Marc Rosset: «Wer sind wir, dass wir Federer sagen, wann er aufhören soll?»

Chris Geiger aus Basel

24.10.2018

Marc Rosset ist ein grosses Fan von Roger Federer. 
Bild: Keystone

Marc Rosset erklärt im Bluewin-Interview, warum er keine Erwartungen an Roger Federer mehr hat und wieso wir alle bald einen grossen Kater haben werden.

Tennisfans wissen es: Die Welt des kleinen gelben Filzballs befindet sich derzeit inmitten einer Übergangsphase. Der offene Krieg zwischen der ITF und der ATP, dem Aufkommen neuer Wettbewerbe wie dem Laver Cup oder dem fortgeschrittenen Alter der beiden grössten Botschafter – Roger Federer (37 Jahre alt) und Rafael Nadal (32 Jahre alt) – dieser Sportart .

Die Swiss Indoors Basel ist der ideale Ort, um all diese Themen zu diskutieren (hier lesen Sie den ersten Teil mit Marc Rosset). Und Marc Rosset ist der ideale Mann dafür. Denn der Olympiasieger von 1992 ist nicht nur eine wandelnde Tennis-Bibel, sondern auch ein Mann der klaren Worte: «Ich möchte den Leuten sagen, dass sie die aktive Zeit mit Roger Federer zu 2000 Prozent geniessen sollen.»

Der 47-jährige Genfer hat nie ein Geheimnis aus seiner Bewunderung für Federer gemacht: «Wir sind gesegnet von den Göttern, dass Federer Schweizer ist. Für mich ist er einer der zehn grössten Athleten der Geschichte, mit seinen Rekorden und seiner Aura. Ausserdem ist er unser ‹Zeitgenosse›: Wir alle sind mit seinen Erfolgen aufgewachsen. Es ist fabelhaft!»

Marc Rosset war als Davis-Cup-Trainer der Chef von Federer.
Bild: Getty

Aus diesem Grund wehrt er sich gegen die Kritik am Basler: «Ich kann die Frustration der Federer-Fans verstehen, wenn er verliert. Aber sobald er ein Spiel verliert, hört man immer wieder Leute sagen: ‹Er sollte aufhören›. Das  hörte man schon vor fünf Jahren, als Roger Rückenschmerzen hatte und den Schläger wechselte. Aber wer sind wir, dass wir Federer sagen, wann er aufhören soll, Tennis zu spielen?»

Rosset ergänzt: «Ich habe absolut keine Erwartungen mehr an Roger. Er hat bereits so viel für das Tennis getan. Meiner Meinung nach kann er immer noch Grand Slams gewinnen. Und selbst wenn dies nicht mehr passieren sollte, spielt es keine Rolle. Hauptsache er hat Spass dabei.»

«Wenn sie aufhören, wird es sehr wehtun»

Auch Marc Rosset weiss, dass der Rücktritt des «Maestros» nicht mehr weit weg ist: «Wenn Federer oder Nadal aufhören, Tennis zu spielen, wird es sehr wehtun. Wir werden alle einen Kater haben, denn es gibt keine so schöne Rivalität wie diese. Deshalb muss man es so lange wie möglich geniessen. Aber unsere Schweizer Mentalität verharmlost fast das Glück, welches wir dank Federer und Wawrinka haben.»

Ausserdem werden nicht nur die Schweizer und Spanier unter diesen Rücktritten zu leiden haben, sondern der ganze Tennissport, meint Rosset. «Unser Sport hat nur vier oder fünf grosse Namen. Wir sehen es hier in Basel: Wenn Federer spielt, ist es voll. Wenn er nicht spielt, ist das Stadion halb leer. Deshalb bin ich besorgt, wenn ich über das Karriereende von Federer und Nadal sinniere ... Das Tennis braucht deshalb auch eine neue Generation, die Grand-Slam-Turniere gewinnt, während die ‹Big 4› noch spielen. Sonst werden die Zverevs und Co. keine Glaubwürdigkeit haben.»

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