Ex-Coach Edberg: «Er hatte seinen Weg verloren und stand völlig neben den Schuhen»

tbz

13.11.2020

Stefan Edberg und Roger Federer bei den ATP-Finals 2015 in London.
Bild: Keystone

Findet Roger Federer nach einem desaströsen Jahr den Weg zurück an die Weltspitze? Sein ehemaliger Coach Stefan Edberg erzählt von der letzten grossen Krise des Tennis-Maestros und wie dem Schweizer damals das Comeback gelang.

Roger Federer hat ein Jahr zum Vergessen hinter sich. Der 20-fache Grand-Slam-Sieger konnte nach seinen beiden Knieoperationen im Frühjahr kein einziges Turnier mehr bestreiten. Sein letzter Ernstkampf, das Halbfinale an den Australian Open gegen Novak Djokovic, liegt schon fast zehn Monate zurück. Die sechs Partien in Melbourne werden 2020 ohnehin seine einzigen bleiben, aktuell bereitet sich Federer auf eine Rückkehr an demselben Turnier im Januar 2021 vor.

Ein vergleichbares Jahr gibt es in Federers Karriere nicht. Höchstens 1998, damals absolvierte ein erst 17-jähriger Roger lediglich fünf Spiele auf der Tour, hatte aber auch den Durchbruch noch nicht geschafft. Seither waren es pro Jahr im Durchschnitt 72 Matches, mit einem Tiefpunkt von 28 Spielen im Jahr 2016.

Der letzte Weg aus der Krise

Gemäss Federers Ex-Coach Stefan Edberg könnte Federer vor sieben Jahren in einer ähnlichen Situation gesteckt haben wie heuer. «2013 war ein hartes Jahr für Federer», verrät die ehemalige Weltnummer eins gegenüber «KickServeRadio». «Er hatte Rückenprobleme, hat irgendwie seinen Weg verloren und stand völlig neben den Schuhen.»

Mit Edbergs Hilfe überwand der Schweizer seine Krise und gewann 2014 und 2015 insgesamt zehn Turniere. Dabei musste Federer aber gewisse Teile seines Spiels neu erfinden. «Wir machten uns Gedanken, wie er sich weiterentwickeln könnte. Das war wichtig, denn es war offensichtlich, dass er keine Spiele mehr von der Grundlinie aus gewinnen würde. Je älter du wirst, desto schwieriger wird das», so Edberg. «Er musste die Kontrolle über die Punkte erlangen und wollte ein aggressiverer Spieler werden, so wie ich es war.»

Entscheidende Kleinigkeiten

Entscheidend sei damals gewesen, dass Federer seinen Schläger wechselte und öfters ans Netz ging. Das sei keine grosse Sache gewesen, meint Edberg. «Federer zu unterrichten, ist nicht schwierig. Er ist ein sehr guter Zuhörer und lernt wirklich schnell. Manchmal sind es die kleinen Details, die den Unterschied ausmachen. Zum Beispiel als er begann, seine Rückhand etwas früher und flacher zu treffen. So gewann er die Australian Open 2017.»

Ob es Federer erneut gelingt, nach einem ertragslosen Jahr zu seinem besten Tennis zurückzufinden, wird sich frühstens im Januar zeigen. Aktuell trainiert der 39-Jährige wieder und bereitet sich auf sein Comeback vor. Laut Edberg wohl mit vollem Einsatz. «Er hat immer noch diese Leidenschaft für das Spiel und will immer noch besser werden. Auch heute noch, ich bin mir sicher, dass er 2021 wieder versuchen wird, ganz vorne mitzuspielen.» Das dürfte die Schweizer Fans positiv stimmen.

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