«Ich kann nicht nur wegschauen» – warum Federer zurück im Spielerrat ist

9.8.2019 - 09:31, jar

Roger Federer kehrt nach fünf Jahren in den ATP-Spielerrat zurück.
Bild: Keystone

Roger Federer kehrt gemeinsam mit Rafael Nadal und Jürgen Melzer in den ATP-Spielerrat zurück. Das ist als indirekte Kampfansage an den Chef des Spielerrats, Novak Djokovic, zu verstehen.

«Ich will nicht die ganze Zeit reinfunken, aber ich kann auch nicht nur wegschauen und sagen, es interessiert mich nicht», sagte Roger Federer im März, nachdem vom Spielerrat entschieden wurde, dass ATP-Präsident Chris Kermode per Ende Jahr gehen muss. Damit deutete der Schweizer, der von 2008 bis 2014 selber Chef des Spielerrats war, eine Rückkehr ins Gremium gewissermassen an. Zuvor hatte Federer über Entscheide des Spielerrats stets gesagt, dass nun andere in der Verantwortung seien und den Rat so führen, wie sie es für richtig halten.

Doch mit der Absetzung von Kermode wurde für Federer offenbar ein grosser Fehler begangen. Er sagte, dass er sich «ein wenig Sorgen» um die Zukunft des Tennis mache: «Ich muss überlegen, ob ich mich in Zukunft wieder mehr engagieren sollte – zum Wohl der Tour.»



Novak Djokovic sagte auf die indirekte Kritik angesprochen, dass er «immer ein offenes Ohr» habe und Federer und Nadal, welcher sich ebenfalls für Kermode einsetzte, «auf mich zukommen können, wenn sie etwas wollen». Federer sagte daraufhin, dass er das Gespräch mit dem Serben gesucht hätte, dieser ihn aber abblitzen liess. «Er hatte keine Zeit für mich», so der Schweizer, der Djokovic offenbar im Fall Kermode zum Umdenken bringen wollte. Zumal sich nicht nur er, sondern ein Grossteil der Tennis-Profis hinter den ATP-Präsidenten stellten. 

«Alle Spieler sollten mehr oder weniger zufrieden sein»

«Gewisse Spieler sind nicht gleicher Meinung, die Turniere und die Spieler sind nicht gleicher Meinung, und dadurch ist die Stimmung – man kann nicht gerade sagen explosiv, aber es ist schon eine gewisse Unsicherheit da», sagte Federer im März. Die Explosion erfolgte dann bei Wimbledon, als vier der zwölf Spielerrat-Mitglieder zurücktraten: Jamie Murray, Daniel Vallverdu, Sergei Stachowski und Robin Haase.

«Es ist nicht gut, dass es immer und immer wieder Unstimmigkeiten gibt und die Leute keinen Kompromiss finden können», sagte der 38-Jährige nach diesem Knall. «Man sollte schauen, dass mehr oder weniger alle Spieler zufrieden sind, aber das gelingt einfach nicht.»

Jetzt geht der 20-fache Grand-Slam-Sieger in die Offensive: Wie die ATP am Donnerstag bekannt gibt, kehrt Federer gemeinsam mit Rafael Nadal und Jürgen Melzer in den Spielerrat zurück. Sie werden das Gremium voraussichtlich bis Wimbledon 2020 komplettieren.

Federer will die Dinge wohl selbst wieder in die Hand nehmen. Was er genau vor hat, ob etwa Chris Kermode nun doch CEO der ATP bleiben darf, ist ungewiss. Klar dürfte aber sein, dass mit ihm und Nadal im Spielerrat wieder ein anderer Wind weht.


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