Hollywood im Koma: Drehstopps und Milliardenverluste

dpa/tsha

14.3.2020 - 15:34

Szene aus «Contagion»: Das Coronavirus hat Teile Hollywoods lahmgelegt.
Bild: Warner

Im Katastrophenkino ist die Bedrohung der Menschheit durch Seuchen ein beliebtes Szenario. Doch nun stellt die Corona-Pandemie die Welt auf den Kopf - und macht Hollywood Angst. Der Filmbetrieb liegt lahm.

Ein tödliches Virus aus Asien breitet sich explosionsartig weltweit aus. Staaten erlassen strikte Quarantäne-Regel, Strassen und Geschäfte sind menschenleer. Die mysteriöse Pandemie mit Grippe-Symptomen reisst immer mehr Opfer in den Tod. MEV-1 heisst das Virus, das in dem Hollywood-Thriller «Contagion» zur globalen Bedrohung wird. Vor neun Jahren brachte US-Regisseur Steven Soderbergh den Katastrophenfilm mit Stars wie Matt Damon, Laurence Fishburne, Gwyneth Paltrow, Kate Winslet und Marion Cotillard ins Kino.

Durch die Coronavirus-Krise ist der sachlich inszenierte Thriller plötzlich bei Streaming-Diensten wieder stark gefragt. Was 2011 noch packende Unterhaltung war, hat nun einen bitteren Beigeschmack. Die Covid-19-Pandemie mit rapide steigender Zahl von Infizierten und Toten zeigt immer mehr Parallelen mit Katastrophenszenarien «Made in Hollywood». Und das Coronavirus lehrt die Entertainment-Branche jetzt das Fürchten.

Tom Hanks und seine Frau  mit Coronavirus infiziert

Tom Hanks und seine Frau mit Coronavirus infiziert

Der US-Schauspieler Tom Hanks und seine Ehefrau haben sich mit dem neuartigen Coronavirus infiziert. Wie der 63-Jährige am Mittwoch in einer Botschaft in den Onlinenetzwerken mitteilte, wird das Ehepaar nun vorerst in Quarantäne bleiben.

12.03.2020

Ausgerechnet Hollywood-Liebling Tom Hanks und seine Ehefrau Rita Wilson überraschten als erstes Promi-Paar mit der Nachricht, dass sie beide mit Sars-CoV-2 infiziert sind. Der Unterhaltungsbetrieb liegt quasi lahm. Film- und TV-Produktionen werden gestoppt, Kinostarts weltweit abgesagt, Messen und Festivals gecancelt. Branchenexperten rechnen mit Kinokasseneinbussen von bis zu 20 Milliarden Dollar in diesem Jahr, wenn sich der Stillstand über mehrere Monate hinzieht.

Drehstopp für Tom Cruise

Der erste Einbruch kam schon im Januar mit der Schliessung der Kinos in China, dem Ursprungsland des neuartigen Virus, zugleich der zweitgrösste Kinomarkt nach USA und Kanada. Im Februar dann das vorläufige Aus für Tom Cruise und «Mission: Impossible 7». Drei Wochen lang wollte Regisseur Christopher McQuarrie in Italien drehen, wo schon das Virus grassierte.

Es geht Schlag auf Schlag weiter: Anfang März wird der Start des neuen James-Bond-Films «No Time to Die» um sieben Monate auf November verschoben - «nach sorgfältiger Überlegung und gründlicher Bewertung des weltweiten Kinomarktes», so die nüchterne Begründung. Wegen des Coronavirus war zuvor schon die gesamte Werbetour in China abgesagt worden.

Immer mehr Blockbuster verschoben

In den letzten Tagen trifft es weitere Blockbuster: «Fast & Furious 9», «The New Mutants», «Mulan», «Peter Hase 2», «A Quiet Place 2». Fans müssen sich nun länger gedulden, bis diese Filme ins Kino kommen. John Krasinski, Regisseur des Horrorfilms «A Quiet Place 2», kommentierte den Aufschub auf Twitter. Seinen Film sollte man zusammen mit anderen Leuten im Kino erleben. «Jetzt ist offensichtlich nicht die richtige Zeit dafür.» Nach China, Italien und Polen machen auch in anderen Ländern immer mehr Lichtspielhäuser dicht.

In den USA bleiben die meisten Kinos vorerst noch geöffnet, doch sie geben nur die Hälfte der Tickets aus, um mehr Platz und damit mehr Abstand zwischen den Besuchern zu schaffen. Die Hollywoodstudios setzen die Empfehlung «Social Distancing», also auf Distanz zueinander gehen, um Ansteckungen zu vermeiden, radikal um.

Das Disney-Studio gab am Freitag einen massiven Drehstopp bekannt, Begegnungen am Set werden damit vermieden. Betroffen sind unter anderem Grossprojekte wie «The Little Mermaid», Guillermo del Toros «Nightmare Alley» und Ridley Scotts Historiendrama «The Last Duel» mit Matt Damon und Ben Affleck. Der Streaming-Dienst Netflix will vorsichtshalber mindestens für zwei Wochen die Produktion von Filmen und TV-Shows in den USA und Kanada einstellen.



Der positive Coronavirus-Test bei Tom Hanks hatte am Set in Australien zum sofortigen Abbruch der neuen Produktion von Regisseur Baz Luhrmann geführt. Das Biopic vom Studio Warner Bros. ist eine noch titellose Filmbiografie über die Rock'n'Roll-Legende Elvis Presley, in der Hanks dessen Manager Colonel Tom Parker spielt. Der zweifache Oscar-Preisträger und seine Frau hatten die Diagnose am Donnerstag in den sozialen Medien bekannt gegeben. Sie seien nun in Quarantäne und würden «jeden Tag nehmen, wie er kommt», gab Hanks betont locker von sich.

20 Milliarden Dollar Verlust?

Branchenexperten in Hollywood geben unterdessen eine düstere Prognose. Sie rechnen schon die möglichen Milliardenverluste durch die Corona-Krise hoch. 20 Milliarden Dollar könnten allein an den Kinokassen in diesem Jahr fehlen, vor allem, wenn die lukrativen ausländischen Märkte einbrechen, berichtete am Freitag das Filmblatt «Hollywood Reporter». 2019 flossen weltweit noch mehr als 42 Milliarden Dollar in Hollywoods Kassen.

Abgesagt ist auch schon die jährliche Fachmesse CinemaCon, bei der die Filmtheaterbranche Ende März in Las Vegas die neuesten Hollywoodprojekte vorstellen wollte. Auch die renommierten Filmfestivals Tribeca in New York und das Internationale Film Festival in San Francisco (beide für April geplant) sind abgesagt geworden. Das sind schlechte Vorboten für Cannes, wo die 73. Filmfestspiele Mitte Mai (noch) auf dem Plan stehen. Eine Absage würde die schon kränkelnde internationale Branche schwer treffen.

Das sind die Kino-Highlights im März

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