Spielestapel und Wutausbrüche: Meine guten Gaming-Vorsätze

Pascal Wengi

13.1.2020 - 11:13

Den nach Jahren angehäuften Spiele-Berg endlich bezwingen.
Bild: The Late Night Session / Getty Images

Alle Jahre wieder setzt man sich gute Vorsätze fürs neue Jahr. Statt der traditionellen leeren Versprechen an sich selbst, packe ich die Gelegenheit, in mich zu gehen und die Messlatte fürs neue Jahrzehnt höher zu setzen.

Auch als Gamer feiert man Silvester und fordert sich beim Jahreswechsel selber mit übermotivierten Neujahrsvorsätzen heraus. Das Jahr 2020 ist ja nicht nur eine ziemlich coole Zahlenkombination, sondern auch der Beginn eines neuen Jahrzehnts und somit Grund genug, die Ziele etwas höher zu stecken. Aus diesem Grund habe ich nicht bloss das letzte Jahr, sondern die komplette letzte Dekade reflektiert und daraus gut gemeinte Vorsätze definiert. Das übliche «mehr Sport» oder andere langweilige Evergreens, welche bereits im Februar wieder vergessen sind, blieben dabei aussen vor.



Weg mit dem Berg

Jeder Gamer hat ihn. Bei einigen ist es ein kleines Häufchen, bei anderen eine imposante Gebirgskette. In meinem Fall würde sogar Reinhold Messner scheitern. Die Rede ist vom sogenannten «Pile of Shame», also der Ansammlung von nicht beendeten Games. Mit der hohen Frequenz, in welche neuen Spiele heute erscheinen, ist es fast unmöglich, jedes spielenswerte neue Game zu 100 Prozent durchzuspielen. Wenn aber die eigene Spielsammlung grösstenteils noch virtuell originalverpackt vor sich hin staubt und die Vorbestellerliste bereits aussieht wie die eines kleinen Versandhauses, dann muss man über die Bücher.

Schon allein das Game-Jahr 2019 bescherte mir einen ansehnlichen Hügel aus Titeln, bei denen ich den Schluss-Abspann nie zu Gesicht bekam. Weitet man den Release-Zeitraum auf die letzten zehn Jahre aus, dann ergibt sich ein riesiges Bergmassiv, durch welches der pflichtbewusste Schweizer sofort einen Tunnel graben würde. Dabei sind es vor allem die grossen Titel wie «The Witcher 3», «Skyrim», «The Last of Us» oder «Red Dead Redemption 2», für die ich mich besonders schäme, nie komplett durchgespielt zu haben.



Das neue Jahrzehnt soll das ändern. Die kurze Verschnaufpause Anfang Jahr bis zu den ersten grossen Releases 2020 nutze ich, um meinen Rückstand etwas aufzuholen. «The Witcher 3» über den Heulkrampf nach der Quest mit dem blutigen Baron hinaus weiterspielen und im Galopp durch «Red Dead Redemption 2» reiten. Danach eisern bleiben bei grossen Sales der Game-Shops und die Sammlung nicht durch unnötige Käufe noch mehr erweitern. Das Sommerloch eignet sich perfekt für einen «Skyrim»-Speedrun und dann schleiche ich mich durch «The Last of Us». Zum Release der neuen Konsolengeneration im Herbst habe ich dann bloss noch einen Hügel an nicht beendeten Games.

Ab in die Eisenliga

Ein weiterer aber nicht minder ambitionierter Vorsatz fürs neue Jahr bietet sich in «League of Legends». Nach dem mentalen Neustart im Spätherbst ist es nun Zeit, die Ranked-Spiele anzugehen, um endlich einen Rang zu erhalten. Der Beginn der heissersehnten Season 10 gilt für mich als Startschuss für meine Odyssee durch die giftigen Sümpfe der niederen Ränge von «League of Legends».

Twitch-Streams und Youtube-Videos aus den Eisen-Rängen haben mir dabei bereits einen Vorgeschmack geliefert, was mich in etwa erwarten wird. In Anbetracht dessen, dass ich mich selber kaum höher einschätze als der unterste Rang, wird dies ein «spannendes» Frühjahr, welches wohl den einen oder anderen Frustmoment mit sich bringt. Nichtsdestotrotz bin ich noch hochmotiviert, dieses Abenteuer zu starten. Ich freue mich auch schon auf die abwertenden Blicke meines Gamer-Bekanntenkreises, wenn ich es nicht aus der niedrigsten Stufe herausschaffen werde.

Es ist nur ein Spiel

Ja, ich gebe es offen zu: Ich habe mein Temperament beim Gamen nicht im Griff. Im echten Leben wirke ich besonnen und man sieht mich selten bis nie wütend. Sobald ich aber vor dem PC oder der Konsole sitze, werde ich zum wilden Berserker. Niederlagen treffen mich wie Ohrfeigen. Nicht diese durchgezogenen, wuchtigen, dumpfen Watschen, sondern die fiesen, stechenden «Kläpper», die einen noch wütender machen. Leider all zu oft fliegen dabei Controller, oder was ich gerade griffbereit habe, durchs Zimmer, so, als ob die Wand Einfluss auf das Spiel nehmen würde, wenn ich sie nur hart genug treffe.

Bei Teamspielen werde ich dann zum fluchenden Besserwisser, wie die unzähligen Hobby-Trainer auf den Sitzplätzen in Fussballstadien. In strategischer Genialität konzentriere ich mich vor allem auf die Fehler meiner Mitspieler, statt auf mein eigenes Spiel, was mich dann noch wütender macht. Oft muss ich dann eine kurze Auszeit nehmen und sitze schnaubend auf dem Balkon und wettere vor mich hin.

Damit muss Schluss sein! Ich bin und werde kein Profi-Gamer. Bei einer Niederlage verliere ich nichts ausser Zeit. Es gibt keine Fans, die mit mir mitleiden und welche ich nicht enttäuschen will. Ganz abgesehen davon, dass ich sonst sehr umgänglich bin und mich selbst so gar nicht wiedererkenne. Im Jahr 2020 werde ich es lockerer nehmen. Doch dann fällt mir ein, dass  ja eben die Rangierungsspiele in «League of Legends» anstehen. Irgendwie scheint «mehr Sport» vielleicht doch der einfachere Vorsatz zu sein.

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