Anthony Hopkins in der Isolation – zwischen Guru und gaga

Gil Bieler

20.4.2020 - 11:30

Anthony Hopkins in seiner Paraderolle als kannibalischer Dr. Hannibal Lecter im Filmklassiker «Das Schweigen der Lämmer».  
Bild: MGM Home Entertainment/AP/Keystone

Wochenlanger Lockdown – da könnte man langsam die Wände hochgehen, oder? Tröstlich, dass diese Ausnahmesituation auch an den Reichen und Berühmten nicht spurlos vorbeigeht. 

Ein Luxusheim schützt nicht vor Lagerkoller. So nahm ich letzte Woche mit Erstaunen zur Kenntnis, dass selbst Bill Maher, einer der dienstältesten US-Late-Night-Comedians, mittlerweile ganz ungeniert am Rad dreht.

Wie seine Berufskollegen ist auch Maher gezwungen, seine Sendung im improvisierten Homeoffice-Studio in Los Angeles statt im Studio aufzuzeichnen. In der neuesten Folge gab er freimütig zu, dass er langsam unter dieser Isolation leide. Und wie liesse sich die wachsende Verzweiflung besser illustrieren, als dadurch, einen Baum im heimischen Garten hochzuklettern?

Und das tut, wohlgemerkt, ein Herr, der sich in normalen Zeiten noch über «Kindsköpfe» echauffiert hatte, die im Erwachsenenalter noch Comichefte lesen.

Aber bitte, jetzt doch nicht den Mut verlieren – in den USA ist die Pandemie zwar noch in vollem Gange, doch hierzulande gibt es in einer Woche endlich die ersten Lockerungen, ein Stück weit Normalität. Das kann man noch schaffen, oder?

Wer seelischen Support benötigt, der sollte sich an Sir Anthony Hopkins halten. Die mittlerweile 82 Jahre alte Schauspiel-Ikone hält ihre Fans auf den sozialen Medien regelmässig mit Videos dazu an, das Lachen nicht zu vergessen: «Keep smiling!»

Oft wird Hopkins dabei von seinem Kater Niblo assistiert, der sein Herrchen zum Beispiel dazu anhält, ihn mit Musik zu unterhalten … «Katzen», meint Hopkins dazu schlicht.

Wunderschön, oder? Dass aber selbst bei einem Motivationsguru wie Sir Anthony die Gefahr besteht, dass er in ein paar Tagen die Wände hochgeht, zeigt dieser Clip von 2018. So hat man wohl selten einen 80-Jährigen herumturnen sehen – und man mag sich nicht ausmalen, wie die Coronavirus-Steigerungsform davon aussehen könnte.

Vielleicht jongliert der Schauspieler ja bald mit brennenden Kettensägen in der Stube?

Bevor hier der Eindruck entsteht, nur ältere Männer erlägen dem heimischem Wahnsinn – auch die Damen sind davor nicht gefeit. Beweisstück A: ein Beitrag von Kate Nash. Die britische Singer-Songwriterin sorgte mit einer schauerlichen Blockflöten-Interpretation des Hits «Enter Sandman» vom Metallica für Aufsehen, einer der grössten Metal-Hymnen überhaupt: 

«Ich bin ein Star, holt mich hier raus!» bekommt in diesen Zeiten eine völlig neue Bedeutung. Man hat ja fast schon Mitleid mit den Berühmtheiten dieser Welt, ginge es unsereins besser. Da gibt es nur eines: Zähne zusammenbeissen – und lächeln. 

Regelmässig gibt es werktags um 11:30 Uhr und manchmal auch erst um 12 Uhr bei «Bluewin» die Kolumne am Mittag – es dreht sich um bekannte Persönlichkeiten, mitunter auch um unbekannte – und manchmal wird sich auch ein Sternchen finden.

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