Samsung erneut beim Schummeln ertappt

Henning Steier

5.12.2018

Fotografin Dunja Djudjic hat Samsung bei irreführender Werbung fürs Galaxy A8 Star erwischt.
Bild: PD

Erneut steht der südkoreanische Hersteller wegen irreführender Werbung für Kamerafunktionen eines Smartphones am Pranger. Das Mogeln hat in der Branche eine lange Tradition.

Die Fotografin Dunja Djudjic hat ein von ihr aufgenommenes Porträtfoto auf einer Website von Samsung entdeckt. Das Unternehmen bewirbt damit die Kamerafunktionen des Galaxy A8 Star. Wie Djudjic in einem Blogeintrag schreibt, hat sie das Bild mit einer digitalen Spiegelreflexkamera aufgenommen. Auf der Website wird allerdings der Eindruck erweckt, das Foto sei mit jenem Smartphone geschossen worden.

Wie Dunja Djudjic ausführt, ist das Bild zwar stark bearbeitet worden, das Original ist aber weiterhin klar zu erkennen, obgleich die Porträtierte per Bildbearbeitung in einen Park versetzt wurde. Djudjic hat Nachforschungen angestellt: Demnach ist das Foto offiziell über die Datenabank EyeEm verkauft worden, in der sie Bilder anbietet. 

Anderswo im Netz ist Djudjic Foto ihren Angaben zufolge bisher nicht verwendet worden. Ihre Anfragen bei EyeEm und der Bilddatenbank Getty, das auch Fotos von EyeEm verkauft, blieben unbeantwortet. Sie hatte dort nachgehakt, ob Samsung das Bild gekauft hat. Die Südkoreaner kommentierten den Fall bisher nicht. 

Für Samsung sind es nicht die ersten Schlagzeilen dieser Art. Im August entpuppte sich das Selfie eines glücklichen Werbe-Pärchens – offenbar aufgenommen mit einem Galaxy A8 – als Archivaufnahme aus dem Online-Bilderdienst «Getty Images». Der Betrug flog auf Twitter auf, woraufhin Samsung Brasilien die Werbung wieder vom Netz nahm.

Sony Mobile suggerierte 2015, man könnte mit den Xperia-Smartphones problemlos unter Wasser Fotos schiessen – und nahm dieses Versprechen ein paar Wochen später zurück. Auch Huawei scheint es mit der Wahrheit nicht immer so genau zu nehmen: Nachdem der chinesische Handyhersteller 2015 erwischt wurde, wie er bei Werbefotos für sein damaliges P8 Max kurzerhand die Bildschirmränder wegretouchierte, sorgte ebenfalls im August eine Werbung des Unternehmens für Aufruhr im Internet.

Konkret ging es diesmal um die Werbeaufnahmen für das Mittelklasse-Modell «Huawei Nova 3». In einem offiziellen Werbevideo auf YouTube und den dazugehörigen Fotoaufnahmen wird suggeriert, dass die Selfie-Aufnahmefunktion des Nova 3 bei einem ägyptischen Pärchen erstaunliche Ergebnisse liefert. Huawei war bereits beim Smartphone P9 beim Schummeln ertappt worden. Negatives Vorbild für all die Fälle ist Nokia: 2012 priesen die Finnen ihre «PureView»-Kamera an und mussten später zugeben, dass die Werbeaufnahmen nicht mit dem gezeigten Gerät, einem Nokia 920, aufgenommen worden waren.

Subtile Hinweise

Man muss allerdings erwähnen, dass die genannten Handyhersteller durchaus häufig während der Werbung darauf aufmerksam machen, dass die gezeigten Bilder nicht von den vorgestellten Geräten stammen, sondern «mit Hilfe zusätzlicher Hardware» (Apple) aufgenommen wurden.

Samsung-Website: Kleiner Hinweis unter dem Bild.
Screenshot: PD

Auch Huawei macht im erwähnten Videoclip deutlich, dass es zwischen gezeigten Resultaten und der Realität einen Unterschied geben kann. Man kann den Hinweis aber schlecht lesen – und viele Nutzer nehmen bekanntlich solche Disclaimer nicht wahr.

Zudem wird auf Websites wie der eingangs erwähnten grossformatig suggeriert, dass die Bilder mit der Kamera des entsprechenden Smartphones geschossen worden sind. Die Frage ist, welcher Leser den sehr kleinen Hinweis «image simulated für demo purpose» überhaupt in Gänze versteht – zumal sich der kleine Stern nicht eindeutig dem Foto zuordnen lässt.

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