«Die Affäre Meili»: Als der Ruf der Schweiz fast ruiniert war

tsch

23.8.2018

Wurden 1997 Bankakten zu nachrichtenlosen Vermögen von jüdischen Holocaust-Opfern vernichtet? «Die Affäre Meili» lässt den grossen Schweizer Skandal Revue passieren.

Es klingt auch heute noch wie einem hochspannenden Hollywood-Thriller entnommen: Im Januar 1997 wird der junge Wachmann Christoph Meili urplötzlich zum Whistleblower - und zum Protagonisten einer weltumspannenden Staatsaffäre. Denn die hochbrisanten Bankenakten, die der Familienvater vor dem Schreddern bewahrt, weisen auf historische Vorgänge hin, die den guten Ruf des Schweizer Bankenwesens zu entzaubern drohen. Was hat es mit den sogenannten nachrichtenlosen Vermögen von jüdischen Holocaust-Opfern auf Schweizer Banken auf sich? Meili wird zum Medienstar, ebenso wie Sonderbotschafter Thomas Borer, der in der Folge des Skandals mit einer Task Force retten soll, was noch zu retten ist. Regisseur Daniel von Aarburg (lesen Sie hier auch das «Bluewin»-Interview) lässt «Die Affäre Meili» in seinem Film, der erst im Kino lief und jetzt bei SRF zu sehen ist, Revue passieren.

Filmemacher Daniel von Aarburg brachte die wichtigsten Protagonisten von damals vor die Kamera.
SRF

Vom Wachmann zum «Whistleblower»

Als Christoph Meili vor über 20 Jahren Dutzende verdächtig erscheinende Akten fand und sie vor der Vernichtung rettete, war der Begriff «Whistleblower» im deutschen Sprachraum noch nicht verbreitet. Und doch wurde der Nachtwächter der Schweizerischen Bankgesellschaft über Nacht zu einem genau solchen. Die Bankakten, die er fand, enthielten Informationen von nachrichtenlosen Vermögen von Holocaust-Opfern aus dem Zweiten Weltkrieg. Die Zerstörung dieser Akten war erst im Jahr zuvor verboten worden. Meili handelte schnell und übergab einige Papiere an jüdische Organisationen, die sogleich die Schweizer Kriminalpolizei einschalteten.

Der Fall führte zu einem Aufschrei und Riesenskandal, der die Schweiz insgesamt in einem überaus schlechten Licht dastehen liess. Der Mythos der Neutralität stand auf dem Spiel. In der Folge sollte die Task Force «Schweiz -Zweiter Weltkrieg» unter Leitung von Thomas Borer den Ruf der Schweiz in den USA wiederherstellen. Meili und Borer - anhand der persönlichen Geschichten jener beiden Hauptakteure der Geschichte rollt die Dokumentation die Ereignisse auf, die mit der Zahlung von 1,25 Milliarden Dollar 1998 ein Ende fanden.

Zeitzeugen erinnern sich

Beide Männer erinnern sich im Rückblick daran, welche Opfer sie während der grössten aussenpolitischen Krise der Schweiz seit dem Zweiten Weltkrieg brachten. Zu Wort kommen auch weitere Zeitzeugen und Experten, etwa Alt-Bundesrätin Ruth Dreifuss oder der damalige Nationalrat Christoph Blocher. Zudem äussern sich erstmals auch die US-Akteure von damals ausführlich - darunter auch Ex-Senator Alfonse D'Amato und Unterstaatssekretär Stuart Eizenstat.

«Die Affäre Meili» läuft am Donnerstag, 23. August, um 20.05 Uhr auf SRF 1. Mit Swisscom TV Replay können Sie die Sendung bis zu sieben Tage nach der Ausstrahlung anschauen.

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