Carlos Leal ergattert Traumrolle: Sein grosser Durchbruch in Hollywood?

von Marlène von Arx aus Hollywood

16.8.2018

Grosser Coup für Carlos Leal: Der Romand dreht einen Polit-Thriller an der Seite von Anne Hathaway, Ben Affleck und Willem Dafoe. Die oscar-nominierte Filmemacherin Dee Rees führt Regie. Was das für ihn und seine Familie bedeutet, verrät unser Mann in Hollywood im Interview.

«Bluewin»: Herzliche Gratulation, jetzt sind Sie in einem Hollywood-Film mit grossen Stars. Das haben Sie sich doch immer gewünscht!

Carlos Leal: Ja, das war schon ein Ziel. Ich habe in Los Angeles immer als Schauspieler arbeiten können - vor allem im Fernsehen. Zuletzt hatte ich eine Gastrolle in «Better Call Saul» [Spin-off-Serie von «Breaking Bad», Anm. d. Red.]. Ich bin ziemlich stolz, was ich in siebeneinhalb Jahren in Los Angeles erreicht habe. Aber ganz zufrieden war ich nicht. Es ist sehr schwierig, in die Arthouse-Film-Industrie in Hollywood reinzukommen. Ich habe zwar ein paar Indie-Filme gemacht wie «Spaceman» mit Josh Duhamel, aber «The Last Thing He Wanted» ist nun schon etwas anderes: Es ist ein seriöses Drama, und es sind Leute dabei, die für Oscars nominiert waren oder sogar welche gewonnen haben und mehr als nur Unterhaltung machen wollen, sondern auch etwas mit politischem und sozialem Inhalt.

Was können Sie über «The Last Thing He Wanted» sagen?

Leider nicht viel. Es ist ein Drama, das auf einem Roman von Joan Didion basiert. Es spielt in den 80er-Jahren. Anne Hathaway verkörpert eine ehemalige Reporterin, die plötzlich in eine verrückte Geschichte verwickelt und während der Iran-Contra-Affäre zur Waffenhändlerin wird. Ich spiele eine mysteriöse Schattenfigur, die immer da auftaucht, wo etwas Schlimmes passiert. Mehr als das kann ich nicht verraten.

Die Regisseurin Dee Rees war dieses Jahr für ihr Drehbuch zu «Mudbound» für einen Oscar nominiert…

Ja, sie ist sehr talentiert. Ich kann mich sehr gut an ihren ersten Film erinnern. Es ging um ein junges Mädchen, das ihr Coming-out als Lesbe hatte. Ich liebte den Film, aber ich wusste nichts über die Filmemacherin und hatte bis «Mudbound» auch nichts mehr von ihr gehört. Ich bin ein grosser Fan von Terrence Malick und Dee Rees’ Arbeit erinnerte mich an seine Filme. Da steckt viel Nachdenklichkeit darin. Diese Frau ist sehr klug und weiss genau, was sie will.

Wie gross ist Ihre Rolle?

Schwer zu sagen. Im Buch ist es eine sehr wichtige, aber mysteriöse Figur, die man nicht oft sieht. Aber ich habe Szenen mit Anne Hathaway, mit Ben Affleck und mit Willem Dafoe. Es ist sicher eine Schlüsselrolle, und ich war auch sechs Wochen auf dem Set in Puerto Rico und in Miami. Ich kannte Puerto Rico am Schluss ziemlich gut, denn ich drehte ja nicht jeden Tag. Meine Familie kam auch zu Besuch. Mein Sohn war sehr begeistert, Anne Hathaway zu treffen. Sie ist eine tolle Schauspielerin und für ihn vor allem Catwoman.

Mit diesen Hollywood-Grössen drehte Carlos Leal (v.l.): Ben Affleck, Anne Hathaway und Willem Dafoe. 
Keystone

Wie ging das Drehen mit den Stars?

Diese Welt der Stars beeindruckt mich nicht sonderlich. Aber weil mein Ziel Arthouse-Filme mit einer Message und mit echtem Inhalt sind, bin ich wirklich sehr froh, dass diese Leute das Gleiche suchen. Natürlich macht Anne Hathaway auch Blockbuster-Filme, aber man sollte mal sehen, wie involviert sie bei diesem Film war. Sie ist jeden Tag auf dem Set. Es ist ein sehr schwieriger Film für sie, und sie gibt wirklich 100 Prozent. Dass auch Stars die Welt und Perspektiven ändern wollen, ist ermutigend.

Und Ben Affleck?

Das Gleiche gilt für ihn. Ich habe mit ihm ein bisschen geplaudert. Ich mag ihn als Schauspieler, aber ich bewundere ihn wirklich als Regisseur. Jeder seiner Filme hat mich beeindruckt. Er ist sehr clever, und ich hoffe er macht mehr Filme.

Ist das Klima auf Hollywood-Sets anders als in Europa?

Filmsets in den USA sind hochprofessionell. Alles dreht sich um die Arbeit. In Europa ist das etwas anders. Auch bei grossen Filmen entstehen dort persönliche Verbindungen, es ist mehr wie eine Familie, die zusammen einen Film erarbeitet. Hier ist das weniger so.

Sie sagen, es ist schwer, in diese Art Film zu kommen. Wie haben Sie es letztlich geschafft?

So wie es alle anderen auch machen: Ich habe ein Video aufgenommen für dieses Casting - ich war mit einem Freund aus Paris gerade in Costa Rica. Ich wusste nicht, wer bei diesem Projekt involviert war. Ich hatte gerade eine schlechte Nachricht bekommen: eine neue TV-Serie, zu der ich im November die Pilot-Episode gedreht hatte, ging nun doch nicht in Produktion. Ich wäre der Haupt-Bösewicht gewesen. Ich fragte mich gerade, wieso ich das alles noch mache. Und dann kam dieses Casting, über das ich nichts wusste. Ich hatte eigentlich keine grosse Lust, einen Video einzuschicken.

Trotzdem schickten Sie ein Casting-Video ein?

Ja, mein Freund konnte kein Englisch, so hat mir meine Frau via Skype geholfen. Die Video-Qualität war nicht gerade hochstehend, aber es klappte. Zwei Tage später rief mich mein Agent an, dass die Regisseurin meine Performance so gut fand, dass sie mir eine grössere Rolle geben wolle und dass es sich übrigens um Dee Rees handelte, die Regisseurin von «Mudbound», und dass Anne Hathaway die Hauptrolle spiele.

Was glauben Sie, wird dieser Film für Ihre weitere Karriere bedeuten?

Der Film ist ein nächster Schritt in meiner Karriere, aber ich kenne die Regeln hier: Glück ist immer noch ein grosser Faktor in dieser Industrie. Ich bin weder pessimistisch noch optimistisch, ich bin realistisch. Meine Karriere ist bisher recht gut verlaufen, aber ich will noch mehr erreichen. Das ist Teil meiner Natur. Dieser Film bedeutet viel, aber nicht, dass es keine Zweifel mehr gibt.

Was tun Sie gegen Zweifel?

Die grösste Droge in diesem Job ist die Hoffnung. Ich war enttäuscht, weil es mit der TV-Serie nicht klappte, aber sie verschaffte mir Barry McPherson als Agenten. Er ist der Agent von Gary Oldman. Also ist wieder Hoffnung da. Am nächsten Tag geht man an ein Casting. Die Hoffnung steht wieder an der Tür. Man muss aufpassen, denn dieses Auf und Ab im Herzen und im Kopf kann ungesund sein. Man muss ein Gleichgewicht finden.

Sie haben auch immer wieder daran gedacht, mehr Zeit in Europa zu verbringen. Hat «The Last Thing He Wanted» etwas an diesen Plänen geändert?

Mit meinem Agenten und meiner Managerin habe ich jetzt wirklich ein gutes Team, das mich an viele Castings bringt. Wenn man Leute hat, die für einen Druck machen, bringt das einiges ins Rollen. Das spricht jetzt wieder mehr für Los Angeles. Aber ich bin ein Europäer durch und durch. Das ist keine Kritik an Amerika, das ist einfach so. Ich kann mich in Amerika anpassen, wenn ich meine Leidenschaft, die Schauspielerei, das Kino leben kann. Aber ich vermisse Europa immer. Ich würde auch da gerne Arthouse-Filme machen. Aber man kann nicht alles haben. Meine Familie ist sehr glücklich hier. Wir haben ein Haus. Ich habe Freunde und ein Super-Team. Vorerst bleibe ich also und gebe alles.

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