Sport trotz Corona: Wrestling ist in den USA «unverzichtbar»

wer

16.4.2020

«The Show must go on» – gerade beim Wrestling trifft der Spruch zu.
Bild: Getty

Rund um den Globus steht der Sport still. In den USA gibt es jetzt aber eine Ausnahme: Die World Wrestling Entertainment Inc. (WWE) hat eine offizielle Bewilligung erhalten, um Live-Sport produzieren zu können. Doch die Sache stinkt zum Himmel.

Kein Football. Kein Basketball. Kein Eishockey. Kein Baseball. Die vier grossen US-Sportarten haben den Betrieb infolge der Corona-Pandemie eingestellt. «Gewrestelt» werden, wie es eingedeutscht heisst, soll hingegen weiterhin – und das mit offizieller Genehmigung. In Florida wurde die Sportart diese Woche als «essential», also «wesentlich» oder eben «unverzichtbar», für die Wirtschaft eingestuft und darf, sofern nicht vor Publikum in einer Arena ausgetragen, in Amerikas Stuben gesendet werden können, wie «ESPN» berichtet:

Was in Anbetracht der sich jagenden Sportabsagen wie ein schlechter Witz klingt, bekräftigt die WWE-Liga gegenüber «ESPN»: «Wir glauben, dass es sehr wichtig ist, Menschen in diesen schweren Zeiten abzulenken. Wir produzieren in einem geschlossenen Bereich, mit einer überschaubaren Anzahl an Personen – wir folgen den Richtlinien und sorgen dafür, dass die Gesundheit an erster Stelle steht. Wir als WWE bringen Familien zusammen und sorgen für Hoffnung und Verlässlichkeit.»

So weit, so gut, denn das mag sogar stimmen – mit Ausnahme der Aussage zur Gesundheit vielleicht. Auch wenn man hierzulande mit dem Sport nicht sehr viel anfangen kann: In den USA ist Wrestling riesig. Und wirtschaftlich durchaus relevant. Aber systemrelevant? Man könnte dasselbe ja auch von anderen Sportarten, Veranstaltungen oder Wirtschaftszweigen behaupten. Aber hier geht es um Wrestling. Nicht um Lebensmittelgeschäfte, Apotheken oder Spitäler. Sondern um Wrestling. Also um solche Sachen etwa:

oder hier ...

... oder da:

Ach ja, Donald Trump mag Wrestling auch, dazu nach diesem Video mehr ...

Jetzt, da wir uns alle vorstellen können, wie «unverzichtbar» Wrestling in den USA sein muss, zurück zu den Vorkommnissen. Denn die sind brisant, nicht zuletzt deshalb, weil dem Entscheid von Florida ein heikler Millionen-Transfer vorausging. 

Laut «Spectrum News 13», einem Nachrichtensender in Florida, soll eine Präsident Donald Trump nahestehende Lobby-Organisation (America First Action PAC) vergangenen Donnerstag, vier Tage vor dem Entscheid der Behörden, 18,5 Millionen Dollar an den Bundesstaat Florida überwiesen haben. Die besagte Organisation wird von Linda McMahon geleitet – der Ehefrau von WWE-Chef Vince McMahon, der, wie im Video oben oder auf dem Bild unten zu sehen ist, gerne mit Donald Trump den dicken Max markiert.

Donald Trump (links) rasiert WWE-Chef Vince McMahon anlässlich «Wrestlemania 23» im Jahr 2007 den Kopf.
Bild: Keystone

Trump und die McMahons sind sich wohlgesinnt, wie die Öffentlichkeit weiss. 2016 gehörten Letztgenannte zu den grössten Geldgebern der Präsidentenkampagne. Linda McMahon wurde nach Trumps erfolgreicher Wahl ins Weisse Haus sogar in dessen Kabinett geholt, welches sie 2019 wieder verliess, um sich als Vorsitzende von America First Action PAC für die diesjährige Präsidentenwahl einzusetzen. Aber wir schweifen ab ... und fassen deshalb zusammen:

Die «Glückskette»

  • Eine Organisation (mit Frau McMahon an der Spitze) spendet einen Millionenbetrag an Florida.
  • Florida gibt grünes Licht, um Wrestling (mit Herrn McMahon an der Spitze), als Live-Sport produzieren zu dürfen.
  • Die WWE generiert ordentlich Abo- und Pay-per-View Einnahmen, nicht zuletzt deshalb, da man quasi konkurrenzlos ist.

Ein schöner Zufall, da gibt es ja nur Gewinner, möchte man meinen. Die Wrestler einmal ausgeklammert, die sich beim Vollkörperkontaktsport letztlich lediglich einem weiteren Risiko aussetzen. Aber wie heisst es so schön bei der WWE: Die Gesundheit steht an erster Stelle.

Zurück zur StartseiteZurück zum Sport