Ex-Coiffeuse und Single-Mutter: Die erstaunliche Geschichte von Fallon Sherrock 

SB10/dpa

19.12.2019 - 14:39

Erstmals in der Darts-Geschichte holt eine Frau einen Sieg bei der WM in London. Der Erfolg fiel Fallon Sherrock aber keineswegs in den Schoss. 

Fallon Sherrock wischte sich die Tränen aus den Augen und konnte ihr Glück nicht fassen. Nach dem ersten Darts-Triumph einer Frau über einen Mann in der WM-Geschichte stand sie völlig überwältigt auf der grossen Bühne im Alexandra Palace und rang nach Worten. «Ich kann nur ‹wow› sagen. Oh mein Gott! Ich bin einfach froh, was ich für den Darts-Sport erreicht habe», sagte die Engländerin aus Milton Keynes nach dem sensationellen 3:2-Sieg über Landsmann Ted Evetts. Der zeigte in der Niederlage Grösse, umarmte Sherrock zunächst auf der Bühne und später noch einmal hinter den Kulissen.

«Ich bin so stolz auf mich – wie ich gespielt habe. Ich bin überglücklich», meinte sie danach. Im Vorfeld gab es in der von Männern dominierten Darts-Welt ordentlich Kritik, weil sie als eine von zwei Frauen mit einer Wildcard an den Start gehen konnte, welche sie bei einem Damen-Qualifikationsturnier ergatterte.

Historischer Tag für die Frauen

Doch während Suzuki noch haarscharf scheiterte (2:3), machte Sherrock in einem höchst umkämpften Match die Überraschung perfekt. «Ich habe jede Minute genossen», meint die strahlende Siegerin und kündigte an: «Ich werde jede Zeitung kaufen!»

Ihr Erfolg sah die 25-Jährige nicht nur als persönlichen Triumph, sondern widmete ihn allen weiteren Frauen auf der Tour. «Es gibt Spielerinnen, die so spielen können wie ich – oder sogar besser. Wir müssen nur die Chancen haben, uns zu beweisen. Dieser Sieg wird uns helfen. Sie können jetzt nichts mehr sagen, weil wir die Männer besiegt haben».

«Ich habe bewiesen, dass wir nicht nur mit den Männern mitspielen, sondern sie sogar schlagen können!»

Fallon Sherrock

Fallon Sherrock hat mit ihrem Premierensieg nicht nur viele Fans, sondern auch ihren eigenen Sohn Rory stolz gemacht. Die stolze Single-Mutter: «Er war sehr glücklich, dass er mich im Fernsehen gesehen hat. Und er war sehr glücklich, dass ich gewonnen habe», erzählte sie. Der Fünfjährige leidet an Autismus, weshalb sie normalerweise erst abends trainiert, wenn ihr Sohn im Bett liegt. Nun durfte er ausnahmsweise länger aufbleiben, um Mama Fallon live bei der Darts-WM zuzuschauen.

Der Antrieb

Die Geburt ihres Sohnes hat sie wohl auch ihren Erfolgsweg zu verdanken. Kurz danach bekam sie Nieren-Probleme. Aufgrund der Behandlung schwoll ihr Gesicht an, was sie 2017 bei einem Turnier zur Zielscheibe anonymer (männlicher) Trolle machte. «Ich möchte diese Kommentare nicht wiederholen, aber sie waren hart. Sie nannten mich im Grunde ein ‹Grossmaul›. Doch diese Kommentare inspirierten mich, gesund zu werden und allen das Gegenteil zu beweisen.» 

Eine Behandlung liess das Gesicht von Fallon Sherrock anschwellen.
Bild: Getty

Sherrock stammt zwar aus einer dartbegeisterten Familie, aber so richtig begann sie erst als 16-Jährige damit an, weil sie ihrer Zwillingsschwester nacheiferte. «Es tönt blöd, aber ich wollte eigentlich nie spielen», erläutert sie. Doch sie zeigte Talent und sorgte bei den Frauen bald für Furore.

Nun ist die gelernte Friseurin im «Ally Pally» der Publikumsliebling. «Sherrock's on fire» und «We love Fallon»-Rufe sind zu hören, ihr Gegner Evetts wurde unsportlich mit Buhrufen und Pfiffen zugedeckt. 

«Ich kann es wagen zu träumen»

Fallon Sherrock

Für den Erstrundensieg hat sie schon 15'000 Pfund eingestrichen. Und Sherrocks Weg ist mit dem Auftakt-Coup nicht beendet. Schon am Samstagabend ist sie gegen Mensur Suljovic aus Österreich erneut gefordert. Auch gegen die Nummer elf der Welt wird Sherrock klare Aussenseiterin sein. «Ich werde mein Spiel spielen», kündigte sie an. Die bedingungslose Unterstützung des Publikums dürfte ihr erneut sicher sein.

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