Harte Zeiten für Impfverweigerer

Djokovic droht längere Zwangspause – naht nun gar sein Karriereende?

Von Syl Battistuzzi

17.1.2022

Novak Djokovic
Immerhin mit Maske: Novak Djokovic auf der Heimreise. 
Bild: Keystone

Novak Djokovic kam nach Australien, um Tennis-Geschichte zu schreiben. Er verliess das Land ohne ein Match als grosser Verlierer. Und steht vor einer ungewissen Zukunft.

Von Syl Battistuzzi

17.1.2022

Nach dem folgenschweren Gerichtsurteil musste Novak Djokovic aus seinem geliebten Australien abreisen. Auf dem langen Rückflug nach Belgrad (via Dubai) hatte der serbische Tennisstar sicher genügend Zeit, sich Gedanken um seine sportliche Zukunft zu machen. 

Down Under hängt ein weiteres Damoklesschwert über ihn. Mit der Annullierung  des Visums trat eine dreijährige Einreisesperre in Kraft, wie Premierminister Scott Morrison bestätigte. Er lässt ihm aber eine Hintertür offen: «Es gibt die Möglichkeit (für Djokovic), unter den richtigen Umständen zurückzukommen.» Mit einer allfälligen Aufhebung der Sanktion werde man sich zu gegebener Zeit befassen, so der Regierungschef. Was genau Djokovic also dafür erfüllen muss, bleibt offen. 

Klar ist: Mit der Annullierung seines Visums verpasst er die grosse Chance auf den 21. Grand-Slam-Titel. Diese Bestmarke teilt sich Djokovic momentan mit seinen Rivalen Rafael Nadal und Roger Federer (je 20). Dabei lag der Titel in Melbourne für den neunfachen Turniersieger auf dem Silbertablett bereit. Und falls Daniil Medvedev oder Alexander Zverev in Australien triumphiert, ist Djokovic ab Mitte Februar nicht mehr die Nummer 1 im Tennis.

Muss Djokovic sich für seine Ziele impfen lassen?

Solange die Pandemie noch rund um den Globus wütet, wird eine Lockerung der Massnahmen nicht stattfinden. Bei den Masters-Events in Indian Wells und Miami im März sind ebenso nur geimpfte Spielerinnen und Spieler zugelassen.

Beim nächsten Grand-Slam-Turnier, den French Open im Mai, gilt die genau gleiche Ausgangslage, wie Frankreichs Sportministerin Roxana Maracineanu kürzlich erklärte. Dasselbe bei den US Open. Nur Wimbledon hat seine Regeln noch nicht kommuniziert.

So steht Djokovic am Scheideweg: Überdenkt er seine kritische Impf-Haltung? Ohne diese Kehrtwende hat er seine sportliche Karriere in naher Zukunft schlicht nicht mehr in eigener Hand. «Novak, versuche einzusehen, dass es geimpft leichter für dich sein wird», hält auch Boris Becker, einst für drei Jahre Coach von Djokovic, gegenüber der «FAZ» fest.

Ein möglicher Karriere-Knackpunkt

Auch wenn der 34-Jährige körperlich noch lange in der Lage zu sein scheint, auf der Tour zu dominieren, wäre eine längere (Zwangs-)Pause und der fehlende Spiel-Rhythmus sicher ein Handicap. Zumal die Stimmung bei weiterer Impf-Verweigerung bei vielen Tennis-Fans wohl noch feindseliger würden. Selbst für den mental stärksten Tennisprofi auf der Tour kein Zuckerschlecken. 

Als prominentes Vorbild könne er für eine «Anti-Impf-Stimmung» sorgen, begründete die australische Regierung seinen Rauswurf. Falls Djokovic sich weiter nicht impfen lässt, wächst in der Tat sein Märtyrer-Status bei seiner Familie und seinen Anhängern. Doch der Rest der Sport-Welt zieht die Schlinge immer enger. Für den prinzipientreuen, aber gleichzeitig so ehrgeizigen Serben eine schwierige Ausgangslage. Es ist nach dem Einreise-Krimi das nächste Kapitel, welches in der Tennis-Szene für Beben sorgen wird. 


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Anm.d.Red.: Artikel mit Material von DPA