Huawei sucht nach Alternativen zu US-Technologie

dj

22.5.2019 - 12:54

Huawei muss nach US-Sanktionen umbauen. Es wird eine schwierige Aufgabe.
Keystone

Nach den US-Sanktionen sucht Huawei nach Alternativen zu Android und Windows. Einfach wird das nicht.

Trotz kurzzeitigen und eingeschränkten Aufschub wird es jetzt ernst für Huawei. Es muss sich darauf einstellen, keinerlei Zugang zu Technologie von US-Unternehmen mehr zu haben. Bei der Software betrifft das vor allem Android und Windows, essentiell für das Smartphone- beziehungsweise Laptop-Geschäft der Chinesen im Westen.

Bereits vor Verkündung der Sanktionen bereitete sich Huawei auf diese Eventualität vor, nun müssen die Notpläne in die Tat umgesetzt werden. Abraham Liu, Huaweis Vertreter bei der EU, sagte, eine Alternative würde sich «ganz natürlich» ergeben, entweder von Huawei selbst oder von Dritten. Wie genau eine Alternative aussehen wird und wann sie bereit ist, ist allerdings noch ziemlich unklar.

Huawei kann Android teilweise weiternutzen

Grosse Teile von Android stehen unter einer Open Source-Lizenz, Google kann Huawei deren Nutzung gar nicht verbieten. Wichtige Bestandteile, insbesondere Komponenten für die Nutzung des Play Store, bedürfen allerdings einer Lizenz von Google, die Huawei nun nicht mehr bekommen kann.

Das Problem ist nicht zwangsläufig, Alternativen zu Kern-Android oder selbst den Google-Apps zu erschaffen. Huawei dürfte sicherlich in Lage sein, auf der frei verfügbaren Android-Basis ein funktionales Betriebssystem mit ordentlichen E-Mail- oder Karten-Apps als Ersatz für Gmail und Google Maps zu entwickeln. Das Problem liegt im gesamten Ökosystem an Android-Apps, von dem Huawei-Geräte ohne den Play Store abgeschnitten wären.

Populäre Apps nicht nutzbar

Bei einem Huawei-Betriebssystem mit Android-Fundament wäre es zwar technisch relativ simpel, bestehende Android-Apps für dieses anpassen. Doch wer könnte das machen? Denn es würde US-Firmen durch die Sanktionen wohl kaum erlaubt sein, ihre Apps für einen eventuellen Huawei App Store zur Verfügung stellen.

Huawei-Nutzer müssten also auf populäre Apps wie WhatsApp, Instagram und Snapchat oder Spiele wie «Fortnite» und «Minecraft» verzichten — kaum vorstellbar, dass das für viele potenzielle Kunden tolerabel wäre. In Europa und anderen westliche Ländern wären Huawei-Smartphones also mit ziemlicher Sicherheit unverkäuflich.

Was passiert mit Windows?

Microsoft hat Huawei-Laptops derweil aus seinem Online Shop entfernt, hüllt sich aber sonst in Schweigen. Aber zweifellos wird sich das Unternehmen wie Google an die Sanktionen halten müssen und wird Huawei keine Windows 10-Lizenzen mehr verkaufen dürfen. Huawei könnte dann seine Laptops mit Linux oder einer weiteren Eigenentwicklung ausliefern — beides dürfte allerdings, siehe oben, wenig attraktiv für Durchschnittsnutzer sein. Dennoch ist die Situation beim Laptop-Geschäft für Huawei nicht zwangsläufig so katastrophal wie die Android-Blockade.

Huawei Matebooks werden bald wohl nicht mehr mit Windows 10 ausgeliefert werden.
Microsoft

Denn nichts sollte westliche Besitzer eines Huawei-Laptops davon abhalten können, einfach eine Windows 10-Lizenz zu kaufen und das Betriebssystem selbst zu installieren. Und da Updates von Windows 10 anders als bei Android ohne Involvierung von Huawei direkt von Microsoft auf die Rechner der Endkonsumenten verteilt werden, sollte auch hier kein Problem bestehen.

Huawei müsste aber seine Preise entsprechend nach unten anpassen, um die Extrakosten der Kunden abzufangen. Eine Windows 10 Home-Lizenz kostet in der Schweiz derzeit 160 Franken. Etwa um diese Summe müssten Huawei-Laptops ohne vorinstalliertes Windows wohl heruntergesetzt werden, um weiterhin attraktiv zu bleiben. Und 160 Franken sind vermutlich erheblich mehr, als Huawei als Grosskunde derzeit für eine Lizenz an Microsoft entrichten muss. Huaweis Gewinnmarge würde also schrumpfen.

In den USA dürfte Huawei aber selbst solche abgespeckten Geräte wohl bald gar nicht mehr verkaufen können. Im Gegensatz zu Smartphones waren seine Laptops dort bis vor kurzen noch weithin erhältlich. Doch neben Microsoft räumt auch die Elektromarktkette Best Buy Huawei-Laptops aus den Regalen, weitere US-Händler dürften folgen. Zu gross ist bei ihnen die Angst, gegen die Sanktionen zu verstossen und dadurch Strafen zu risikieren.

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