Wie «FIFA»-Spieler gezielt zum Geldausgeben verführt werden

#Von Martin Abgottspon

27.4.2021

In «FIFA» geben Spieler teils hohe Beträge aus, um ihre Traum-Elf zusammenzustellen.
In «FIFA» geben Spieler teils hohe Beträge aus, um ihre Traum-Elf zusammenzustellen.
Electronic Arts

Ein internes Marketing-Dokument zeigt auf, wie «FIFA»-Spieler zur Kasse gebeten werden. Electronic Arts dementiert die Vorwürfe.

#Von Martin Abgottspon

27.4.2021

Die Ausführungen eines offenbar internen Marketing-Dokuments von Electronic Arts sind mehr als eindeutig. In mehrfacher Ausführung ist dabei die Rede, wie «FIFA»-Spieler gezielt an den FUT-Modus rangeführt werden, damit sie dort ihr Geld in Kartenpacks investieren. «FUT ist der Eckpfeiler und wir tun alles dafür, die Spieler dort hinzukriegen», steht da etwa. Auf einer weiteren Zeile wird diese Aussage mit anderen Worten quasi wiederholt: «Alle Strassen führen zu FUT».

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Ein teures Hobby

Das Dokument ist eine Art Evidenz für etwas, das ohnehin jeder vermutet. Schliesslich macht Electronic Arts mit dem FUT-Modus inzwischen Milliarden-Umsätze. Jedes Jahr kaufen sich treue Spieler wieder Kartenpacks und hoffen dabei auf das grosse Los, etwa in Form von Lionel Messi, Cristiano Ronaldo oder Kylian Mbappé.



Mit den gezogenen Spielern baut man sich dann seine Traum-Elf, um sich online mit anderen «FIFA»-Spielern zu messen. Mangelnde Fähigkeiten können bis zu einem gewissen Grad so mit einer guten Mannschaft kompensiert werden. 

Es ist daher keine Seltenheit, dass ambitionierte «FIFA»-Spieler und insbesondere auch Profis jährlich schnell einmal einen vierstelligen Betrag in Kartenpacks stecken, um auf einem Level mit der Konkurrenz zu sein. Dies bestätigten etwa auch der mehrfache  Schweizer Meister Luca «LuBo» Boller und der Weltmeister von 2019, Mohammed «MoAuba» Harkous.

Electronic Arts relativiert alle Aussagen

Electronic Arts hat sich inzwischen zu den Dokumenten geäussert. In einem längeren Statement schreibt das Unternehmen unter anderem: «Wir drängen Spieler nicht zum Geldausgeben in unseren Spielen. Dort, wo wir diese Wahlmöglichkeit bieten, achten wir sehr darauf, dass wir das Ausgeben nicht über das Verdienen im Spiel stellen. Die Mehrheit der 'FIFA'-Spieler gibt nie Geld für Gegenstände im Spiel aus.»



Aus Sicht des Publishers handle es sich bei dem Leak bloss um eine aufgebauschte Story, welche die Fakten missinterpretiert. Viel mehr betont das Unternehmen stattdessen, wie viel Wert man darauf lege, gerade jungen Spielern einen verantwortungsvollen Umgang mit dem Shop nahezubringen.

Die nie endende Glückspiel-Diskussion

Electronic Arts taucht wegen Ingame-Käufen und Lootbox-Thematiken immer wieder in den Schlagzeilen auf. Schon mehrfach musste sich das Unternehmen vor Gerichten wegen der Gambling-Problematik verantworten, wobei man immer wieder betont, dass die Kartenpacks keinen Glückspiel-Effekt beinhalten würden. 



Viel lieber vergleicht man den Kauf von Kartenpackungen mit anderen Sammelkarten-Leidenschaften, wo man auch immer etwas für sein Geld erhält. Oder um es in den Worten von EA Sports Präsident Peter Moore auszudrücken: «Die Leute lieben es einfach. Es ist dieses Gefühl der Ungewissheit und dann ‹Bämm›, zieht man Ronaldo oder Messi. Das ist eine wunderbare Sache. Man bekommt immer etwas. Es ist nicht so, als würde man eine Packung öffnen und es sind keine Spieler drin.»

Einige Gerichte und Jugendschutzprogramme sehen das etwas anders. In Belgien sind Lootboxen bereits verboten. Deutschland prüft ähnliche Schritte und will auch das Mindestalter für Spiele mit Lootboxen anheben. Und so dürfte die Diskussion um die Gambling-Mechaniken in Videospielen noch lange nicht abgeschlossen sein. Für Electronic Arts wird es nach der Veröffentlichung dieser Dokumente aber noch schwerer, dagegen zu argumentieren.

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