VIP-Behandlung

Facebook lässt Trump-Lager weiter Regeln brechen

dj

2.11.2020

Donald Trump kann sich einer Vorzugsbehandlung auf Facebook sicher sein.
Donald Trump kann sich einer Vorzugsbehandlung auf Facebook sicher sein.

Unterstützer von Donald Trump wurden von Facebook mit Samthandschuhen angefasst und konnten straflos und wiederholt die vom Unternehmen selbst formulierten Richtlinien brechen.

Unterstützer von Donald Trump durften vielfach die Richtlinien von Facebook verletzen und kamen trotz eindeutiger festgeschriebener Sanktionen straffrei davon, wie die «Washington Post» berichtet. Konkret geht es um die Verbreitung falscher Informationen auf Facebook. Die Plattform arbeitet hier mit externen Faktenprüfern zusammen. Sie prüfen Facebook-Posts auf ihren Wahrheitsgehalt und können als strengste Stufe einen Post als «falsche Information» kennzeichnen.

Erhält ein Account oder eine Seite innert 90 Tagen zwei solcher Kennzeichnungen, gelten sie als «Wiederholungstäter». Den Richtlinien zufolge soll es als Bestrafung ihnen dann nicht mehr möglich sein, Werbeanzeigen auf Facebook zu schalten. Ausserdem würde die Verbreitung der von ihnen geteilten Inhalte beschränkt.

Trump jr. entging der «Wiederholungstäter»-Einstufung

Doch nach Recherchen der «Washington Post» bekam America First Action — ein sogenanntes Super-PAC, das sich der Unterstützung von Trump verschrieben hat — innerhalb von 90 Tagen zwei Markierungen, die eine unwahre Nachricht kennzeichnen, und wurde damit zum «Wiederholungstäter». Aber die Gruppe kann weiterhin Werbeanzeigen schalten, ausserdem gibt es keine Hinweise darauf, dass die Verbreitung ihrer Inhalte in irgendeiner Art beschränkt wurde.

Profiteur der Vorzugsbehandlung wurde auch Donald Trump jr., der Sohn des Präsidenten. Er hatte auf Instagram Unwahrheiten verbreitet. Hier wurde Ende letzten Jahres eine Kennzeichnung nachträglich manuell entfernt — nur dadurch wurde er nicht zum «Wiederholungstäter» und konnte ungestört weiter agieren.



Angst vor falschem Vorwurf

Den Quellen der «Washington Post» zufolge hat Facebook so gehandelt, weil die Firma Angst vor dem wiederholt vorgebrachten Vorwurf habe, konservative Nutzer von Facebook zu diskriminieren. Ein Vorwurf, der nachweislich falsch ist. Denn in Wirklichkeit dominieren konservative Inhalte auf Facebook in den USA.

«New York Times»-Kolumnist Kevin Roose veröffentlicht beispielsweise auf einem eigenen Twitter-Account täglich eine Top-10-Liste der populärsten Facebook-Posts in den USA, basierend auf Facebook-eigenen Daten. An quasi allen Tagen dominieren konservative Medien oder Persönlichkeiten die Top-10-Liste, manchmal nehmen sie auch gleich alle Plätze ein.

Ein Grund für diese Dominanz ist sicherlich, dass Facebook-Nutzer tendenziell eher älter und konservativer sind. Aber Facebook hat hier auch nachgeholfen. Erst vergangenen Monat wurde durch einen Bericht des «Wall Street Journals» bekannt, dass Facebook einen Algorithmus für den Newsfeed so anpasste, dass Inhalte von linksliberalen Medien heruntergestuft wurden. CEO Mark Zuckerberg persönlich gab dafür grünes Licht.


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