Raffiniert, aber unzulässig: Deshalb darf Tomic seinen frechen Service nicht mehr zeigen

10.1.2019 - 16:28, rom

Ist Bernard Tomic ein Schlitzohr oder ein Spassvogel? Oder beides?

Der dubiose Aufschlag von Bernard Tomic an den «Kooyong Classic» sorgte für Aufsehen und Diskussionen. «Teleclub» geht der Sache regeltechnisch auf den Grund.

Laut Karin Rosser, Leiterin Wettkampf von Swiss Tennis, war der Matchball zwar aussergewöhnlich, aber dennoch nicht ganz legal. Im Regelbuch der IFT steht unter Punkt 7 folgendes geschrieben: [Unmittelbar vor dem Aufschlag muss der Aufschläger mit beiden Füssen in Ruhestellung hinter der Grundlinie stehen]. Wenn man den Begriff «Ruhestellung» grosszügig interpretiert, dann erfüllt Tomic bei seinem Service diese Voraussetzung. 

«Man könnte aber darüber diskutieren, ob der Gegner nicht bereit gewesen war, weil Tomic ja eigentlich einen normalen Aufschlag antäuschte. Ob dies der Fall war oder nicht, ist ein Faktenentscheid, für den der Stuhlschiedsrichter zuständig ist. Wenn er der Meinung war, dass Kyrgios bereit war, dann ist es ein gültiger Aufschlag», erklärt Rosser.

Wer verstösst zuerst gegen die ominöse Regel 20i?

Allerdings gibt es einen Fakt, der alles Vorherige über den Haufen wirft: Tomics Ball prallt zunächst am Boden auf, bevor er ihn zwischen seine Beine hindurch über das Netz bugsiert – da hört der Spass auf. [Der Aufschläger hat den Ball mit der Hand in beliebiger Richtung in die Luft zu werfen und mit seinem Schläger zu schlagen, bevor der Ball den Boden berührt.], steht ebenfalls unter Punkt 10 des Regelwerks. Und gegen diese Regel verstösst Tomic bei seinem frechen Schlag eindeutig. Etwas, dass auch die Expertin erst nach mehrmaligem Hinschauen bemerkte.



Abschliessend fügt Rosser hinzu: «Ebenfalls zweifelhaft ist das Prellen des zweiten Balls, nachdem der erste Ball ja bereits gespielt wurde. Wenn ein zweiter Ball ins Spiel kommt, wäre dies eigentlich eine Behinderung, was die Unterbrechung der Partie und Wiederholung des Punktes zur Folge hätte. In diesem Fall liegt also eventuell ein Fehlentscheid des Schiedsrichters vor». Im Ernstfall müsste der Schiedsrichter gar eine Absicht Tomics in Erwägung ziehen. Der Punkt ginge an Kyrgios.

Da das «Kooyong Classic» aber ein Showturnier ist und kein Wettbewerb, bei dem es Preisgeld oder Punkte zu gewinnen gibt, kann man da als Schiedsrichter und als Gegenspieler auch mal ein Auge zudrücken. Trotzdem ist es den exzentrischen Aussies durchaus zuzutrauen, auch an einem richtigen Turnier auf eine ähnlich kuriose Weise einen Punkt zu verlieren. Sogar, indem sie gegen die ominöse Regel 20i verstossen, die ich während meiner Recherche entdeckt und umgehend zu meiner Lieblingsregel erklärt habe: [Ein Spieler verliert den Punkt, wenn er absichtlich und wesentlich die Form seines Schlägers während des Ballwechsels verändert]. Na dann viel Spass beim Schläger kneten – während des Ballwechsels.

Das ist der Service, der bei den Tennisfans für Diskussionen sorgt.

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