Kennen Sie Joe Exotic? Nicht? Dann ist es höchste Zeit!

Von Carlotta Henggeler

15.4.2020

Joe Exotic ist der neue Star am Netflix-Himmel. Die Reality-Doku zieht den Zuschauer gleich in seinen Bann. Doch warum? Ein Erklärungsversuch einer bereits Joe-Exotic-Infizierten.

Blondierter 80er-Jahre-Vokuhila, sein Look eine Mischung aus Trash-Countrysänger und Bastler-König MacGyver: Das ist Joe Exotic, schillernde Hauptfigur der «Tiger King»-Serie auf Netflix.

Zudem besitzt der Hobbysänger und Zoobesitzer aus dem US-Staat Oklahoma dermassen viele Waffen, dass nicht mal Rambo mit Zählen nachkommen würde. Und noch mehr exotische Tiere, vor allem Raubkatzen, die der Paradiesvogel hätschelt wie Omas Pudel und die auch alles dürfen.

Anfangs planten die Netflix-Macher Rebecca Chaiklin und Eric Goode eigentlich nur eine Doku über das Tierleid und den Tierschmuggel in amerikanischen Zoos mit Raubtierkatzen zu drehen. Bis ihnen Joe Exotic über den Weg lief – und er die Filmemacher in seinen Bann zog. 

Joe Exotic ist der Paradiesvogel unter den Paradiesvögeln. Joe Exotic heisst eigentlich Joseph Allen Maldonado-Passage und wurde als Joe Schreibvogel geboren. Und Herr Schreibvogel, äh Maldonado-Passage, äh Exotic zog am Karriere-Anfang als zaubernder Zoo-Wanderer durch die Einkaufstempel Amerikas.

Eines Tages hatte er das Nomadenleben satt und liess sich samt seinen zwei Ehemännern (ja, Joe Exotic ist bekennender Polygamist) häuslich nieder, wurde eben umstrittener Zoobesitzer – und schlechter Countrysänger. Kostprobe gefällig?

Packender als «Tatort» und «Dallas» zusammen

Worum geht es denn in der US-Raubtiersaga, die schon über zehn Millionen Zuschauerinnen und Zuschauer gesehen haben? «Tiger King» dreht sich um die Fehde zwischen Joe und seiner Konkurrentin Carole Baskin. Baskin ist selbsternannte Tierschützerin und Herrin über die Big Cat Rescue Organisation. Die blondierte Katzenbeschützerin gilt unter ihren Anhängern eine Art Mutter Theresa der Tiere. 

Carole Baskin bezichtigt Joe Exotic, seine Raubkatzen nicht tiergerecht zu halten. Alles sei nur Business für ihn. Und sie hetzt ihm Tierschützer an den Hals. 

Und was macht Joe Exotic? Er behauptet steif und fest, Carole Baskin habe ihren zweiten Ehemann Don Lewis verschwinden lassen und sich dessen Vermögen gekrallt. Lewis war Multimillionär. Der umtriebige Businessmann verschwand spurlos – und 90 Prozent seiner Multi-Millionen flossen in Baskins Taschen. Das ärgert Don Lewis erste Frau (von der er sich nie hat scheiden lassen) und seine Kinder bis heute. 

Klingt nach einem guten Stoff, nicht? Aber das ist noch nicht alles: Joe Exotic hat grossen Ärger. Innerhalb der sieben «Tiger King»-Episoden meldet sich Joe Exotic immer wieder aus dem Gefängnis. Er wurde wegen eines Auftragsmordes und diversen Tierschutz-Verstössen zu 22 Jahre Knast verurteilt. 

Noch immer nicht genug? «Tiger King» ist auch ein Tierschutz-Drama. Immer wieder rücken die Macher der Serie die beeindruckenden Tiere wunderschön ins Bild. Leider leben sie alle in Unfreiheit – in den USA leben heute mehr Tiger in Gefangenschaft, als auf der ganzen Welt in freier Wildbahn. 

«Tiger King» ist ein einzigartiger Cocktail aus exhaltierten Zoobesitzern, die sich gerne gegenseitig mit Dreck bewerfen. Alle leben mit ihren Tieren und Fans in ihrer eigenen konstruierten Welt. Oder wie es Joe Exotic treffend formulierte: «Die Leute kommen nicht, um Tiger zu sehen, sie kommen, um mich zu sehen.» Leider wahr.

Regelmässig gibt es werktags um 11.30 Uhr und manchmal auch erst um 12 Uhr bei «Bluewin» die Kolumne am Mittag – es dreht sich um bekannte Persönlichkeiten, mitunter auch um unbekannte – und manchmal wird sich auch ein Sternchen finden.

Andrea Bocelli singt in Mailand.

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