Erotik-Thriller sorgt für erhitzte Gemüter – Netflix hat Ärger

Carlotta Henggeler

24.6.2020 - 08:17

Mafiaboss Massimo will mit allen Mitteln Touristin Laura erobern.
Netflix

«365 Days» ist auf die Nummer eins der meistgeschauten Netflix-Filme der Schweiz geschossen. Dem Softsexstreifen droht jetzt aber Ungemach. 

Die Geschichte hinter «365 Days» ist schnell erzählt: Der sixpackbewaffnete Mafia-Unternehmer Massimo (Michele Morrone) verguckt sich heftigst in die attraktive polnische Touristin Laura (Anna Maria Sieklucka) und lässt sie entführen.

365 Tage lässt Massimo seiner angebeteten Laura Zeit, um auch bei ihr das (Erotik-)Feuer zu entfachen. Dabei geht er nicht gerade zimperlich um, ist er eine sizilianische Version von Christian Grey aus dem Kinohit «50 Shades of Grey».

Was nach einer leichten Sex-Schmonzette klingt und auch ist, hat dem Streaminganbieter Netflix gleich mehrfach Ärger eingebrockt.

Die vielen Sexszenen sind der britischen Studentenorganisation «Pro Empower» in den falschen Hals gelangt. In einem dreiseitigen Brief, der auf Twitter veröffentlicht wurde, findet «Pro Empower» verschiedene Szenen im Hinblick auf Vergewaltigung oder Missbrauch problematisch. 

In den ersten 15 Minuten des polnischen Netflix-Streifens «365 Days» ist Bad Boy Massimo beim heftigen Oralsex mit einer Flight Attendant zu sehen. Dabei ist nicht ganz klar, ob es 100 % einvernehmlich ist. «Pro Empoweer» stellt noch weitere pikanten Szenen an den Pranger, die Gewalt verharmlosen würden.

«Idealerweise müsste der Film komplett von der Plattform verschwinden, aber leider sind wir uns darüber im Klaren, dass dies ein unrealistisches Szenario ist», schreibt die gegen Gewalt gerichtete Organisation weiter.

Der Film normalisiere so viele Dinge, gegen die Aktivistinnen, Feministinnen und Pädagoginnen in Bezug auf die Filmindustrie kämpfen. «Die Romantisierung dieser Probleme und Formen von Missbrauch innerhalb dieser Erzählung fühlen sich an wie ein riesiger Rückschritt, was uns als Organisation zutiefst traurig stimmt», konstatiert die britische Organisation weiter. 

Netflix hat sich zu den happigen Vorwürfen noch nicht geäussert. Trotz oder gerade wegen der Polemik: «365 Days» Teil zwei und drei scheinen mehr als wahrscheinlich. Denn der polarisierende Softerotik-Thriller basiert auf der Trilogie der polnischen Autorin Blanka Lipinksa. 

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