«Befreit Hongkong!»: eSports-Profi für Polit-Statement ein Jahr gesperrt 

8.10.2019 - 22:23, Martin Abgottspon

Der «Hearthstone»-Spieler blitzchung wird für sein politisches Statement in einem Stream von Blizzard suspendiert.
Bild: Reddit

Der eSportler blitzchung nutzte eine Live-Übertragung für eine politische Botschaft zu den Demonstranten in seiner Heimat Hongkong. Blizzard reagiert mit harten Massnahmen, die jetzt auch einen Boykott mit sich ziehen.

Der «Hearthstone»-Profi blitzchung gehört zu den 48 besten Spielern der Welt. Er ist Grossmeister und hat diese Saison schon über 16'000 Franken an Preisgeldern erspielt. Diesen Betrag wird er nun aber voraussichtlich nie ausbezahlt bekommen.



Damit nicht genug. «Hearthstone»-Betreiber Blizzard hat den jungen Mann aus Hongkong zudem für ein Jahr gesperrt. Grund dafür war ein Interview in einem taiwanesischen Stream nach einem Spiel in der Asia Pacific Division. «Blitzchung» hatte sich eine Gasmaske und Skibrille aufgezogen und «Befreit Hongkong, die Revolution unserer Zeit» gerufen. Die beiden Interviewer versteckten sich unter dem Tisch, ein leises Lachen war zu hören. Dieses ist ihnen inzwischen aber wohl vergangen, denn sie wurden umgehend freigestellt.

Massenproteste in Hongkong halten an

Blizzard begründete die Sanktionen nur knapp, indem sie auf einen Verstoss gegen die offiziellen Regeln für Grossmeister verwiesen. Diese verbieten es den Spielern, öffentliche Aussagen zu tätigen, die dem Sammelkartenspiel und Blizzard schaden könnten.

Das eSports-Portal «Inven» veröffentlichte ein Statement von blitzchung, in dem es heisst: «Mein Aufruf im Stream war eine Art, mich an den Protesten zu beteiligen, von denen ich hoffe, dass sie mehr Aufmerksamkeit bekommen.» Zu den Folgen seiner Äusserungen sagte er: «Ich weiss, was mein Auftritt im Stream bedeutet. Es kann mir viel Ärger einbringen, auch für meine persönliche Sicherheit. Aber ich empfinde es als meine Pflicht, mich zu der Angelegenheit zu äussern.»

Wegen der wachsenden Einflussnahme der chinesischen Regierung und der Angst vor der weiteren Beschneidung der Bürgerrechte gibt es in der chinesischen Sonderverwaltungszone Hongkong seit Monaten Massenproteste. Die frühere britische Kronkolonie wird seit der Rückgabe 1997 an China mit einem eigenen Grundgesetz nach dem Grundsatz «ein Land, zwei Systeme» autonom regiert. Allerdings fürchten die sieben Millionen Hongkonger derzeit um ihre besonderen Rechte, wie Meinungs- und Versammlungsfreiheit.

Spieler organisieren Boykott

Unterdessen hat der Vorfall weltweit den Weg in die Schlagzeilen der Massenmedien gefunden und unter dem Hashtag «BoycottBlizzard» solidarisieren sich auf Twitter tausende von Nutzern mit dem Profi und den Kommentatoren.  

Viele sind der Ansicht, dass blitzchung ein Recht auf Meinungsfreiheit habe, es Blizzard aber augenscheinlich mal wieder nur ums Geld gehe. Aus diesem Grund rufen viele zum Boykott auf und posten Beweisfotos, wie sie mit Blizzard abgeschlossen haben. «Ich habe soeben mein Abo für ‹World of Warcraft› annuliert», schreibt eine Spielerin. «Da unterstütze ich lieber Leute, die proaktiv für ihre Freiheit und die Demokratie einstehen.»

Das sieht Blizzard entschieden anders. Wohl auch, weil das Unternehmen vor sechs Jahren Anteile an das grösste chinesische Internetunternehmen Tencent veräusserte. Auf Twitter wies E-Sport-Szeneexperte Rod Breslau außerdem darauf hin, dass taiwanesische E-Sportler in Blizzard-Titeln bereits seit Jahren nicht unter der taiwanesischen Flagge antreten dürfen. Taiwan wird von China nicht als eigener Staat anerkannt.

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