«Need for Speed Heat»: Es geht auch ohne lästige Mikrotransaktionen

21.11.2019 - 16:14, Pascal Wengi

Tuning-Teile ohne Mikrotransaktionen geht also doch.
Bild: Electronic Arts

Die «Need for Speed»-Reihe von Electronic Arts gehört zu den ältesten und beliebtesten Rennspiel-Serien. Nachdem die letzten Titel eher verhalten bei den Fans ankamen, will EA mit «Need for Speed Heat» wieder abliefern. Ob das gelingt?

Electronic Arts hat in den letzten Jahren eher durch seine umstrittenen Ingame-Shops und Lootboxen für Schlagzeilen gesorgt, als durch gute Titel. Deshalb war meine Erwartungshaltung gegenüber dem neuen «Need for Speed»-Titel eher gering. Vor allem in Anbetracht dessen, dass sich ein Arcade-Rennspiel mit Tuning-Möglichkeiten wunderbar anbieten würde für Mikrotransaktionen und Ingame-Shops. Doch das Gegenteil ist der Fall: «Need for Speed Heat» hat keinen Shop für Echtgeld-Einkäufe oder Lootboxen. Jedes Auto, jedes Tuning-Teil und jede optische Anpassung kann durch reines Spielen freigeschaltet werden, genauso wie in den guten alten «Need for Speed Underground»-Tagen. Und das macht auch noch jede Menge Spass.

Gameplay – Wie Tag und Nacht

In «Need for Speed Heat» bewegen wir uns als junger, aufstrebender Hobby-Raser zwischen zwei Welten. Zum einen nehmen wir tagsüber an legalen Rennen teil, welche gesittet auf abgesteckten Kursen stattfinden, samt Zuschauer im Start- und Zielbereich. Nachts geht es dann wilder und vor allem krimineller zu und her, denn da nehmen wir an illegalen Strassenrennen teil. Keine Banden mehr, welche die Strecke vorgeben und keine abgesteckten Kurse. Mit Vollgas durch den Verkehr. Während wir tagsüber nur die konkurrenzierenden Racer gegen uns haben, werden wir nachts zusätzlich von der Polizei gejagt.

Tagsüber erhält man für Siege in den Rennen «nur» Bargeld, welches man für neue Autos oder Teile benötigt. Um neue und vor allem bessere Fahrzeuge freizuschalten, muss man aber seine Reputation erhöhen, also quasi seinen Ruf auf der Strasse. Dies geht nur nachts, denn nur wer an illegalen Rennen teilnimmt, kann seinen Ruf erhöhen.



«Need for Speed Heat» bietet dabei mit dem namensgebenden «Heat»-Level ein spannendes Fortschrittsystem. Je mehr Ruf-Punkte wir durch gewonnene Events einfahren, desto mehr wird die Polizei auf uns aufmerksam und erhöht unser «Heat»-Level. Gleichzeitig dient das «Heat»-Level aber auch als Punkte-Multiplikator. Wer also mehrere Rennen in derselben Nacht gewinnt, erhält viel mehr Punkte, hat aber auch schneller die Polizei am Hals.

Durch die zusätzliche Polizeipräsenz und dem Spiel mit dem Risiko sind die Nacht-Events um einiges spannender als die Tag-Rennen und das klare Highlight des Spiels. Ganz zu schweigen davon, dass die frisch eingebaute blaue Neon-Unterbodenbeleuchtung bei meinem Nissan Skyline nachts bei nasser, spiegelnder Fahrbahn viel cooler aussieht als bei Tag.

Die Polizei lässt sich oft nur schwer abhängen.
Bild: Electronic Arts

Zwar sind die Tuningmöglichkeiten im Bereich des Leistungstunings etwas langweilig beschränkt, lassen aber sehr viel Spielraum für Anpassungsmöglichkeiten. Fast jedes der 132 Autos lässt sich mittels verschiedener Bodykits, Spoilern, Motorhauben, Seitenspiegeln, Endrohren oder Diffusoren anpassen. Selbst der Sound der Auspuffanlage lässt sich mittels Schiebereglern einstellen. Leider funktioniert dies nicht bei jedem Fahrzeug gleich umfangreich. Die meisten Luxus-Karossen haben da etwas beschränktere Optionen und bieten meist nur alternative Felgen und Heck-Spoiler. Das Fahrgefühl ist trotz der sehr arcadelastigen Steuerung gut und die unterschiedlichen Fahrzeugtypen fahren sich auch teils sehr unterschiedlich.

Etwas störend ist die Intelligenz der K.I.-Gegner. Entweder hängt man diese so weit ab, dass man fast das gesamte Rennen alleine für sich fährt oder ein bis zwei Gegner fahren so weit voraus, dass man sie nicht einholen kann. Wirklich spannende Rennen mit einem geschlossenen Feld, das sich gegenseitig jagt und abdrängt, hatte ich selten bis nie. Die Polizei nervt dafür meist einfach nur. Selbst mit den gewagtesten Manövern lässt sich diese kaum mehr abschütteln, fast als sässe Vin Diesel persönlich am Steuer der Sirenen-Wagen.

Grafik

Visuell punktet «Need for Speed Heat» vor allem bei den Wetter-Effekten. Das dynamische Wettersystem wechselt zufällig innert Minuten von Sonnenschein zu Unwetter, was vor allem nachts schon mal die Sicht einschränkt. Dass der Regen korrekt berechnet wird und es für einen kurzen Augenblick nicht aufs Autodach regnet, wenn man unter einer Brücke durchfährt oder im Windschatten eines Gebäudes steht, habe ich selber so noch bei keinem Rennspiel gesehen. Die restliche Grafikleistung des Spiels ist gut, sieht aber nicht so zeitgemäss aus wie beispielsweise bei Titeln der «Forza»-Reihe.

Story

Wie wichtig eine Story bei einem Rennspiel ist, darüber lässt sich streiten. Primär geht es ganz simpel darum, wer als Erster ins Ziel kommt. In «Need for Speed» sind wir als illegaler Raser einer der Guten und die Polizisten, welche die Raser jagen, sind die Bösen. Unser Ziel ist es in die sagenumwobene «League» aufgenommen zu werden, dazu müssen wir aber zuerst einiges an Reputation verdienen und ein paar korrupte Cops überführen. Halt das typische Leben eines Hobby-Rasers. Die Story ist zwar nett, aber an manchen Stellen fast schon peinlich, im Versuch die Raser künstlich als die Guten darzustellen. Es wirkt auch etwas heuchlerisch, wenn die Polizei so dargestellt wurde, als würde sie die Racing-Szene einfach nicht verstehen, die Raser völlig zu Unrecht verfolgen und wir dann zwei Minuten später mit Tempo 300 durch die Innenstadt rasen und mehrere Kollisionen verursachen. Da könnte die Polizei vielleicht doch gute Gründe haben, uns zu verfolgen. Aber wie gesagt: Eine Story ist in einem Rennspiel eh meist überflüssig und das Spiel macht trotzdem Spass.

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