Taliban beschweren sich über Zensur, Trump Jr. springt ihnen bei

Von Dirk Jacquemien

18.8.2021

Taliban-Pressesprecher Zabihullah Mujahid ist kein Facebook-Fan.
Taliban-Pressesprecher Zabihullah Mujahid ist kein Facebook-Fan.
Keystone

Nachdem Facebook-Tochter WhatsApp Konten der Taliban gesperrt hat, beschweren sich die neuen Herrscher in Afghanistan über Zensur. Beistand bekommen sie von Donald Trumps Sohn.

Von Dirk Jacquemien

18.8.2021

Ihre erste Medienkonferenz als die neuen Herrscher in Kabul haben die Taliban genutzt, um sich über vermeintliche Zensur durch Facebook zu beschweren. Taliban-Sprecher Zabihullah Mujahid – den bisherigen Regierungssprecher hatten die Taliban am Freitag erschossen – zeigte sich dafür zum ersten Mal seit knapp zwei Jahrzehnten in der Öffentlichkeit.

Auf die Frage eines Reporters, ob im wiedererrichteten «Islamischen Emirat Afghanistan» denn die Meinungsfreiheit respektiert werde, entgegnete Mujahid, dass diese Frage doch eher Facebook gestellt werden sollte, das «von sich behauptet, Fürsprecher der Meinungsfreiheit zu sein». Mujahid bezog sich auf die Tatsache, dass Taliban-Konten bei Facebook und den Töchtern Instagram und WhatsApp gesperrt wurden.

Taliban-Hilfe über WhatsApp?

Vor allem WhatsApp war und ist ein elementarer Teil des Machtapparats der Taliban. Bereits seit längerem betrieben die Taliban in den Regionen, die sie kontrollieren, WhatsApp-Gruppen und -Hotlines. Laut den Taliban seien diese als «Helpline» gedacht. Bürgerinnen und Bürger (vermutlich eher letztere) könnten sich an diese wenden, wenn sie etwa von Kriminellen bedroht werden.

Auch in Kabul hatten die Taliban nach ihrer Übernahme eine solche «WhatsApp-Helpline» etabliert. Hier sollten Plünderungen gemeldet werden, gegen die Hilfe versprochen wurde. Facebook sperrte den dazugehörigen WhatsApp-Account gestern und beruf sich dabei auf US-Sanktionen gegen die Taliban, denen es zu folgen habe, meldet die «Financial Times».



Umgang mit Taliban kompliziert

Wie mit den Taliban nun auf Social Media umgegangen wird, ist eine komplizierte Angelegenheit. Facebook sagt, Taliban-Accounts auf seinen Plattformen würden konsequent gesperrt. Da WhatsApp allerdings Ende-zu-Ende-verschlüsselt ist, ist die Erkennung solcher Accounts nicht einfach. YouTube will die Taliban ebenfalls voll verbannen. Twitter will Konten nur sperren, wenn sie gegen die Regeln verstossen und etwa Drohungen und Gewaltinhalte verbreiten.

Menschenrechtsaktivist*innen sind gespalten ob des richtigen Vorgehens. Jetzt wo die Taliban die de-facto-Regierung in Afghanistan darstellen, sei es nicht unbedingt hilfreich, die Kommunikation der Bevölkerung mit den neuen Machthabern zu unterbinden. Eine amerikanisch-afghanische Frauenrechtlerin sagte laut «Financial Times», die Taliban-Helpline habe tatsächlich nach einer Plünderung geholfen.

Trump Jr. steht an der Seite der Taliban

Ganz auf die Seite der Taliban geschlagen hat sich aber offenbar Donald Trump Jr., der Sohn des gleichnamigen Ex-US-Präsidenten. «LOL, er hat nicht unrecht» kommentierte Don Jr. auf Twitter die Medienkonferenz Mujahids:

Es ist nicht das erste Mal, dass sich Trump-Anhänger und radikale Islamisten auf derselben Seite wiederfinden. Nachdem ein Trump-Berater ein eigenes soziales Netzwerk für Fans des abgewählten Präsidenten aufbaute, wurde es von Anhängern des «Islamischen Staates» überrannt.