SRF: Corona-Massnahmen Plastikfolie für Mikrofone und Hygiene-Masken

Von Carlotta Henggeler

1.4.2020

Kein professionelles Make-up mehr, zwei Meter Abstand zu den Interviewpersonen, ein Pandemie-Notfallplan: Etwa diese Massnahmen hat das Schweizer Fernsehen getroffen, um die Berichterstattung in Corona-Zeiten zu ermöglichen. 

Die «Tagesschau» gehört für viele Schweizerinnen und Schweizer zum Fernsehabend wie das Amen in der Kirche. Gerade jetzt in Corona-Zeiten, mehr denn je.

Doch wie schaffen die News-Reporterinnen und -Reporter des Schweizer Fernsehens, den Betrieb aufrechtzuerhalten, um täglich informieren zu können? Wie wird in den Grossraumbüros und auf Reportage gewährleistet, dass sich möglichst niemand ansteckt?

«Bluewin» hat bei SRF-Sprecher Stefan Wyss nachgefragt.

Gibt es bei SRF ein Homeoffice-System? 

Bei SRF sind bereits verschiedene Massnahmen eingeleitet worden, um die Gefahr von allfälligen Ansteckungen innerhalb von Redaktionen zu vermeiden. So werden beispielsweise Redaktionen in zwei Gruppen getrennt, die sich nicht persönlich begegnen. Davon arbeitet eine Gruppe jeweils im Homeoffice, eine vor Ort.

Seit Beginn der Corona-Krise befolgt SRF die Empfehlungen und Massnahmen des BAG sehr genau. Sowohl bei der SRG als auch bei allen Unternehmenseinheiten wie SRF ist seit Beginn der Krise eine Pandemiegruppe im Einsatz, die alle notwendigen Massnahmen koordiniert, um den Schutz von Mitarbeitenden und Gästen zu gewährleisten.

News-Reporterinnen und -Reporter müssen zwei Meter Abstand zum Interviewpartner halten. Wie wird das gewährt?

Um das eigene Personal und Interviewgäste bestmöglich zu schützen, hat SRF Richtlinien für Reporterinnen und Reporter erlassen. Auf Aussenreportage halten sich SRF-Mitarbeitende strikt an die Anweisungen des Bundes. Der Mindestabstand von zwei Metern wird eingehalten – sowohl zwischen den Crewmitgliedern wie auch zu den Gesprächspartnern. Um den Abstand von zwei Metern in Interviewsituationen einhalten zu können, setzt SRF Teleskope sein. Teilweise halten die interviewten Personen die Mikrofone auch in der eigenen Hand. Dies war auch schon in Beiträgen sichtbar.

Alle Mikrofone tragen einen sichtbaren Virenschutz. Werden diese nach jedem Interview ausgewechselt?

Als zusätzliche Schutzmassnahme überzieht SRF die Mikrofone für jedes Interview mit einer Plastikfolie, die danach entsorgt wird. Damit wird sichergestellt, dass sich das Virus nicht auf den Mikrofonen festsetzt. Bei Interviews mit Personen aus der Risikogruppe können Hygienemasken zum Einsatz kommen, falls das Social Distancing in der Interviewsituation nicht eingehalten werden kann.

Und dann gibt es noch das Thema Studiopublikum.

Wie bekannt ist, verzichtet SRF bei Studioproduktionen schon länger auf Publikum. Wir gewährleisten das Social Distancing aber auch im Studio. Bei den News-Sendungen sind die Moderierenden dank der Kameraroboter ja allein. Bei den Sendungen mit Gästen halten wir den Abstand stets ein oder wir treffen bauliche Massnahmen. Beim ‹Kassensturz›, der ‹Rundschau› oder ‹Sternstunde› kamen zum Beispiel durchsichtige Schutzwände zum Einsatz. Der ‹Club› wich zuletzt ins grössere Studio vom ‹Sportpanorama› aus, damit die Abstände zwischen den Gästen garantiert werden können.



Hat Corona etwas in der Berichterstattung verändert? 

Aufgrund der aktuellen Situation gab es sehr viele Programmänderungen bei Radio und Fernsehen, bei denen man vor allem auch dem Bedürfnis des Publikums gefolgt ist. Zunächst gab es ein riesiges Informationsbedürfnis, dem wir sowohl in den regulären News-, Magazin- und Talksendungen nachgekommen sind, aber auch mit diversen Sondersendungen. Und vor allem auch online haben wir die Leute ausführlich über alle Aspekte informiert – auch dort haben sich die Nutzungszahlen sehr stark erhöht.

Das Informationsbedürfnis ist immer noch gross, darum ist der Newsjournalismus mit Einordnungen weiter stark gefragt. Jetzt wird vom Publikum aber vermehrt auch wieder der Wunsch nach etwas Zerstreuung oder Ablenkung formuliert. Und mit der neu lancierten Reihe ‹sport@home›, bei der Profisportler dem Publikum Übungen zeigen, die sie zu Hause machen können, sind wir ebenfalls einem mehrfach geäusserten Publikumswunsch direkt gefolgt.

Darf man in diesen düsteren Zeiten auch unterhalten?

Wie man im Privaten nun wohl nicht dauerhaft nur schlechte Nachrichten konsumieren, sondern trotz allem auch mal lachen will, wollen wir auch bei SRF nicht nur schwere Kost vermitteln. Darum hat SRF zum Beispiel auch entschieden, dass etwa trotz Corona eine neue Staffel von ‹Deville› startet. In den nächsten Ausgaben produziert ‹Deville› allerdings ohne Publikum und nicht wie gewohnt aus dem Folium im Sihlcity in Zürich.

Wie viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter befinden sich in Quarantäne?

Aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes machen wir keine Angaben dazu, solange es keinen wahrnehmbaren Einfluss auf unsere Programmleistung hat. Wir haben bei zwei Moderationswechseln in Absprache mit den Betroffenen transparent kommuniziert, weil die Änderungen einem breiten Publikum aufgefallen wären und es dementsprechend Fragen gegeben hätte (Anm. der Redaktion: Dabei handelt es sich um Mario Grossniklaus und Mona Vetsch, «Bluewin» berichtete.)

Gibt es ein Notfall-Szenario, sollte wegen Corona ein normaler Betrieb nicht mehr möglich sein?

Selbstverständlich bereitet sich SRF auch auf Szenarien vor, falls ein Betrieb im aktuellen Umfang nicht mehr möglich wäre. Es gibt aber im Moment keinen Anlass, solche Szenarien zu skizzieren.

Wie stemmen die Regionalsender wie TeleZüri und Co. die Corona-Krise? Markus Gilli, Chefredaktor TeleZüri, Tele M1, TeleBärn liefert morgen die Antworten.

Corona: Konsequenzen fürs TV-Programm.

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