TV-Kritik «70 Jahre Kliby und Caroline» – diese toten Augen

Von Gion Mathias Cavelty

25.12.2020

«Caroline darf nicht sterben», fleht TV-Experte Gion Mathias Cavelty.

Gibt es Hoffnung für die Zukunft? Die Antwort lautet ganz klar: Ja! Das weiss ich seit gestern Abend, dem 24. Dezember. Aber nicht dank Maria und Josef ist mir das klargeworden, sondern dank eines anderen glamourösen Traumpärchens: Caroline und Kliby, auch bekannt als Kliby und Caroline.

In der 25-minütigen SRF-Hommage-Sendung «70 Jahre Kliby und Caroline», moderiert vom verkappten Jesuskind Michel Gammenthaler, musste ich Tränen lachen. Ja, ich musste so laut lachen, wie ich es das ganze ver***te Jahr 2020 nicht getan habe.

Losging der Rückblick natürlich mit Klibys erstem Auftritt im «Teleboy» anno 1977 – schon hundertmal gesehen, schon hundertmal als brillant befunden (Caroline mit Blick auf Kurt Felix: «Wie gross chann en Aff wärde?»); Klibys Treffen mit Papst Johannes Paul II. kam zur Sprache (Kliby: «Es unheimlich tolls Erläbnis»); sein Riesenerfolg mit über einer Million verkauften Tonträgern (und das als Bauchredner!); sein Gastauftritt 1997 in «Fascht e Familie» (tausendmal lustiger als die gesamte Serie); Caroline war darin wunderbar aktiv-aggressiv.



Stars aus der Schweizer Unterhaltungsszene gratulierten Kliby in Einspielern dann noch zum 70. Geburtstag, den Kliby just an diesem 24. Dezember feierte: Michael Elsener, Peter Reber, Peach Weber.

Am Schluss verabschiedete sich Kliby bei den Zuschauern feuchten Auges mit folgenden Worten: «Ich glaub, wemme füfzg Johr uf de Bühni törf sii, hät me e riesetolli Karriere hinder sich. Und ihr Fans sind eifach immer hinder mir gschtande und treu zu mir gsii, und für das säg ich Merci vielmol!»

Hm? Hatte ich gerade richtig gehört? War das Ganze in Wirklichkeit eine Abschiedssendung gewesen? Ein Adieu für immer?

Ich bin dann sofort googeln gegangen, und tatsächlich: «Kliby tritt Ende Jahr von der Bühne ab», «Kliby und Caroline künden Bühnenrücktritt an» oder «Nach 50 Jahren ist Schluss: Kliby stellt seine Caroline ins Museum» lauteten Schlagzeilen, auf die ich stiess.

Nein, nein, nein! Das können wir nicht zulassen! Und wir haben die Möglichkeit, das nicht zuzulassen!

Ich habe «70 Jahre Kliby und Caroline» zurückgespult, eine Grossaufnahme von Caroline gefreezt und ihr ganz tief in die Augen geblickt. Diese toten, schwarzen Knopfaugen. So lange, bis tatsächlich ein kleines Fünkchen Leben in ihnen aufglomm. Es war ein weihnachtliches Wunder. Und ich habe laut in Richtung Fernsehapparat gesagt: «Caroline – du darfst nicht sterben! Lebe! Lebe!»

Es ist wie bei Sherlock Holmes: Dessen Erfinder, Arthur Conan Doyle, liess ihn in der Kurzgeschichte «Das letzte Problem» in den Reichenbachfällen sterben, weil er genug von seiner eigenen Figur hatte – doch die Leser protestierten so heftig, dass Doyle seinen Meisterdetektiv wieder auferstehen lassen musste.

Und das Gleiche ist nun hier vonnöten. Wir müssen alle zusammenhalten und an Kliby appellieren: «Mach deine Entscheidung rückgängig! Caroline gehört nicht nur dir – sie gehört uns allen! Sie ist nicht nur eine Puppe, sondern menschlicher als jeder Mensch.»

Und nun noch ein Geheimnis. Kliby hat eine grosse Leidenschaft: Er sammelt Porzellankuh-Rahmhäfeli. Ich habe die gewaltige Porzellankuh-Sammlung in seinem Haus in Kreuzlingen mit eigenen Augen gesehen. Wenn jetzt jeder von uns Kliby eine Porzellankuh schickt (als verspätetes Geburtstagsgeschenk), dann könnte er uns unsere Bitte nicht abschlagen. Das wären dann schätzungsweise sechs Millionen Porzellankühe, die in Kreuzlingen eintrudeln würden ... ein herrliches Bild wäre das! Ein Bild der reinen Hoffnung.

Ein frohes, glückliches 2021 für alle! Jo waaaaaaaaaaaaa?!!!

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