo der Deutsche im Einzel eigentlich als Titelverteidiger antritt, reiht sich in eine Liste an diversen Vorfällen, die viel Aufsehen erregten.

Wimbledon, Juli 2018

Der erst 21-Jährige scheitert bei prestigeträchtigem Rasenturnier in der dritten Runde an Ernests Gulbis und leistet sich dabei einen Aussetzer gegen einen Linienrichter. Als der Stuhlschiedsrichter den Deutschen daraufhin verwarnt, schlägt dieser mit dem Schläger aufs Netz und erntet Buhrufe. Beim Seitenwechsel kurz darauf hat er sich aber nicht beruhigt, im Gegenteil. «Seit wann kann mir ein Linienrichter eine Verwarnung geben? Er fühlt sich doch nur wichtig, weil er an einem grossen Turnier wie Wimbledon dabei ist. Er hat das nur gesagt, damit sich jemand an sein Gesicht erinnert», wird Zverev beleidigend.

Später sagt er zudem: «Was er gesagt hat, ist egal. Er ist nur Linienrichter.» Und an der Pressekonferenz auf den Zwischenfall angesprochen, meint er kopfschüttelnd: «Ich kann mich nicht erinnern, was ich gesagt habe. Ich habe nichts riesengross Falsches gesagt.»

Australian Open, Januar 2019

Gegen den Kanadier Milos Raonic bleibt der Deutsche weitgehend ohne Chance und verliert mit 1:6, 1:6 und 6:7. Bereits nach dem zweiten Satz brennen ihm die Sicherungen durch. Zverev hämmert sein Racket nicht ein- oder zweimal, sondern gleich neunmal auf den Boden, bevor er es entnervt wegwirft. Die Wende schafft er im Anschluss trotzdem nicht mehr.

ATP Cup, Januar 2020

Zverev erlebt einen krassen Fehlstart in die neue Saison. Das erste Spiel beim ATP Cup gegen Lokalmatador de Minaur hat er eigentlich schon gewonnen, doch er gibt die klare 6:4, 4:2-Führung noch unerwartet aus der Hand. Zwecks Frustabbau schlägt Zverev nach verlorenem zweitem Satz seinen Schläger ganze siebenmal auf den Boden. Teamcaptain Boris Becker kann dabei nur peinlich berührt zusehen.

Auf die Niederlage gegen de Minaur muss Zverev gegen Tsitsipas die nächste herbe Pleite einstecken. Vor allem der eigene Aufschlag treibt ihn zur Weissglut. «Ich verstehe es nicht. Ich krieg' keinen sauberen Aufschlag hin. Ich kann es einfach nicht», ist Zverev zu hören. Als er bereits mit dem Rücken zur Wand steht, lässt er seinen Frust am eigenen Vater, dem das Ganze auf der Tribüne sehr nahezugehen scheint, aus: «Halt die Klappe, was zum Teufel redest du da? Ich habe keinen Aufschlag mehr und du erzählst mir irgendeinen Sch****.»

Monaco, Juni 2020

Zusammen mit anderen Tennisstars nimmt Zverev mitten in der Corona-Pandemie an der von Novak Djokovic initiierten Adria-Tour teil. An vorderster Front feiert er unter Missachtung der Hygieneregeln in einem Nachtklub eine ausgelassene Party. Als im Nachgang prompt mehrere Teilnehmer positiv getestet werden, entschuldigt sich Zverev in einem Statement bei allen, die er möglicherweise gefährdet habe. Zudem kündigt er an, sich in eine zweiwöchige Selbstisolation zu begeben.

Allerdings vergehen nur sechs Tage, da taucht ein Video auf, das jenes Statement aber in ein anderes Licht rückt. Auf einer Instagram-Story des Modedesigners Philipp Plein ist Zverev bei einer nächsten Party in seinem Wohnort Monaco zu sehen. Der Welle der Kritik schliesst sich auch Nick Kyrgios an: «Wieder Sascha Zverev! Wieder! Wieder! Mann, wie egoistisch kannst du sein?»

Ab Oktober 2020

Innerhalb 24 Stunden melden sich zwei Ex-Freundinnen unabhängig und zu unterschiedlichen Themen zu Wort. Zum einen gibt Brenda Patea ihre Schwangerschaft bekannt, erklärt aber sogleich, das Sorgerecht keinesfalls teilen zu wollen: «Ich möchte das alleinige Sorgerecht – und habe auch triftige Gründe dafür.» Zverev kündigt an, die Sache nicht in der Öffentlichkeit klären zu wollen.

Schwere Anschuldigungen erhebt Pateas Vorgängerin Olga Sharypova, die Zverev vorwirft, gegen sie Gewalt angewendet zu haben. Im August 2021 erneuert sie die Vorwürfe und berichtet in einem Interview über weitere Vorkommnisse häuslicher Gewalt. Zverev weist die Vorwürfe daraufhin ein weiteres Mal zurück und schreibt auf Twitter: «Ich habe meine Anwälte eingeschaltet. Sie haben bereits eine einstweilige Verfügung gegen die Quelle und den Autor erwirkt, der die falschen Anschuldigungen veröffentlicht hat.» Im Oktober kündigt die ATP eine interne Untersuchung an, um die Vorwürfe zu prüfen, was Zverev ausdrücklich begrüsst. Stand heute ist die Untersuchung noch nicht abgeschlossen.

Acapulco, Februar 2022

Als Titelverteidiger im Einzel angereist, verliert Zverev im Doppel die Nerven komplett und geht den Schiedsrichter so heftig an, dass die ATP ihn für das restliche Turnier ausschliesst. Unmittelbar nach dem verlorenen Matchball schlägt der Deutsche mit seinem Racket mehrfach auf den Stuhl des Schiedsrichters und beleidigt diesen. «Es ist schwer in Worte zu fassen, wie sehr ich mein Verhalten während und nach dem gestrigen Doppel bereue», schreibt Zverev im Nachgang auf Instagram. «Ich habe mich privat beim Stuhlschiedsrichter entschuldigt, weil mein Ausbruch ihm gegenüber falsch und inakzeptabel war, und ich bin nur von mir selbst enttäuscht.»