19 Jahre später

Mars-Sonde bekommt Update von Windows 98

Von Dirk Jacquemien

2.7.2022

Mars Express setzte auf Windows 98.
Mars Express setzte wie viele Privatnutzer*innen auf Microsofts Windows 98: Bill Gates bei der Präsentation des damals neuen Betriebssystems im Jahr 2003.
Keystone

Fast 20 Jahre lang leistete Windows 98 dem Mars Express treue Dienste. Doch nun ist es Zeit für ein Update der europäischen Mars-Sonde.

Von Dirk Jacquemien

2.7.2022

Die Einführung von Windows 98 verlief nicht ohne Probleme. Als der damals noch als Microsoft-CEO fungierende Bill Gates das Betriebssystem auf der Bühne einer Computer-Konferenz live vorstellte, erschien der berühmt-berüchtige «Blue Screen of Death» vor dem erheiterten Publikum.

Nichtsdestotrotz wurde Windows 98 zu einem riesigen Erfolg und sorgte mit dafür, dass PCs nun zur Ausstattung eines Durchschnittshaushalts gehörten. Doch nicht nur Computer-Einsteiger vertrauten auf Windows 98, sondern auch die Profis der europäische Raumfahrtagentur ESA, die mit dessen Hilfe ihre Sonde Mars Express mit der nötigen Software ausstatte.

Auf der Erde stellte Microsoft 2006 die Unterstützung für Windows 98 ein, doch 70 Millionen Kilometer entfernt leistete das Betriebssystem weiterhin treue Dienste in der Mars-Umlaufbahn. Nun, 19 Jahre nach dem Start, ist allerdings auch bei Mars Express Zeit für ein Update, dachte sich die ESA.

Mars Explorer schaut nach Wasser

Das wichtigste Instrument von Mars Express nennt sich Marsis, kurz für «Mars Advanced Radar for Subsurface and Ionosphere Sounding». Es ist ein Radarsystem, mit dem unter anderem unterirdische Wasservorkommen identifiziert werden sollen.

2018 entdeckte MARSIS einen unterirdischen See unter dem Südpol des Mars – es war das erste Mal, dass Wasser in flüssiger Form auf dem roten Planeten nachgewiesen wurde.

Mars Express kreist seit 2003 um den roten Planeten und entdeckte unterirdische Seen.
Mars Express kreist seit 2003 um den roten Planeten und entdeckte unterirdische Seen.
Illustration: ESA

Fünf mal besser als zuvor

Marsis wird von einer speziellen Software angetrieben, die auf einer Umgebung für Windows 98 entwickelt wurde. Das stellte die ESA-Mitarbeiter*innen heute vor Herausforderungen, denn um ein Update zu programmieren, mussten sie eben jene Softwareumgebung für Windows 98 nutzen. Dafür musste Windows 98 erst in einer virtuellen Umgebung rekreiert werden.

Mit der neuen Software kann Marsis aber nun so effektiv wie nie zuvor arbeiten. Das Update sorgt vor allem für Verbesserungen bei der Funkverbindung zur Erde und der Datenspeicherung. Die Forscher*innen schätzen, dass Marsis nun in der Lage sein wird, fünf mal mehr Daten zu sammeln und an die Erde zu schicken als bisher.