Die erste grosse Spieleüberraschung in diesem Jahr

Pascal Wengi

5.2.2020 - 09:29

«Na was bist denn du für ein hässliches Kerlchen?» - Das heimische Tierreich in «Journey to the savage planet» bietet allerhand Kurioses.
Bild: 505 Games

Bei der Flut an anstehenden Top-Spielen kann es durchaus passieren, dass die eine oder andere Neuheit etwas zu wenig Aufmerksamkeit erhält. So auch «Journey to the savage planet». Dabei kann es das Spiel durchaus mit den ganz Grossen aufnehmen.

Spätestens seit Elon Musks SpaceX-Programm und seinen Bestrebungen, den Mars zu kolonisieren ist eine privatwirtschaftliche Erkundung des Weltraums keine Science Fiction mehr. Und so könnte es in naher Zukunft durchaus sein, dass neu entdeckte Planeten unter Grossunternehmen aufgeteilt werden, deren Besiedlung ein gewinnbringendes Geschäftsmodell darstellt. Im Survival-Spiel «Journey to the savage planet» ist dies bereits Tatsache. Die Spieler ziehen los als Pionier von Kindred Aerospace, um einen verheissungsvollen Planeten für eine Neubesiedlung zu prüfen.



Doch bei Kindred wird gerne an allen Ecken und Enden gespart und die Crew, samt CEO, der sich gerne per Videobotschaft an seine Mitarbeiter wendet, macht nicht den kompetentesten Eindruck. So kommt es, wie es kommen muss und man startet gleich mit einer Bruchlandung auf dem unbewohnten Planeten. An Waffen oder Werkzeuge hat natürlich niemand gedacht und die engste Vertraute erweist sich schnell als zynische Besserwisserin und ist keine wirkliche Hilfe. Immerhin verfügt das Raumschiff über einen 3D-Drucker, der aus nicht mehr benötigtem Material neue und nützliche Gegenstände fertigen kann. An dieses Material gelangt man hauptsächlich durch das ‹aggressive Erforschen› der lokalen Flora und Fauna. 

Ganz schön schräg

Kugelvögel, Schrei-Echsen oder fliegende Tintenfische dienen aber nicht bloss als Zielscheibe, denn immerhin hat man als Weltraum-Pionier ja einen Forschungsauftrag zu erfüllen. Mithilfe des Scannermoduls und einer Probenlanze lassen sich die hiesigen Lebensformen untersuchen. Durch das Erforschen erhält man Zugang zu Werkzeugen und Verbesserungen. Dabei entsteht eine angenehme Gameplay-Schlaufe, welche zum Weiterspielen motiviert. Erweiterungen, wie zum Beispiel eine Art Elektro-Hacken, der es ermöglicht sich an magnetischen Schienen wie auf einer Achterbahn fortzubewegen, machen dabei besonders Spass und bieten Zugang zu Abkürzungen oder vorher unpassierbaren Arealen.



«Journey to the savage planet » versprüht bei der Erkundung und den Kämpfen stets eine humorvolle und schräge Unbeschwertheit, was der comicartige Grafikstil noch zusätzlich unterstreicht. Begleitet von den stets zynischen Kommentaren der K.I.-Begleiterin entstehen so oft witzige Situationen, die an den schwarzen Humor aus «Rick und Morty» erinnern.

So versperrt zum Beispiel eine Pflanze mit einem riesigen Auge den Weg und pflastert die Gegend mit Artillerieschlägen ein, wenn sie den Spieler entdeckt. Treffer mit der Laserpistole oder pflanzlichen Granaten sind wirkungslos und nur ein gezielter Pieks mit dem Finger ins Auge der Pflanze lässt diese verschwinden. 

Bitte mehr davon

Auch die verschiedenen Werbespots, welche im Raumschiff auf den Bildschirmen ablaufen, sind schräg, witzig und total überzeichnet. Sei es nun eine Werbung für einen schwarzen Nahrungsschleim, der Geschmack und Konsistenz von 30 Gerichten anbietet oder ein etwas spezielleres Urzeitkrebse-Set — Überall haben die Entwickler solche kleinen Scherze oder Eastereggs versteckt. So dass man das Spiel schon fast als Comedy-Survival-Spiel einordnen könnte.

Vom Umfang her bietet das Spiel eher ein kürzeres Vergnügen. Wer hunderte Stunden Erkundung und verschiedene Planeten erwartet, der wird  enttäuscht. Der Spielspass verlängert sich zwar durch die Möglichkeit, das Spiel mit einem Freund gemeinsam zu spielen. Trotzdem wünscht man sich, dass der Spass noch nicht vorbei ist oder die Entwickler mehr Inhalte bereitstellen. Nicht in erster Linie weil das Spiel zu wenig bieten würde oder irgendwas fehlt, sondern weil man sich einfach mehr von diesem Spiel wünscht.

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