Von der Karikatur zum echten Mann – die Entwicklung von James Bond

Fabian Tschamper

17.10.2020 - 14:00

James Bond stand stets für Ästhetik und knallharte Action, doch erst seit Kurzem beweist der Agent ihrer Majestät auch wirkliche Charaktertiefe. Bond ist jüngst in der Moderne angekommen.

Seit er 1953 das erste Mal in Ian Flemings Buch «Casino Royale» auftauchte, ist Agent 007, James Bond, zu einer Ikone geworden.

Trotz vielen Reboots und Schauspielerwechsel blieb die Resonanz durchweg positiv. James Bond war schon immer ein in jeder Beziehung schlagfertiges, körperlich starkes und perfekt angezogenes Mysterium von einem Mann.

Er hatte immer eine Leidenschaft für Autos, Gadgets und erst recht Frauen. Jeder James-Bond-Film – völlig egal, wer ihn spielt(e) – dreht sich um die Frau in Gefahr, es treibt die Handlung voran. Häufig, eben nicht immer, garantieren auch die Bösewichte immense Spannung.

Doch wie hat sich die Figur bis zur Moderne verändert? Sean Connery stellte genau das dar, was Ian Fleming niederschrieb. Der Charakter seines Bonds war eins zu eins jener aus den Büchern – zwar wurden seine von Q überlassenen Gadgets immer absurder (etwa die Raketenzigarre), aber im Grunde war er so, wie man sich James Bond vorstellt.



George Lazenbys Darstellung des Agenten in der Nachfolge Sean Connerys blieb nahe an seinem Vorgänger, weshalb man es hier bei einem Satz belassen kann.

Ein solider Bond, aber unwürdige Gegenspieler

Der nächste, der die Lackschuhe füllte, war Roger Moore. Wie schon Connery trug er den Charakter Bond in eine humoristische Richtung: Die lächerlichen Gadgets waren nur die eine Seite, die weithergeholten Bösewichte die andere.

Ein Beispiel: Mr. Big aus «Live and Let Die» wollte die westliche Welt unterwerfen, in dem er alle in die Heroin-Abhängigkeit treiben wollte. Während Sean Connery einen Bond darstellte, den Männer nur zu gern sein wollten, konnte Moores «Reicher Playboy»-Bond das Publikum nicht abholen. Viele Kritiker bezeichneten seine Interpretation als eine Parodie derer vor ihm.

Immerhin schaffte es dann Timothy Dalton, Bond – fast – wieder auf die richtige Schiene zu bringen. Die absurden Gadgets waren weg, aber er verlor auch den berühmten Bond-Charme. Das lag teils auch am Drehbuch, es war für einen Bond schlicht zu realistisch, zu bodenständig.

Als Goldjungen in Sachen James Bond dürfte manch einer den Namen Pierce Brosnan nennen. Er verwandelte den Agenten in einen Blockbuster-Star.

«GoldenEye» stellt Bond als starken Actionheld mit schlagfertigem Humor dar – unerreicht seit Connery. Obwohl Brosnans spätere Filme technischen Firlefanz und Bösewichte zeigten, die eigentlich auch aus der Science Fiction hätten kommen können, überwiegt sein Charme. So verliebte sich das Publikum abermals in 007.

Der Bruch mit der Tradition

Somit folgt die Gegenwart in muskulöser Form von Daniel Craig. Zum ersten Mal in der Geschichte Bonds ist der Protagonist nicht dunkelhaarig und braunäugig. Er ist blond und blauäugig.

Doch nicht nur oberflächlich veränderte sich James Bond, seit «Casino Royale» – dem ersten Bond-Film mit Craig – entwickelte sich plötzlich der Charakter Bond weiter. Es wird seitdem mehr Wert auf Dialoge gelegt, die dem Hauptcharakter mehr emotionale Verletzlichkeit verliehen.

Und spätestens bei «Skyfall» wurde aus dem oberflächlichen und sprücheklopfenden Frauenhelden ein ernstzunehmender Mann mit Gespür und Tiefe.

«No Time to Die» läuft ab Anfang April 2021 in den blue Cinemas.

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